Arbeit und Religion

Diskussionen rund um heidnische Kultpraxis und Heidentum im Alltag
Gaahl
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Arbeit und Religion

Beitrag von Gaahl » 11.04.2017, 12:05

Ein freundliches Hallo in die Runde,

ich würde gerne mal eine eher persönliche Frage an Euch stellen.
Momentan stecke ich mitten in einer Ausbildung zum Fachinformatiker
und immer mehr kommt mir so die Frage auf inwieweit Arbeit und Religion miteinander kombinierbar sind.
Der normale Arbeitstag geht so bis 16:30 (mal mehr mal weniger) von 8 Uhr morgens, insgesamt mit Fahrzeit und allem ist man dann so ab 17.00 Uhr circa zu Hause.
Meist bin ich danach recht müde, gerade wenn man 8 ½ Stunde vor dem Monitor verbracht hat.
Für vieles fehlt mir dann auch einfach die Zeit.. Nimmt man sich noch die Zeit um gesund und ausgewogen zu kochen ist der Tag dann meist vorbei.
Vielleicht liegt es auch daran das ich gerade mal 22 bin und mir die “Erfahrung” einfach fehlt mit weniger Zeit umzugehen, aber wirklich spaß macht mir das ganze dann nicht mehr.
Nebenbei natürlich die sozialen Kontakte nicht vergessen, Freundin und Freunde..

Ansich hatte ich auch nochmal das Ziel mich politisch zu engagieren, aber ich denke das muss noch warten..
Ich muss auch zugeben dass ich nicht gerade ein Freund des 8 Stunden Arbeitstages bin, gerade wo heutzutage alles automatisiert (bzw. vieles) ist.
Wenn ich dann noch mal an Kinder denken würde…

Wie sieht das so bei euch aus ? Könnt ihr Eure Interessen prima mit eurer normalen Arbeit kombinieren ? Beziehungsweise wo sind so die Prioritäten ? Ich würde sogar sagen dass ich lieber halbtags arbeiten würde und lieber auf Geld verzichte um eben mehr Zeit zu haben.
Viele meiner Freunde arbeiten praktisch nur nach dem Prinzip des meisten Geldes, egal was und wie lange hauptsache die Bezahlung stimmt.

Jedoch ein großer Freund des Geldes war ich nie, ich brauche nur so viel um Miete und Essen zu finanzieren, Luxus ist für mich ein normales Smartphone (momentan ein Fairphone 2 was garantiert noch 3 Jahre halten wird) und ich denke je sparsamer man lebt desto mehr kann man auch mal sparen. (Für ungeplante Ausgaben)

Eure Meinung interessiert mich zu diesem Thema mal, zu mal sie schon in meinem Freundeskreis so dermaßen unterschiedlich ausfiel.
Asenheil & Wanensegen !

Boduos

Beitrag von Boduos » 11.04.2017, 12:57

Das ist kein Problem von dir persönlich sondern ein allgemeines. Meiner Meinung nach ist das sogar gewollt um eine gefügigere Konsumentenbevölkerung zu haben. Wie sollte der Konsumismus und Kapitalismus sich am Leben erhalten wenn Menschen bewusst und eigenverantwortlich leben?

Ist jedenfalls meine Meinung dazu.

Gaahl
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Beitrag von Gaahl » 11.04.2017, 13:03

Die Ansicht finde ich sehr interessant und im Grunde deckt sie sich auch mit meiner.
Wahrscheinlich fehlt einfach der Mut bewusst zu verzichten und gegen den Strom zu schwimmen.
Asenheil & Wanensegen !

Boduos

Beitrag von Boduos » 11.04.2017, 14:00

Ich bin mir nicht sicher ob das etwas mit fehlendem Mut zu tun hat. Wenn du dich dem System verweigerst, frisst es dich auf. Wenn ich wüsste wie ich aus meiner Folterkammer käme, wäre ich auch nicht hier und würde tun was ich tue.

