Bildungsbegriff und Bildungsumsetzung

Diskussionen rund um das Thema Götter und Heidentum
Boduos

Bildungsbegriff und Bildungsumsetzung

Beitrag von Boduos » 04.11.2018, 17:42

Nabend Forum.

Mich würde interessieren was historisch belegt ist bei Germanen und Nord zum Thema Bildung. Wie definierte man damals Bildung, was waren typische Bildungsinhalte und wie wurden diese umgesetzt? Wissen wir etwas darüber?

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Blumenfee
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Re: Bildungsbegriff und Bildungsumsetzung

Beitrag von Blumenfee » 04.11.2018, 18:13

Nach Wikipedia existiert der Begriff Bildung erst seit dem 13. Jahrhundert. Da gab es keine Germanen mehr.

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Re: Bildungsbegriff und Bildungsumsetzung

Beitrag von Boduos » 04.11.2018, 18:39

Das ist jetzt wirklich dein Ernst, oder?

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Re: Bildungsbegriff und Bildungsumsetzung

Beitrag von Blumenfee » 04.11.2018, 18:57

Todernst. 8)

Genauer: Bis zum 13. Jahrhundert waren alle Menschen ungebildet. Seit einigen Jahren scheint die Masse der Menschen in den westlichen Industrienationen wieder zu diesem naiv-paradiesischen Zustand zurückzukehren. FB und Handys sind dabei eine wertvolle Hilfe.

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Re: Bildungsbegriff und Bildungsumsetzung

Beitrag von Boduos » 04.11.2018, 20:55

Ich frage einfach mal nur so, weil Adolfo schon meinte, ich solle höflicher sein.

Also bevor Edwin Hubble die Theorie von der andauernden Theorie des sich ausdehnende Universums und der daraus im Rückschluss resultierenden expandierenden Singularität gab es keinen Big Bang? Den hat Hubble also erfunden?

Ich bin wirklich gespannt auf die Antwort.

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Re: Bildungsbegriff und Bildungsumsetzung

Beitrag von Boduos » 04.11.2018, 21:30

...ich meinte natürlich die Theorie der Exoansion des Universums...

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Blumenfee
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Re: Bildungsbegriff und Bildungsumsetzung

Beitrag von Blumenfee » 04.11.2018, 21:44

Boduos hat geschrieben:
04.11.2018, 21:30
...ich meinte natürlich die Theorie der Exoansion des Universums...
Wenn niemand da ist, es zu hören, macht der fallende Baum im Wald dann ein Geräusch?

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Re: Bildungsbegriff und Bildungsumsetzung

Beitrag von Boduos » 05.11.2018, 05:52

Go and tell it to the mountain.

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Aethelstan1984
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Re: Bildungsbegriff und Bildungsumsetzung

Beitrag von Aethelstan1984 » 05.11.2018, 09:00

"Bildung" im klassischen Verständnis konnte es noch nicht geben und natürlich gab es auch keine Institutionen, in denen Bildungsinhalte vermittelt wurden wie Schulen etc. Was es aber natürlich gab, war

a) eine Form der praktischen Bildung (Handwerksfähigkeiten, Runenritzen, Kriegshandwerk etc.)
b) der informellen kulturellen Bildung (mündliche Weitergabe von Sagen, Erzählungen, Traditionen, Dichtung etc.)
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Re: Bildungsbegriff und Bildungsumsetzung

Beitrag von Rune62 » 18.03.2019, 01:19

Wenn niemand da ist, es zu hören, macht der fallende Baum im Wald dann ein Geräusch?

Diesen Auspruch ( von wem stammt der denn eigentlich?) hab ich nie verstanden, der ist so antropozentrisch. Selbstverständlich macht der fallende Baum ein Geräusch. Was geht es den Wald an ob ihm ein Mensch zuhört?

