Wyrd / Wurda

Diskussionen rund um das Thema Götter und Heidentum
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Boduos

Wyrd / Wurda

Beitrag von Boduos » 03.04.2017, 21:15

Hallo Forum.

Hat sich eine oder einer von Euch intensiver mit dem Konzept des Wyrd beschäftigt? Der letzte Thread dazu war von 2002 sagt die Suchfunktion. Wie sieht der neopagane Ansatz im deutschen Asatru zum Wyrd-Konzept aus?

Boduos

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Armin
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Beitrag von Armin » 04.04.2017, 00:00

Hallo Boduos,

klasse Frage, die ich - aufgrund der Uhrzeit - für heute mit einem Link-Verweis beantworten will


Solidarität - mit wem?


ich habe in der Diskussion thematisch bezogen meine Ansicht dazu kundgetan, aber ich finde die Frage so spannend, daß ich morgen (oder übermorgen :whistling: ) dazu noch etwas schreiben werde! Denn ich habe mich sehr intensiv damit auseinandergesetzt!

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TaJu7
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Beitrag von TaJu7 » 04.04.2017, 08:07

es gibt bestimmt leute die sich mit diesem konzept besser auskennen als ich aber aus eigener Erfahrung kann ich nur sagen

alles wird wie es wird

also alles wyrd

ich merke, dass in meinem leben gewisse knotenpunkte (des "Wyrd-Netzes") bei orten oder menschen liegen. Sowas merke ich wenn ich ungeplant wo hin muss, und dort "Zufällig" menschen treffe, die mir entweder wichtig sind oder denen ich wichtig bin. manchmal muss man auch nur jemand für ein paar Minuten im leben treffen (z.B. erste hilfe bei einem Unfall)...

zudem kommt es mir so vor als ob ich mit manchen menschen oder orten "stärker" verwoben bin als mit anderen...man kann auch keine Verbindung erzwingen...entweder ist man verbunden und man intensiviert diese Erfahrung oder man ignoriert diese Verbindung und trennt sich aktiv (z.B. bei gescheiterten Liebesbeziehungen)...

aber dass kann man alles nicht so pauschalisieren...es ist was sehr persönliches aber es fühlt sich gut an...ich meine auch sowas wie Geborgenheit zu spüren; wenn dieses Geborgenheitsgefühl mich verlässt, verlasse ich den ort oder die Personen die momentan zugegen sind...das hat immer bis jetzt gut geklappt, besonders bei "brenzlichen" Situationen...die götter stehen bei, aber gegen das mächtige geflecht der nornen (oder disen oder wie du diese schicksalsweiber auch nennen magst) sind sie machtlos. Auch die Götter sind in diesem Wyrd-Geflecht "eingewoben" so wie wir alle und das ganze Universum mit allen welten...

ich hoffe du versteht was ich meine...

heil&segen

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Werdandi
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Beitrag von Werdandi » 04.04.2017, 08:54

Wyrd. Mehrdimensionales Gewebe ,das auf vielen Ebenen agiert und interagiert. Es gibt Hauptstränge, die unveränderbar sind(Geburt, Leben, Tod) um diese herum entsrehen viele Stränge,die unendliche Möglichkeiten bieten. Zum Einen können wir selbst sozusagen Knoten knüpfen,zum anderen werden Knoten geschlungen,auf die wir als Mensch keinen Einfluss haben. Das"Material" erschaffen die Nornen(Parzen o.ä. "Schicksalsweber" . Die Zwischenräume füllt das Nertho,die Lebens oder Daseinsenergie schlechthin.
Beeinflussen können wir das Wyrd. Alles was dichter an unserem"Knoten " liegt schwingt mehr,was weiter weg ist schwingt weniger mit.
Da das Wyrd sowohl in Zeit als auch im Raum präsent ist ,ist eben Alles mit Allem verbunden. Wers kann bewegt sich an den Fäden entlang und hat so Ausblicke auf Dinge die tiefer liegen...

Ganz knapp und vereinfacht gesagt.
[font='Comic Sans MS, sans-serif']Erst wenn die Drachen wieder frei fliegen, ist mein Tun in dieser Welt beendet. Dann kehre ich Heim zu dir,um die Fäden des Wyrd neu zu spinnen.[/font]

Boduos

Beitrag von Boduos » 04.04.2017, 09:38

Ich finde es kurios, das bei den Griechen, Römern und Germanen ein Konzept wie das des Wyrd und die wyrd sisters vorhanden ist, bei den Kelten ein solches Konzept aber fehlen soll. Ob die drei Beden eine ähnliche Funktion erfüllen ist nicht belegt. Wie gesagt, ein Kuriosum. Weiss man vergleichbares aus dem slawischen Raum?

