Mjölnir, ein politisches Statement ?

Diskussionen rund um das Thema Götter und Heidentum
Gaahl
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Mjölnir, ein politisches Statement ?

Beitrag von Gaahl » 17.10.2018, 07:32

Hallo allerseits,

nach langer Abwesenheit bin ich nun endlich wieder im Forum unterwegs und wollte diese Gelegenheit gleich mal nutzen.
Ich habe mich in letzter Zeit relativ stark verändert und privat viele neue Wege eingeschlagen, unter anderem bin ich nun auch in die Politik gegangen und engagiere mich vor Ort.
Vor gut 5 Jahren habe ich mir ein Tattoo stechen lassen, damals war ich noch stark in der Metal-Szene unterwegs und habe mich deswegen für ein Mjölnir-Motiv entschieden.

Dafür habe ich auch schon merkwürdige Blicke kassiert und gerade in meinem Umfeld, in diesem sind viele Personen sehr "links" eingestellt, durfte ich mich bereits rechtfertigen warum, wieso, weshalb gerade dieses Motiv.
Anscheinend wird gerade der "Thors-Hammer" gerne von Rechtsextremen genutzt und war wohl auch in der Nazi-Zeit ein beliebtes Symbol.
Zu allem kommt auch noch meine nicht mehr vorhandene Haarpracht :D

Wie geht ihr denn damit um, dass man, sofern man sich für das Heidentum und die nordische Mythologie interessiert, gleich in eine Ecke geschoben wird ?
Oder habt ihr solche Erfahrungen noch nicht gemacht ?

Boduos

Re: Mjölnir, ein politisches Statement ?

Beitrag von Boduos » 17.10.2018, 10:57

Prinzipiell haben die Leute recht. Die Wahrscheinlichkeit das einer, der diese Symbole, Botschaften und Bilder ausstrahlt und diesen Habitus pflegt rechtskonservativ bis rechtsradikal ist eben signifikant hoch. Ich weiss das nicht jeder Heide ein Rechtsradikaler ist aber erfahrungsgemäß gehe ich präventiv davon aus. Vor allem seit die durch den Rechtsruck in Europa aus ihren Löchern kriechen. Rassismus ist halt wieder in der Mitte der Gesellschaft amgekommen.

Letztens im Lidl einen Polen gesehen (hab ihn reden hören) im Thor Steinar Hoodie mit Drachenboot und Runen. Der Kollege meines Sohnes meinte zu mir das das ja nichts heisst. In einer Zeit in der Sarrazin Bücher über Umvolkung schreibt und das Bestseller werden brauchst du dich nicht wundern wenn du dieselben Signale benutzt.

Sarrazin hat übrigens schon wieder ein neues Buch auf den Bestsellerlisten....

Da hilft halt nur parallel auch noch antifaschistische pluralistische Signale zu senden und zu hoffen das die Antifa dich nicht verdrischt.

Von wegen Erfahrungen. Im schlimmsten Fall bin ich für die Leute ein Kommunist der wie ein Nazi aussieht.

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Aethelstan1984
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Re: Mjölnir, ein politisches Statement ?

Beitrag von Aethelstan1984 » 17.10.2018, 14:27

Ich trage Mjölnir immer offen und habe selbst noch keine schlechten Erfahrungen gemacht, was aber mit meinem Umfeld zu tun hat, das mich niemals mit rechten Ideologien in Verbindung bringen würde.
Vielmehr habe ich einmal die Erfahrung gemacht, dass sich ein Mann in der Bahn neben mich setzte, der ebenfalls Mjölnir um den Hals trug und meinte deshalb in mir einen Gesinnungsgenossen getroffen zu haben. Das Gespräch ging sofort in eine Richtung, die mir überhaupt nicht gefallen hat: völkische Aussagen und irgendein Geschwafel von der germanischen Rasse. Ich habe ihm dann einfach gesagt, dass ich mit einem jüdischen Mann verheiratet bin und ich seinen rassistischen Blödsinn nicht hören will. Er war dann sichtlich überrascht und hat sich von mir weggesetzt.
Die Vereinnahmung unserer Symbolik hat in rechten Kreisen tatsächlich eine Tradition, die weit älter ist als der Nationalsozialismus. Ich fürchte, dass es schwer wird in der breiten Bevölkerung ein Bewusstsein dafür zu schaffen, dass unsere Symbole nichts mit diesem Gedankengut zu tun haben.
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Re: Mjölnir, ein politisches Statement ?

Beitrag von Verdandi42 » 18.10.2018, 14:57

Ich trage meinen, allerdings sehr femininen, Thorhammer grundsätzlich immer und grundsätzlich offen, d. h. auch im Beruf. Es gab noch niemals negative Rückmeldung, nur vereinzelt erstaunte Blicke oder interessierte Nachfragen.

In der Nazizeit wurden eher einzelne Runen verwendet und die "schwarze Sonne" als Symbol erfunden, welche seither oft, aber fälschlich mit Heidentum in Verbindung gebracht wird. Der Thorhammer fand eher weniger Beachtung.