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Re: Bildungsbegriff und Bildungsumsetzung

Beitrag von volker » 13.04.2019, 22:59

Da die damals Runen hatten und einige damit schreiben konnten wird es wohl zwangsläufig auch eine Art Bildung gegeben haben, denn Schriftlichkeit setzt natürlich zumindest eine Minimalform von Bildung voraus, ebenso kann man natürlich die Beherrschung von Kunst-und Schmiedehandwerk, hohe schiffbauliche und nautische Fähigkeiten als Wissen und evtl. somit irgendwie weitervermittelte Bildung sehen. Schulen gab es wohl erst bei den bereits christianisierten Franken und zum Endpunkt der Völkerwanderungszeit und den Bildungsstandard der antiken Großreiche hat man wohl großflächig kaum erreicht. Bildung fand wohl eher als Ausbildung zwischen Meister (im übertragenem Sinn) und Lehrling statt. Meine Gedanken dazu.

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Re: Bildungsbegriff und Bildungsumsetzung

Beitrag von Aethelstan1984 » 14.04.2019, 21:22

volker hat geschrieben:
13.04.2019, 22:59
Da die damals Runen hatten und einige damit schreiben konnten wird es wohl zwangsläufig auch eine Art Bildung gegeben haben, denn Schriftlichkeit setzt natürlich zumindest eine Minimalform von Bildung voraus, ebenso kann man natürlich die Beherrschung von Kunst-und Schmiedehandwerk, hohe schiffbauliche und nautische Fähigkeiten als Wissen und evtl. somit irgendwie weitervermittelte Bildung sehen. Schulen gab es wohl erst bei den bereits christianisierten Franken und zum Endpunkt der Völkerwanderungszeit und den Bildungsstandard der antiken Großreiche hat man wohl großflächig kaum erreicht. Bildung fand wohl eher als Ausbildung zwischen Meister (im übertragenem Sinn) und Lehrling statt. Meine Gedanken dazu.
Dem kann ich mich nur anschließen. Immer dort wo Wissen weitergegeben wird, gibt es "Bildung".
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Kurt_Oertel
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Re: Bildungsbegriff und Bildungsumsetzung

Beitrag von Kurt_Oertel » 16.04.2019, 09:00

Aethelstan1984 hat geschrieben:
14.04.2019, 21:22
volker hat geschrieben:
13.04.2019, 22:59
Da die damals Runen hatten und einige damit schreiben konnten wird es wohl zwangsläufig auch eine Art Bildung gegeben haben, denn Schriftlichkeit setzt natürlich zumindest eine Minimalform von Bildung voraus, ebenso kann man natürlich die Beherrschung von Kunst-und Schmiedehandwerk, hohe schiffbauliche und nautische Fähigkeiten als Wissen und evtl. somit irgendwie weitervermittelte Bildung sehen. Schulen gab es wohl erst bei den bereits christianisierten Franken und zum Endpunkt der Völkerwanderungszeit und den Bildungsstandard der antiken Großreiche hat man wohl großflächig kaum erreicht. Bildung fand wohl eher als Ausbildung zwischen Meister (im übertragenem Sinn) und Lehrling statt. Meine Gedanken dazu.
Dem kann ich mich nur anschließen. Immer dort wo Wissen weitergegeben wird, gibt es "Bildung".
Wenn man den Begriff so weit dehnt, wird er aber völlig inhaltsleer. Dann gibt und gab es nämlich niemals und nirgendwo Menschen ohne Bildung, und dann wären auch Tiere gebildet, wenn sie z.B. Jagdtechniken von den Elterntieren erlernt haben. Der Begriff bezeichnet doch vielmehr Wissen, das über die Kenntnisse zur Bewältigung der alltäglichen Lebensumwelt und ihrer Notwendigkeiten hinausgeht. Deshalb würde ich spezielle Kenntnisse von Handwerkern nicht als Bildung bezeichnen. Sie sind für den Betreffenden lebensnotwendig, um seinen Beruf ausführen zu können und damit seine Lebensgrundlage zu sichern.

