Heidentum und Beruf

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Paul_N
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Heidentum und Beruf

Beitrag von Paul_N »

Grüße!

Ich habe mitbekommen, dass in vielerlei heidnischer Gruppierungen gewisse Berufsgruppen "verpönt" sind - z. B. Landesregierung, Polizei, Heer usw...
Meine Frage an euch:

Warum ist das so bzw habt ihr auch solche Erfahrungen gemacht, bzw seid ihr selbst in einem dieser Berufsgruppen tätig?

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Santor
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Re: Heidentum und Beruf

Beitrag von Santor »

ich würde sagen das stellt eine art der diskriminierung dar würde ich jetzt mal von uns weisen so weit ich es mitbekommen habe.

Cugernia
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Re: Heidentum und Beruf

Beitrag von Cugernia »

In Deutschland ist das im medizinisch-sozialen-pädagogischen Sektor nicht immer einfach. Hier ist nämlich häufig eine der Kirchen der Arbeitgeber, und dann wird eine Zugehörigkeit zu einer der christlichen Kirchen vorausgesetzt. Passiv genügt meistens. Allerdings halten sich die meisten in dem Bereich dann eher bedeckt, wenn es um das Thema Religion geht.

volker
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Re: Heidentum und Beruf

Beitrag von volker »

Im Eldaring e.V. habe ich noch nie von verpönten Berufsgruppen gehört, ich glaube auch nicht, dass sowas hier geduldet werden würde.

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Verdandi42
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Re: Heidentum und Beruf

Beitrag von Verdandi42 »

Hallo,

es kommt ja vor, dass Heiden bestimmter Berufsgruppen ihre religiöse Überzeugung nicht nach außen tragen, um selbst Diskriminierung zu vermeiden, z.B. bei einem kirchlichen Arbeitgeber.
Umgekehrt habe ich noch nicht erlebt, dass im Umfeld des Eldarings jemand wegen seines Berufes diskriminiert worden wäre. Das würde unserem Selbstverständnis, jedenfalls dem Sinn nach, mE auch widersprechen.

Gruß
Petra

Tjoralf Andreason
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Re: Heidentum und Beruf

Beitrag von Tjoralf Andreason »

Hallo,

ich kann da mal direkt aus meiner Erfahrung erzählen.

Ich bin Erzieher und habe gut 3 Jahre für die Ev. Kirche in verschiedenen Kitas gearbeitet.
Ich hab in meiner Kindheit den evangelischen Weg gewählt bekommen, da meine Mutter mal aktiv in der Gemeinde war, meine Eltern kirchlich getraut sind und ich auch getauft war. So bot man mir das mit Schuleintritt an und ich das dann bis zur Konfirmation mitgemacht. Danach war ich nicht mehr dabei, zog irgendwann aus meinem Dorf in die nächst größere Stadt und kam dann während meines Abis mit dem Begriff "Asatru"in Kontakt.

Als sich, einige Jahre später und ich mich selbst als Neuheide verstand, bei meiner Frau Nachwuschs einstellte und ich mitten in meiner Ausbildung zum Erzieher eine stabil bezahlte Arbeit suchte hatte ich 2 Möglichkeiten: ein Heim mit 24h Schichten und Übernachtungen oder eine Kita, beide Varianten in kirchlicher Trägerschaft.

Während meiner Kita-Zeit litt ich sogar sehr darunter. Ich sollte den Kindern ja einen Glauben nah bringen, der aus Überzeugung nicht der meine war. Mit Andachten, Gottesdienstmitarbeit und hast de nicht gesehen.
Als Mitarbeiter in ev. Einrichtungen ist man dem Loyalitätszwang unterworfen, welcher Arbeitsrechtlich im Vertrag beinhaltet ist. (Ich hatte allerdings zum Glück keinen Verheißungspflicht, laut dem man bei nicht Gemeindemitgliedern von der "frohen Botschaft" zu erzählen hat.) So hatte ich mich, solange ich auf der Arbeit war, mich ohne Widerworte und -taten an die Marschrichtung der Kirche zu halten hatte. Da man als Erzieher allerdings immer im Fokus der Beobachtung steht, galt dies auch außerhalb des Gebäudes.

