Gab es Germanen?

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Markus Nicklas
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Gab es Germanen?

Beitrag von Markus Nicklas » 15.03.2018, 09:41

diese Frage zu stellen allein schon, macht mich schwindeln, doch was soll´s, denn dieser Begriff wird offenkundig in einer Weise instrumentalisiert, die ich nicht dulden will. Wobei mich schon interessiert, wie es dazu kam, dass die Begriffe "Germane, Germanismus u.a." einen scheinbar so festen Platz im so genannten nationalen Bewusstsein haben. Da liegt wohl der Hase im Pfeffer, doch die Frage nachhaltig zu beantworten obliegt meiner Ansicht nach Personen wie Herrn Banghard. Ich habe ihm bereits nahe gelegt, die Möglichkeit eines Artikels im Herdfeuer über den Begriff in Betracht zu ziehen.

Nee, wer den Begriff weiterhin benutzen will, bitte, ja, doch möge das Bewusstsein dafür wenigstens bekannt sein, dass der Begriff und seine Bedeutung :) zur Disposition stehen.

http://www.afm-oerlinghausen.de/blog/st ... ios-verlag
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Beitrag von volker » 15.03.2018, 13:36

Sicher alles eine Frage der Definition, ich denke es gab wohl eher nicht "Die Germanen" als einheitliche Bevölkerung, wo auch immer, aber es gab wohl schon irgendwelche verschiedene Germanen, als Kulturgemeinschaften die sich sehr ähnlich waren.
Falsch halte ich, zu behaupten es gab jemals "Die Germanen" als eng gefasste einheitliche Menschenmenge, genauso falsch halte ich aber auch zu behaupten es hätte nie "Germanen gegeben", denn einen gewiss pluralistischen, germanische Sprachen sprechenden Kulturkreis hat es wohl doch irgendwie gegeben.
Auch sicher wieder eine Definitionsfrage, die aber gewiss wenig mit einheitlicher Abstammung zu tun hat.

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Waldtochter
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Beitrag von Waldtochter » 15.03.2018, 18:03

Ja, gab es.

(Hab dazu auch vor längerer Zeit mal einen Artikel geschrieben.)

Wenn man von "die Europäer" spricht, geht man ja auch nicht von einer homogenen Gesellschaft aus, ganz im Gegenteil.

"Die Germanen" ist ein wissenschaftlich anerkannter Begriff. Er wird von Simek, Krause und Co. ohne jegliches Bedenken verwendet. Sie stecken nämlich nicht mehr in der NS-Zeit fest, wo Germane = deutsches Volk war. Die Interpretation des letzten Jahrhunderts ist tatsächlich falsch; aber wer ihr heute noch anhängt schlichtweg nicht auf dem akutellen Stand der Dinge.
Was die Germanen eint, sind einige kulturelle Eigenheiten (nein, die sind nicht identisch), ähnliche Götter (ohne zwangsläufig gleichen Namen und nicht immer mit übereinstimmendem Kult) und insbesondere dieselbe Sprachfamilie (nein, sie sprachen nicht alle denselben Dialekt).

Allein aus linguistischer Sicht ist es deswegen nicht nur möglich, sondern zwingend, von Germanen zu sprechen: Nämlich als das Volk, welches die germanische Sprache sprach (in allen Auswüchsen selbstverständlich; so wie "Deutsch" heute auch hunderte und aberhunderte Dialekte beinhaltet). Was ist die germanische Sprache? Die Sprachstufe, auf der die Erste Konsonantische Lautverschiebung stattfand. Trotz keinerlei Schriftzeugnisse dieser Stufe, muss man davon ausgehen, dass es sie gab, weil ansonsten nicht zu erklären wäre, wie alle germanischen Sprachen diesen Veränderungen unterlagen.
Wer also sagt, die Germanen hat es nie gegeben, müsste erstmal erklären, warum die Erste Konsonantische Lautverschiebung eine Irrlehre ist.

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Markus Nicklas
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Beitrag von Markus Nicklas » 16.03.2018, 07:41

an dieser Stelle, denn all diese Gedanken mögen als Fundus dienen, um dem Begriff weiterhin auf die Spur zu kommen. Und gerade die sprachliche Erkundung auf deren Basis ich mich bewege - danke sehr für den Hinweis, Waldtochter :) - läßt mich über Interpretationsansätze und Motivation in der Forschung nachdenken, denn ich scheine die gleiche Sprache zu benutzen, habe dennoch persönliche Filter des Verständnisses. :)
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Beitrag von Waldtochter » 19.04.2018, 22:17

Hey Adolfo,

falls du immer noch an dem Begriff interessiert bist und eine Bibliothek in deiner Umgebung hast - schau mal im Reallexikon der germanischen ( ;) ) Altertumskunde in Band 11 nach. Obwohl die meisten Artikel nur zwischen 5 und 10 Seiten lang sind, findet sich da zu "Germanen, Germania, ..." ein 250-Seiten-Artikel mit feinster wissenschaftlichen Arbeit.
Hab ihn nur überflogen, aber vielleicht interessiert es dich ja.

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Markus Nicklas
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danke schön,

Beitrag von Markus Nicklas » 20.04.2018, 08:46

bitte weiter Quellen sammeln, denn damit stehen aktuell verläßliche Tipps zur Verfügung.


Ich bin grad voll im Übersetzen und peripheren FOrschen nach Ortsnamen wie Lippspringe.

:)
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Germanenmonster

Beitrag von Markus Nicklas » 16.07.2018, 07:38

neulich bin ich auf diese VEranstaltung an der Uni Göttingen aufmerksam geworden.

http://archaeologik.blogspot.com/2018/0 ... nster.html

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