Der Erwerb von Bildung war (und ist) zudem von einem soziologischen Phänomen der Neuzeit abhängig, das es für die allgemeine Bevölkerungsmehrheit seit der Antike lange nicht mehr gab: Freizeit. Außerdem von der Fähigkeit, nicht nur lesen zu können, sondern noch entscheidender: das Gelesene auch verstehen zu können, was ein bereits erworbenes Vorwissen voraussetzt. Dazu kommt der Wunsch, sich ein für die Alltagsbewältigung nicht nötiges Wissen überhaupt aneignen zu *wollen*, ein Wunsch, der ja keineswegs selbstverständlich ist, und dem früher oft mit völligem Unverständnis begegnet wurde. Unzählige Biographien von Künstlern oder Geisteswissenschaftlern aus sogenannten "enfachen Verhältnissen" des 19. Jahrhunderts legen Zeugnis davon ab, gegen welchen Widerstand von Eltern und Familie diese Leute ihren Bildungsweg oft erkämpfen mussten. Auch heute noch gilt Bildung bei vielen als nutzloser und überflüssiger Luxus, und selbst in politisch korrektem Deutsch werden die heute als "bildungsferne Schichten" bezeichnet.

Fazit: In der Klassischen Antike gab es Bildung für eine breite griechisch-römische Ober- und Mittelschicht, die schon in der Jugend vermittelt wurde. Der Niedergang der Antike war in Sachen BIldung eine der größten Katastrophen der Menschheitsgeschichte, von der Europa sich über ein Jahrtausend lang nicht erholen sollte. Wenn Germanen (so wie der Begriff hier verstanden wird) in der Bildungsgeschichte eine Rolle gespielt haben, dann im Fall der karolingischen Renaissance im Fränkischen Reich. Die aber ging nun ausgerechnet von dem bei Heiden nicht sonderlich beliebten Karl dem Großen aus.

Schöne Grüße,
Kurt

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Markus Nicklas
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Re: Bildungsbegriff und Bildungsumsetzung

Beitrag von Markus Nicklas » 16.04.2019, 10:15

Kurt_Oertel hat geschrieben:
16.04.2019, 09:00
Wenn Germanen (so wie der Begriff hier verstanden wird) in der Bildungsgeschichte eine Rolle gespielt haben, dann im Fall der karolingischen Renaissance im Fränkischen Reich. Die aber ging nun ausgerechnet von dem bei Heiden nicht sonderlich beliebten Karl dem Großen aus.

Schöne Grüße,
Kurt
Hallo Kurt, danke für Deine Ausführungen.

Wenn ich mich recht erinnere, dann gab es Opposition wider Karls Politik und deren Umsetzung. In diesem Zusammenhang verstehe ich Alkuin. Und kann es sein, dass sich Ida von Herzfeld ihren Heiligenstatus tatsächlich als Beschützerin der sogen. Sachsen erworben hat? Auf die Spitze getrieben: Kann es sein, dass sie Sachsen zum Schein und als Schutz vor dem Schwert Karls "unter ihre Fittiche" nahm?

Für jeden hinweis dankbar mit Grüßen aus Escherode von Markus

Kurt_Oertel
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Re: Bildungsbegriff und Bildungsumsetzung

Beitrag von Kurt_Oertel » 16.04.2019, 11:22

Markus Nicklas hat geschrieben:
16.04.2019, 10:15

Wenn ich mich recht erinnere, dann gab es Opposition wider Karls Politik und deren Umsetzung. In diesem Zusammenhang verstehe ich Alkuin. Und kann es sein, dass sich Ida von Herzfeld ihren Heiligenstatus tatsächlich als Beschützerin der sogen. Sachsen erworben hat? Auf die Spitze getrieben: Kann es sein, dass sie Sachsen zum Schein und als Schutz vor dem Schwert Karls "unter ihre Fittiche" nahm?
Dass Alkuin sich gegen die Gewaltsamkeit der Sachsenbekehrung ausgesprochen hat, ist richtig. Und das wohl so offen und nachhaltig, dass seine "Versetzung" nach Tours möglicherweise eher eine Verbannung gewesen sein könnte.

Über Ida von Herzfeld weiß ich zu wenig, als dass ich mich zu Details ihrer Tätigkeit und Motive kompetent äußern könnte. Und das würde und jetzt auch sehr von dem ursprünglichen Thema wegführen.

Schöne Grüße,
Kurt

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