Nun bin ich dann einiger glücklicher Umstände diesem unbequemen Umstand glücklicher entkommen und genieße seitdem sowohl die bessere Nähe zu meiner Arbeit (fußläufig erreichbar) wie auch dem konfessionsfreien Inhalten der Konzeption.
Liebe Grüße aus der märkischen Heide :mrgreen:

Rudi
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Re: Heidentum und Beruf

Beitrag von Rudi »

Und nochn posting:
die Schilderung Deines beruflichen Werdeganges können viele hier nachvollziehen. Was Du erlebt hast,ist im
Vergleich mit den Erlebnissen anderer Asatruar ja noch "human". Wenn man bedenkt, daß die christlichen Kirchen
täglich gegen das Betriebsverfassungsgesetz verstoßen und sie von jedweder Regierung dabei noch mit
Glacèhandschuhen angefaßt werden, "freue" ich mich schon über jeden Bericht, der für den Betroffenen glimpflich
ausgeht.
Just my Tuppence,
Rudi
Freya und Sahsnot, helft uns den alten Glauben zu bewahren

volker
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Re: Heidentum und Beruf

Beitrag von volker »

Aber wenn ich es richtig verstanden habe war das Eröffnungsthema ja die Frage ob es durch den ER, oder dessen Mitglieder eine Diskriminierung bestimmter Berufsgruppen gibt. Das kann man aber wohl mit einem klaren Nein beantworten.

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Aethelstan1984
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Re: Heidentum und Beruf

Beitrag von Aethelstan1984 »

Ich arbeite momentan als evangelischer Religionslehrer und bin zudem promovierter Theologe und werde bald an die Uni zurückkehren und mich in der Religionspädagogik habilitieren. Selbst mit diesem sehr christlich-theologischen Hintergrund habe ich innerhalb des ER noch nie Diskriminierung erlebt, durchaus aber respektvolle und interessierte Nachfragen. Außerdem tummeln sich an unserem Stammtisch Menschen mit so vielen unterschiedlichen beruflichen Hintergründen, dass sich da m.E. jede Form von Diskriminierung automatisch verbietet.
Heil Baldur, Heil Siegvaters Sohn,
der die Schöpfung wird leiten, wenn Wotan fällt
Heil dem Lichtbringer,
der noch rasten muss hinter Hels Pforten.

Dani
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Re: Heidentum und Beruf

Beitrag von Dani »

In meiner Blotgruppe sind so viele ganz unterschiedliche Berufe vertreten, was ich als sehr interessant betrachte. Ich habe nicht erlebt daß dort jemand wegen seines Berufs irgendwie schief angesehen wird. In meinem eigenen Beruf im Gesundheitswesen sind sowieso alle etwas entspannter, aber ich habe auch noch nie bei einem kirchlichen Träger gearbeitet.

Solveigh
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Re: Heidentum und Beruf

Beitrag von Solveigh »

Ich habe jetzt das Gegenteil erfahren müssen. Ich bin Rettungsdienstlerin und bin für ein kleines Unternehmen in Hamburg Krankenbeförderung gefahren. Es waren tatsächlich 8 Mitarbeiter, ein paar Aushilfen, 2 Chefs und ein Hund. Gleich vorausgeschickt, ich fahr für die nicht mehr.

Ich habe nach ein paar Tagen meinen Hammer sichtbar getragen. Jo, und dann kamen die rechtsradikalen Sprüche und die Blicke in meine Richtung, die offensichtlich Zustimmung erwarteten. Sofort kündigen konnte ich nicht, das nachzuweisen ist mir schwer gefallen. Also habe ich genug gesammelt (vor allem die Whatsapp Chats, absolut ekelerregend) und mich krank gemeldet. Kündigung folgte postwendend.