Ich habe derzeit solche Probleme meine Grdanken und deren Komplexität in Worte zu.fassen, das ich schon überlegt habe Schreibkurse an der VHS zu belegen. Ich versuche es trotzdem.

Die Frage bei dem Thema.wie bei allen Themen, ist die des Betrachtungswinkels. Man kann den rekonstruktionistischen, den neopaganen, den esoterischen Ansatz wählen und hat dementsprechend untershiedliche Methoden, Bewertungen und Resultate. Das ist von meiner Seite auch keine Frage der Legitimation, sondern der Kommunikation. Ich persönlich arbeite gerade an einem persönlichen memetischen Neopaganismus. Deswegen kann das ein wenig weird klingen, was ich versuche auszudrücken.


Meiner Meinung nach jedes Objekt im Universum immer nicht drei- sondern vierdimensional. Berge, Ozeane, Sandkörner, Ameisen, Vögel und Menschen nehmen nicht nur einen Raum ein, sondern eine Raumzeit. Wir bewegen uns durch den Raum. Das Wyd oder Werden ist eine Verflechtung von sich gegenseitig beeinflussenden Kausalitäten, Prozessen, Abläufen. Das bedeutet das das Wyrd einerseits deterministisch ist wenn es um große Prozesse geht, jedenfalls aus unserem Blickwinkel und anderseits im Flux je filigraner die Prozesse werden. Da allerdings so viele gevensätzliche Abhängigkeiten existieren und vor dem Urd Brunnen auch noch Herr Heisenberg Wache steht können wir nicht berechnen sondern nur vermuten, fühlen, orakeln.

Ich bringe den Kindern hier bei uns bei, das sie darauf achten sollen mit wem sie Hr Wyrd verflechten, den nicht nur formt der Hammer den Amboss,.sondern auch der Amboss den Hammer. Oder wie Goethe sagte, alles was wir sehen trägt zu unserer Bildung bei.

Sirry für die Kürze und Rechtschreibfehler. Bin auf Arbeit vom Handy aus unterwegs und Pause ist vorbei.
Zuletzt geändert von Boduos am 04.04.2017, 09:46, insgesamt 2-mal geändert.

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Beitrag von Baldur » 04.04.2017, 11:06

Hallo Boduos,

ich habe mal eine Radiosendung darüber recherchiert und einen Vortrag beim Thing gehalten.
Die Sendung "Germanische Schicksalsbegriffe" kannst du jederzeit vom Radioarchiv abrufen und nachhören.

https://cba.fro.at/320749

Ich hoffe, es ist etwas für dich dabei bzw. kann deine Fragen beantworten.
Würde mich freuen, von dir zu hören.

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dass Genies mehr von ihrem Gehirn auf eine bessere Art und Weise benutzen.“

Boduos

Beitrag von Boduos » 04.04.2017, 11:45

Sag dir meinen Dank Baldur. Ich werde mir den Podcast herunterladen, wenn ich nachher bessere Bandbreite habe.

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Beitrag von Preusselchen » 04.04.2017, 23:10

[quote='Boduos','index.php?page=Thread&postID=144810#post144810']Weiss man vergleichbares aus dem slawischen Raum?[/quote]Ich habe von Rod und den Rozhanitsy (Singular: Rozhanitsa), eine Gruppe von einer männlichen Gottheit und zwei oder mehreren weiblichen Gottheiten, die oft mit dem Stamm und der Familie und deren Wohlbefinden und Schicksal verbunden werden.

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artjulain
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Beitrag von artjulain » 05.04.2017, 02:42

Was ich hier jetzt schreibe, ist meine eigenen private Vorstellung von Wyrd - die sicher auch aus meinem pantheistisch geprägten Weltbild zu verstehen ist.

Das Wyrd ist mit dem Entstehen des Universum verbunden - es entstand mit dem Urknall, indem es Träger seiner Wahrheit wurde, jener Wahrheit die diesen Urknall ausgelöst hat, wie immer man diesen Urknall begreifen will.

Indem sich das das Universum ausdehnte - "entstand" - und in zahlreicher Weise materialisierte, wurde das Wyrd zur Wahrheit dieses "Entstehens / Werdens. Ein jedes materielle Teil weiß für sich um die Wahrheit die es selbst in sich birgt und es weiß sozusagen um seinen Ort im Raum, bzw. könnte es wissen. Jedoch um die Wahrheiten die in all den anderen materiellen Teilen geborgen liegt , weiß es nichts.

So bildete sich die Welt des Wyrd als eine Art Hintergrundrauschen, aus unzähligen Wechselwirkungen der materiellen Dinge (des Daseins) und zu letzt auch des entstandenen (materiellen) Menschen. In diesem nun, entstand ein Gefühl des Mangel, indem er sich als Teil dieser Welt, diesen kaum durchschaubaren Wechselwirkungen "ausgeliefert sah, es entstand die Vorstellung unentrinnbaren Schicksals, das auch ihre Vorstellung von den Göttern umspann.