Gruß, Petra

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Armin
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Re: Mjölnir, ein politisches Statement ?

Beitrag von Armin » 20.10.2018, 00:05

Da ich eigentlich ausschließlich Hemden trage, verschwindet mein Mjölnir immer hinter dem zweiten Knopf und ich mag ihn auch nicht "um den Kragen" tragen. Leute, die mich kennen, wissen, daß ich Heide bin und Leuten, die mir im Alltag begegnen (sei es auf der Straße, in der Uni usw.) binde ich es nicht auf die Nase. Ich halte mich mit meinem Heidendasein nicht zurück, wenn es zur Sprache kommt, mach ich den besagten Knopp auch ma auf. :P Er wurde einmal als Taize-Kreuz verwechselt, aber sonst habe ich dazu auch kaum Kommentare gehört.

Ich weiß auch nicht, ob es nun daran liegt, daß ich ihn bereits fünf Jahre ca. quasi pausenlos um den Hals trage, aber er ist mir als Nazisymbol gar nicht mehr so präsent. Ich würde auch sagen, daß es da dann eher die Runen sind (z.B. bei den Thor-Steinar Klamotten) etc., die sich einschlägiger Beliebtheit erfreuen. Weiß jemand, ob in den deutsch-völkischen Kreisen (Thule-Gesellschaft, Ludendorffler usw.) der Mjölnir überhaupt eine Rolle gespielt hat? Ich seh bei diesen Gruppen auch eher die Schwarze Sonne oder eine Swastika.

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Re: Mjölnir, ein politisches Statement ?

Beitrag von Aethelstan1984 » 20.10.2018, 10:12

Nein, der Hammer hat bei diesen Vereinigungen keine herausragende Rolle gespielt und ist deswegen als Symbol auch eher "unbelastet". Allerdings tragen Nazis heute durchaus auch den Hammer als Symbol.
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Pascal
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Re: Mjölnir, ein politisches Statement ?

Beitrag von Pascal » 21.10.2018, 16:06

Ich selbst trage den Hammer auch immer. Außerdem habe ich selbigen als Tattoo auf dem Hals (seit 12 Jahren, ohne einen negativen Kommentar).
Menschen werden von dir im Normalfall immer das denken was sie wollen, somit ist es mir auch gleich, was mein Gegenüber von mir denkt. Mittlerweile sollte es bei den Meisten doch angekommen sein, dass der Hammer nicht nur von Nazis getragen wird. Menschen, die mich, ohne auch nur einmal mit mir geredet zu haben in eine Schublade stecken, egal in welche, beachte ich nichtmehr. Meine Lebenszeit ist mir dafür zu kostbar. Wer mich natürlich darauf anspricht bekommt natürlich auch eine erklärende Antwort.
Gruß Pascal

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Re: Mjölnir, ein politisches Statement ?

Beitrag von Aethelstan1984 » 21.10.2018, 21:59

Ich glaube der letzte Punkt ist ganz wichtig: Ich halte es für wichtig, dass man bei echter Neugierde dazu bereit ist über den eigenen Glauben und die damit verbundenen Symbole Auskunft zu geben. Letztlich kann man nicht erwarten, dass jemand, der mit dem Heidentum nichts zu tun hat, die Symbole umgehend richtig deutet.
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Re: Mjölnir, ein politisches Statement ?

Beitrag von Sven Tolksdorf » 22.10.2018, 17:10

Ich weiss das nicht jeder Heide ein Rechtsradikaler ist aber erfahrungsgemäß gehe ich präventiv davon aus.
Wenn ich sowas lese, könnte ich direkt im Strahl kotzen! Was bitte, hat denn Heidentum mit rechter Gesinnung zu tun? Bei allen Heiden, die ich bislang traf, war nichtmal ein Hauch von rechter Gesinnung spürbar/hörbar/sichtbar.
Der Mjölnir hat sich mittlerweile in verschiedenen Bereichen etabliert. Man findet ihn -außer bei Heiden- auch bei Bikern, in der Heavy Metal Szene und natürlich auch bei Nazis. Letztere bedienen sich aber schon lange unserer Symbolik. Wahrscheinlich aus Mangel an Einfallsreichtum, wegen Dummheit und/oder sie haben keine Ahnung von Geschichte und Religion.
Ich trage meinen riesigen Mjölnir stets offen auf der Brust. Begegnet mir eine andere Person mit Mjölnir, stelle ich immer die Frage: "Ist das ein Fashion-Statement oder meinst du das ernst?"
Wer mir sagt, er/sie meine es ernst, wird dann direkt gefragt, was er/sie damit verbindet. Die dann folgende Antwort ruft bei mir eine der folgenden Reaktionen hervor:
  • Ich überreiche eine Visitenkarte und lade zum Heidenstammtisch ein. (Variante für gefundene Heiden und Sucher)
  • Ich lache die Person aus und gehe weiter. (Variante für Nazis und andere Dummbeutel)
  • Ich halte einen Vortrag über archäologische Funde und die Bedeutung des Mjölnir. (Variante für Halbwissende)
Dabei geht Variante 3 oft über in Variante 1. Bei Variante 2 hingegen, ist jegliche weitere Kommunikation überflüssig.