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Schwanenfuß
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Beitrag von Schwanenfuß » 11.04.2017, 15:21

Hallo Gaahl,

Ich bin mit nicht sicher, ob es dabei wirklich um die Vereinbarkeit von Arbeit und Religion geht, sondern eher um eine allgemeine Lebenseinstellung.
Ich bin auch Fachinformatiker und in meiner Ausbildung erging es mir ganz genau so wie dir (finde ich witzig, dass du genau die selben Beispiele erwähnst, mit denen ich mich damals auch immer rechtfertigte). Daher habe ich direkt nach meiner Ausbildung mit einer 30-Stunden Woche begonnen zu arbeiten. Mir ist meine Freizeit auch mehr wert als Geld. In meiner Freizeit widme ich mich dann vielen Hobbies und entwickle meine Fähigkeiten weiter, um ein weitgehend (vom System) unabhängiges Leben zu führen. Das mache ich nun seit 3 Jahren und es klappt ganz gut. Man darf halt nicht zu viel auf einmal erwarten, sondern sich an jedem kleinen Schritt erfreuen.

Viele Grüße,
Cari

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literatomorph
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Beitrag von literatomorph » 11.04.2017, 15:47

Hallo Ghaal,
unser System möchte in der Tat keine allzu kreativen, freien und müdigen Bürger, denn diese hinterfagen auf unbequeme Art und Weise den geplanten Lebensverlauf.
Es gibt Wege hinaus, die erfordern aber Mut und eisernen Willen.
Ich bin jetzt Anfang 40 und stand schon diverse Male vorm burnout. Jetzt arbeite ich "nur" noch 34 Stunden in der Woche statt 60.
Ich rate dir dich wirklich intensiv mit dem Thema des Aussteigens zu befassen, man muss allerdings einen individuellen Weg erschaffen, eine Patentlösung gibt es da nicht...
Religiöse Dinge binde ich gerne in den Alltag ein, zB jeden Morgen ein Gebet mit kleinem Rauchopfer.
Viel Glück! Nutze deine Zeit!
Gruß
Philipp
Invere Ing

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Nebelkrähe
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Beitrag von Nebelkrähe » 11.04.2017, 16:24

ganz wichtig finde es, der Arbeit nicht seine volle Aufmerksamkeit zu widmen, sondern sie nur, wie eben Geld auch, als Mittel zum Zweck zu sehen.
Außer die Arbeit ist die wirkliche "Berufung" also wenn man etwas aus Leidenschaft macht, quasi dir Freude bereitet (wie sagte schon ein weiser Mann: finde einen Beruf den du liebst und du musst dein leben lang nicht mehr arbeiten)

Gegen den Strom zu schwimmen ist nie einfach, wenn du erstmal einen Familie mit Kindern hast wird's noch schwieriger.

Befinde mich ja in einer ähnlichen Zwickmühle, einerseits alles hinter mir lassen, andererseits brauchen Kinder ein Zuhause und ein Umfeld das sie nicht grad zum Außenseiter abstempelt, wenn sie in der Schule sind oder bei Freunden.

[quote='literatomorph','index.php?page=Thread&postID=144905#post144905']unser System möchte in der Tat keine allzu kreativen, freien und müdigen Bürger, denn diese hinterfagen auf unbequeme Art und Weise den geplanten Lebensverlauf.
[/quote]

eben genau so ist es. Arbeiten um zu Produzieren, was man nachher wieder Konsumiert, da ja die Unternehmen Maximalen Gewinn brauchen, muss der Preis ja immer steigen, was dann ja mehr Lohnanstieg benötigt um die Produkte zu kaufen usw usw....Spirale bis es Knallt, da fehlt jede Logik, ein unternehmen KANN nicht immer jedes Jahr mehr Gewinn machen, das müsste jedem einleuchten. Aber eben genau die die es am besten wissen müssten (BWLer) verschließen ihre Augen davor oder tun so als ob das nicht stimmt.....

am besten, wie Schwanenfuß es schon beschrieben hat, klein anfangen, mit kleinen Taten und Verhaltensweisen, uns sich Schritt für Schritt vortasten
Die Große Mutter wählt keine Seite und wertet die Taten der Menschen nicht. Sie IST einfach. Es liegt am Menschen ob er ihr Schaden zu fügt und damit sich selber oder nicht.

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Beitrag von Gaahl » 11.04.2017, 17:15

Ein Leben als Aussteiger ist für mich sehr interessant.
Ich habe auch schon des öfteren mal daran gedacht auszuwandern, Richtung Norwegen / Schweden...

Eine 30 Stundenwoche hört sich sehr gut an, ein guter Kompromiss wie ich finde
Asenheil & Wanensegen !

Boduos

Beitrag von Boduos » 11.04.2017, 17:50

Es gibt da zwei bis zwölf Möglichkeiten wie man aus der Tretmühle kommt, aber das erfordert das man sich ein Stück aufgibt, das Vertrauen in die Loyalität anderer und die Kooperationsbereitschaft aller. Ich denke man sieht gleich warum da nichts passiert.