Diese Wechselwirkungen erschienen ihm bald als einen Art „Netzwerk“, in dessen Schlingen sein Leben „verstrickt“ war.

Menschen jedoch, die in der Lage waren aus der in ihnen selbst angelegten Wahrheit auf die Wahrheit des Ganzen zu schließen, wurden als Seher bald in die Lage versetzt, bei aller Begrenztheit ihrer Möglichkeiten , aus den von ihnen erkannten Wechselwirkungen, Teilbilder der Zukunft zu erstellen. Es zeigte sich, daß im Wissen um 1 Zukunft, sich aus verändertem Verhalten des Menschen Varianten dieser Zukunft kreieren ließen, daß der Mensch also als Teil vom Ganzen den Wechselwirkungen des Wyrd zwar unterworfen war, bei geistiger Entgrenzung, seelischer Vertiefung und weltlicher Erfahrung jedoch in der Lage war, eine begrenzte Autonomie des materiellen Daseins zu erlangen, die immerhin in der Lage war, das eigene, unmittelbare Ergehen freier zu gestalten. Damit war er immer noch nicht aus den Wechselwirkungen des Wyrd befreit die ihn umgaben, aber er konnte sich Freiräume selbstbestimmten Handelns erstreiten – er begann an dem Netzwerk des Wyrd mitzuweben, um damit zu versuchen, seine eigenes Schicksal in die Hand zu nehmen.

So wie nun das Wyrd die Wahrheit hinter den Dingen bildet, so bildet das Urlag die Ordnung hinter den Dingen, die sich aus den Wechselwirkungen des Wyrd erzeugt hat - und aus dieser Ordnung hinter den Dingen das Gesetz der Dinge selbst. Geburt, und Tod sind nicht Schicksal sondern Gesetz (Das Gesetz von Entstehen und Vergehen) - wann diese Geburt oder dieser Tod jedoch eintritt - das bestimmen die Wechselwirkungen des Wyrd - und daran vermöge wir als Mensch mitzuweben.

Boduos

Beitrag von Boduos » 05.04.2017, 06:02

[quote='Baldur','index.php?page=Thread&postID=144813#post144813']
Die Sendung "Germanische Schicksalsbegriffe" kannst du jederzeit vom Radioarchiv abrufen und nachhören.

https://cba.fro.at/320749

[/quote]Kann man das auch irgendwo herunterladen?

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Nebelkrähe
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Beitrag von Nebelkrähe » 05.04.2017, 07:08

die Vorstellung des Wyrd finde ich eigentlich ganz schön, und rückblickend auf mein bisherigen "Lebenslauf" finde ich viele Knoten wo es Abzweige gab, unter denen ich "wählen" konnte. Auch interessant der Aspekt, das manche Dinge fix sind und unveränderbar, aber auf viele man doch einfluss haben kann durch seine Taten, Handlungen und Entscheidungen.

....da fällt mir noch ein Zitat aus "Matrix" ein: "Glaubst du an Schickal Neo?"----"Nein. Mir missfällt der Gedanke mein Leben nicht unter kontrolle zu haben"....
Die Große Mutter wählt keine Seite und wertet die Taten der Menschen nicht. Sie IST einfach. Es liegt am Menschen ob er ihr Schaden zu fügt und damit sich selber oder nicht.

Boduos

Beitrag von Boduos » 10.04.2017, 20:53

Gibt es eigentlich eine historische Nornirs Aett? Und wie sieht die Aett der "Nornirs Aett" aus?

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Baldur
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Beitrag von Baldur » 13.04.2017, 08:21

[quote='Boduos','index.php?page=Thread&postID=144826#post144826'][quote='Baldur','index.php?page=Thread&postID=144813#post144813']
Die Sendung "Germanische Schicksalsbegriffe" kannst du jederzeit vom Radioarchiv abrufen und nachhören.
https://cba.fro.at/320749
[/quote]Kann man das auch irgendwo herunterladen?[/quote]
Gibt es leider nur als Stream.
Da sich in den Sendungen logischerweise Musik befindet, legt sich die Musikmafia quer und wir dürfen keine Downloads erlauben.

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Boduos

Re: Wyrd / Wurda

Beitrag von Boduos » 11.09.2018, 12:51

@Artjulain

Du redest von einem deterministischen Universum? Bist du der Meinung das der Ablauf aller Dinge unabwendbar bereits im Urknall angelegt waren und sind und sein werden bus entweder der Big Crunch oder der Kältetod das Universum ereilt?

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