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irka
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Re: Mjölnir, ein politisches Statement ?

Beitrag von irka » 22.10.2018, 17:44

gestern hatte ja Petzgida ihren 4. Geburtstag und im Zug zu ihrer Kundgebung (oder was auch immer diese Geschichte sein sollte) waren ziemlich viele mit Hammer um den Hals, tattowiert, als Dingsi vorn auf der Bauchtasche... allein was so unterwegs in den Zug stieg... sportliche Glatzen, ambientig in Zunkftkluft oder rockig und überall mittelgroße bis üppige Hammer. Hier im Osten bzw Sachsen gehört der Hammer einfach dazu. Auf der Gegendemo (10.000 immerhin) habe ich außer dem eigenen keine gesehen und ich habe mal bewusst drauf geachtet... Das ist nicht wegzureden, dass es hier ein Symbol ist, das wenig bis gar nichts mit einem Kult oder Glauben zu tun hat. Das ist Scheiße und ärgerlich. Also weiterhin nachfragen, wachsam sein, kritisieren. Und zusammenhalten.

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Re: Mjölnir, ein politisches Statement ?

Beitrag von Mists.of.Nehalennia » 22.10.2018, 18:28

Da hilft einfach nur ruhig erklären wenn jemand nachfragt und deutlich machen, dass es eben kein Nazisymbol ist und man damit nichts zu tun hat.
Mir war das mit dem Hammer als Nazisymbol bis letztes Jahr gar nicht so bewusst, erst als mir an der Kasse der Wewelsburg gesagt wurde ich solle den Hammer bitte ablegen oder verstecken wurde mir das richtig klar. Ich finds traurig, dass das so ist und das Thema hat mich danach wochenlang beschäftigt. Bis auf dieses Erlebnis habe ich damit noch keine negativen Erfahrungen gemacht. Den Göttern sei Dank

Boduos

Re: Mjölnir, ein politisches Statement ?

Beitrag von Boduos » 22.10.2018, 18:44

@Sven Tolksdorf

Dann kotz doch im Strahl. Das ach so unpolitische Heidentum diente einigen wenigen Arschlöchern schon seit Ewigkeiten als trojanisches Pferd. Geza, Burgos, diverse Kackbratzen, die Artgemeinschaft, etc. Kannste leugnen, aber dann biste entweder doof oder ignorant. Der Hammer hat nichts Faschismus zu tun, aber was kümmert das die Faschisten? Oder das Keltenkreuz. Oder das christliche Kreuz. Was hat der IS mit dem Islam zu tun?

Es gibt einen rechten Block in der Gesellschaft und damit auch im Heidentum, weil Heidentum Teil der Gesellschaft ist. Pöbeln und auf den Tisch hauen bringt da nichts. Eher Werte leben wie hier schon durchschien. Werte die mit Rassismus und Faschismus nichts zu tun haben.

Als ich das Celtoi Forum wieder aufgemacht hab haben sich genau zwei Leute amgemeldet. Einer den man schon als Reichsbürger bezeichnen kann, der ist übrigens von hier. Der andere jammerte das es viel zu politisch wäre verbindlich gegen Rassismus, Faschismus und Sexismus einzutreten. Der kam aus der Celtoi Community. Und ist Polizist. Also spar dir deine Sprüche und erzähl mir nicht wo die Arschlöcher sitzen und wo nicht. Ich hab Reichsbürger auf der Arbeit.

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Re: Mjölnir, ein politisches Statement ?

Beitrag von Aethelstan1984 » 22.10.2018, 19:11

Was Sven hier aufstößt, ist deine Aussage, dass du bei jedem Mjölnir-Träger erst einmal misstrauisch bist. Du hast ja mit allem Recht was du schreibst und es ist richtig, dass Rechte diese Symbole missbrauchen. Umso wichtiger ist es aber vorurteilsfrei auf die Leute zuzugehen und ihnen aufzuzeigen, dass Rassismus und völkisches Denken keinen Platz im nordischen Heidentum haben.
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Boduos

Re: Mjölnir, ein politisches Statement ?

Beitrag von Boduos » 22.10.2018, 22:26

Natürlich bin ich misstrauisch. Nur weil sich einer was um den Hals gehangen hat ist er oder sie noch lange nicht in meinem Affinitätsnetzwerk. Dazu muss man sich erst einmal austauschen. Und viel zu oft ist dieser Austausch enttäuschend.

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Re: Mjölnir, ein politisches Statement ?

Beitrag von Aethelstan1984 » 22.10.2018, 22:49

Da sind wir wohl etwas anders gestrickt. Ich begegne den meisten Menschen immer mit einem Vertrauensvorschub. Da wird man schonmal enttäuscht, aber letztlich sehe ich keine Alternative dazu.
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