Rudi
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Re: Heidentum und Beruf

Beitrag von Rudi »

Ui,Ui! Also, institutionelles Fehlverhalten ist Alltag (siehe 14.11.), aber so im "normalen" Leben hab ich so etwas
noch nicht erlebt. Wir hatten mal zwei seehr weit rechts stehende Typen beim Stammtisch. Hat sich dann mit ziemlich viel Ärger erledigt - aber das war schon meine einzige direkte Erfahrung mit diesen Hirnis.
Das was Du da erlebt hast ist ja schon Hardcore. Ich wünsche Dir für die Zukunft ein viel besseres soziales Umfeld!
LG,
Rudi
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Weltenbuch
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Re: Heidentum und Beruf

Beitrag von Weltenbuch »

Heyhey,
ich hatte bis zum letzten Jahr auch keine merkwürdigen Begegnungen, sondern eher herzerwärmende Begegnungen.
Auf Arbeit in einer Arztpraxis trage ich meine Anhänger sehr offen; sie sind jedoch auch dezent und schön anzusehen (natürlich ;) ). Ein Mal wurde ich von einem jungen Mann angesprochen, der mich fragte, was ich dort für ein Zeichen tragen würde. Es war ein Anhänger mit dem Wotansknoten, der eingefasst wurde vom älteren Futhark. Ich erklärte ihm die Symbolik, er nickte und meinte, dass man das in den heutigen Zeiten leider selten und mit diesem heidnischen Hintergrund tragen würde. Er hatte mich quasi getestet :p

Das andere Mal war eine circa 80-jährige Dame, die mir auf meinen Mjölnir am Hals tippte. Eine ganz süße Dame. Da trug ich die Dinge noch sehr frisch und hatte sofort das Gefühl, sie eventuell an etwas Unschönes erinnert zu haben.
"Mutig, dass Sie das tragen."
"Mmmh...wird leider selten mit seinem Ursprung in Verbindung gebracht."
"Ach, das sind doch alles Vollidioten damals gewesen, die zu faul waren sich was eigenes auszudenken."

Als ich letztes Jahr, aufgrund meiner Therapie, Milimeterschnitt am Kopf trug (da fingen die Haare grad wieder an zu wachsen - Wimpern und Augenbrauen sind kaum ausgefallen), eine meiner Ketten um dem Hals hatte und dann noch meine Schürstiefel mit Leggings trug, wurde ich mehrfach hier im Ort bzw. in McPomm beim Urlaub, gegrüßt.
Ich war schon drauf und dran mit ein Shirt zu machen, auf dem Steht "Guck' nicht so blöd, es ist nur Krebs."

Das waren so meine Erfahrungen 8)

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Aethelstan1984
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Re: Heidentum und Beruf

Beitrag von Aethelstan1984 »

Solveigh hat geschrieben:
12.02.2020, 16:51
Ich habe jetzt das Gegenteil erfahren müssen. Ich bin Rettungsdienstlerin und bin für ein kleines Unternehmen in Hamburg Krankenbeförderung gefahren. Es waren tatsächlich 8 Mitarbeiter, ein paar Aushilfen, 2 Chefs und ein Hund. Gleich vorausgeschickt, ich fahr für die nicht mehr.

Ich habe nach ein paar Tagen meinen Hammer sichtbar getragen. Jo, und dann kamen die rechtsradikalen Sprüche und die Blicke in meine Richtung, die offensichtlich Zustimmung erwarteten. Sofort kündigen konnte ich nicht, das nachzuweisen ist mir schwer gefallen. Also habe ich genug gesammelt (vor allem die Whatsapp Chats, absolut ekelerregend) und mich krank gemeldet. Kündigung folgte postwendend.
Das klingt ja furchtbar! Hut ab vor soviel Courage und Konsequenz!
Heil Baldur, Heil Siegvaters Sohn,
der die Schöpfung wird leiten, wenn Wotan fällt
Heil dem Lichtbringer,
der noch rasten muss hinter Hels Pforten.

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