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Beitrag von artjulain » 12.04.2017, 00:38

Ja - wie geht das ? - Also die Frage war ja zunächst mal bezogen auf die Vereinbarkeit von weltlichem Arbeitstag und spiritueller Selbstwahrnehmung im täglichen Ablauf.

Es ist bei mir eigentlich immer gegangen, ich habe immer versucht, daß Mythos und Logos sich gegenseitig durch den Alltag begleiten.

Heute bin ich zwar als selbständiger Unternehmer nominell sicher Herr meiner Zeit, allerdings führt gerade die unternehmerische Aufgabenstellung und Verantwortung einerseits, sowie der Status als werktäglich alleinerziehender Vater natürlich dazu, daß meine private Zeit eher enger bemesse ist, als es z.B. während meiner Lehrzeit der Fall war. Manchmal hilft es einfach, den Tag ein wenig zu ritualisieren, ihn gleichsam um Fixpunkte des Innehaltens herum zu gestalten.

Bsp. bei mir u.a.
7:40 - 7:55 - Tasse Tee im Esszimmer-Erker, bitten um Kraft und Inspiration für den Tag (Mythos) gleichzeitig gedankliches sortieren der Termine und Aufgaben (Logos) - und wehe mein Kleiner poltert mir da rein.

Und dann kann man sich durchaus auch auf unsere Kalendergötter besinnen, und den Tag ein wenig in ihrem Zeichen begehen - das geht ganz unspektakulär.

Am Dienstag, dem Tag Zius, mal ein wenig über Recht und Gerechtigkeit im eigenen Handeln reflektieren, wo war ich seit letzten Di ungerecht und wem gegenüber wo habe ich Recht verteidigt, wem gegenüber - wo habe ich Unrecht erduldet und warum.

Am Mittwoch, dem Tag Wodens des Todenführers, einfach mal beim Abendessen eine Kerze für die Ahnen auf den Tisch stellen und sie teilnehmen lassen.

Am Donnerstag, dem Tag Donars, einfach mal vor der Arbeit kurz um Segen und Schutz für Mensch und Tier beim Wetterherrn erbitten

Am Freitag einfach mal die eigene "Frouwe" ein wenig in den Mittelpunkt der Gedanken und des Handelns stellen (Sag ich jetzt mal als Mann, die Damen dürfen also an sich selbst und ihr weibliches Innerstes denken)

Einfach mal die "Planetenwoche" ein wenig "bewußter" leben, ganz ohne Opferzwang oder Feierstunde.

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krischan
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Beitrag von krischan » 12.04.2017, 01:13

[quote='Boduos','index.php?page=Thread&postID=144900#post144900']Das ist kein Problem von dir persönlich sondern ein allgemeines. Meiner Meinung nach ist das sogar gewollt um eine gefügigere Konsumentenbevölkerung zu haben. Wie sollte der Konsumismus und Kapitalismus sich am Leben erhalten wenn Menschen bewusst und eigenverantwortlich leben?

Ist jedenfalls meine Meinung dazu.[/quote]Da ist was dran. Der Soziologe Emile Durkheim hat eine Studie zur Sozialmoral in der arbeitsteiligen
Gesellschaft verfasst. Die Grundfrage war: Arbeiten die Leute länger, wenn sie dafür mehr Geld bekommen weil sie ehrgeiziger werden? Im Ergebnis arbeiteten sie weniger, weil sie mehr Wert auf Zeit legten. Die Studie ist aus dem 19. Jahrhundert. Im Umkehrschluß heißt das: Je weniger die Leute bekommen, desto mehr werden sie arbeiten (müssen). Man sieht, das es funktioniert.

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Beitrag von Schwanenfuß » 12.04.2017, 08:50

Moin,

also als erstes ist es ja auch immer gut zu wissen, was man eigentlich will. Wie du schreibst, ist Geld für dich ja eher nicht so viel wert wie Zeit. Dann solltest du dir die Frage stellen, was du denn mit deiner Mehrzeit denn gerne anfangen möchtest oder bzw. welches Ziel dir vorschwebt, wofür du mehr Zeit benötigst (bspw. dein Engagement in der Politik). Du hast den großen Vorteil, dass du gerade noch in der Ausbildung bist und dich noch nicht an ein Leben mit vollem Gehalt gewöhnt hast. Das macht es m. E. deutlich leichter in eine Teilzeitstelle zu wechseln. Deshalb habe ich mich auch direkt nach der Ausbildung dafür entschieden und ich komme super damit zurecht und habe sogar noch die Möglichkeit nebenher zu sparen, um mir in Zukunft meinen Traum vom eigenen Hof zu erfüllen. Natürlich muss man dafür Abstriche machen und sich einschränken, aber wenn man das große Ziel nicht aus den Augen verliert, kann das gut funktionieren. Aber übertreiben sollte man auch nicht. Die Balance zwischen Lebensqualität (die ja sehr individuell festlegbar ist) und Sparsamkeit sollte ausgeglichen sein, sonst wird man auch nicht glücklich.

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Nebelkrähe
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Beitrag von Nebelkrähe » 12.04.2017, 09:05

[quote='Schwanenfuß','index.php?page=Thread&postID=144913#post144913']Die Balance zwischen Lebensqualität (die ja sehr individuell festlegbar ist) und Sparsamkeit sollte ausgeglichen sein, sonst wird man auch nicht glücklich.[/quote]
Seh ich genauso :) Eine feste/optimale Linie gibt's dabei nicht, sondern ist bei jedem anders
Die Große Mutter wählt keine Seite und wertet die Taten der Menschen nicht. Sie IST einfach. Es liegt am Menschen ob er ihr Schaden zu fügt und damit sich selber oder nicht.

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Beitrag von Preusselchen » 12.04.2017, 15:40

[quote='artjulain','index.php?page=Thread&postID=144910#post144910']Am Dienstag, dem Tag Zius, mal ein wenig über Recht und Gerechtigkeit im eigenen Handeln reflektieren, wo war ich seit letzten Di ungerecht und wem gegenüber wo habe ich Recht verteidigt, wem gegenüber - wo habe ich Unrecht erduldet und warum.

Am Mittwoch, dem Tag Wodens des Todenführers, einfach mal beim Abendessen eine Kerze für die Ahnen auf den Tisch stellen und sie teilnehmen lassen.

Am Donnerstag, dem Tag Donars, einfach mal vor der Arbeit kurz um Segen und Schutz für Mensch und Tier beim Wetterherrn erbitten

Am Freitag einfach mal die eigene "Frouwe" ein wenig in den Mittelpunkt der Gedanken und des Handelns stellen (Sag ich jetzt mal als Mann, die Damen dürfen also an sich selbst und ihr weibliches Innerstes denken)

Einfach mal die "Planetenwoche" ein wenig "bewußter" leben, ganz ohne Opferzwang oder Feierstunde.[/quote]Das finde ich eigentlich eine sehr gute Idee. Bei mir ist es bisher nur den Sonntag, den ich mir frei versuche zu halten, um mit Freunden und Familie zu verbringen und um den Göttern, vorrangig dem Sonnengott, zu opfern.

Sonst ist es bei mir eigentlich andersherum, ich verschlampe meine Arbeitszeit leider... Zu viel arbeiten ist sicherlich nicht gut, aber immer nur seinen Vergnügungen nachjagen und nachgeben, ist auch nicht so vernünftig.

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Beitrag von Schwanenfuß » 12.04.2017, 22:13

Zu viel arbeiten ist sicherlich nicht gut, aber immer nur seinen Vergnügungen nachjagen und nachgeben, ist auch nicht so vernünftig.
Es kommt darauf an, wie man Arbeit und Vergnügen definiert. Es kann sogar beides in Einem geben.

Bei mir ist es z. B. so, dass ich die Arbeit auf einem Hof (und das ist mitunter sehr harte körperliche Arbeit) auch durchaus zum Vergnügen tue. Ich sehe das nicht unbedingt als "Arbeit". Man macht halt das, was anfällt und gerade getan werden muss, damit der Hof läuft und man davon leben kann. Man arbeitet einfach den ganzen Tag, aber man merkt gar nicht, wie schnell dabei der Tag vergeht. Man macht sich darum keinen Kopf, 8-12 stunden vergehen dabei wie Nichts. Ich kann das gerade irgendwie schlecht beschreiben, was ich meine, aber vllt versteht ihr es ja trotzdem. Das empfinde ich ganz anders, als die Arbeit, die ich als angestellte Softwareentwicklerin in meiner Firma tue. Da denke ich mir nach 4 Stunden manchmal bereits, wann denn endlich Feierabend ist.

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