die Runen-Gilde

Literatur, sonstige Medien und quellenbasierte religionswissenschaftlich/historische Diskussionen zum Thema germanisches Heidentum
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Markus Nicklas
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die Runen-Gilde

Beitrag von Markus Nicklas »

Kennet Granholm bietet eine differenzierte Betrachtung, die ich gerade das zweite Mal lese. Danach werde ich ggf. die eine oder andere Passage übersetzen und/oder ein paar Kommentare liefern.

"Einführung

Der Schwerpunkt dieses Artikels liegt auf der Runengilde, einer magischen Runengruppe, die in Texas, USA, im Jahr 1980 gegründet wurde, und die verschiedentlich als heidnisch, traditionalistisch und eine Organisation des Pfades der linken Hand beschrieben wurde. Der Einfluss von diesen drei esoterischen Strömungen auf die Gilde wird ebenso wie das Problem untersucht, wie sie sich vermischen, um zu einem gemeinsamen Bezugsrahmen zu passen. Es wird diskutiert, dass eine komplexe Bewegung wie die Runengilde zu beschreiben, in dem man nur auf einen dieser Ströme Bezug genommen wird, das Risiko der Bereitstellung einer einseitigen und letztendlich ungenauen Darstellung besteht. Stattdessen ist eine Beschreibung, die eine gründliche Prüfung aller wesentlichen Einflüsse einbezieht erforderlich, und dies wiederum macht es für den Gelehrten notwendig, ein hohes historisches Niveau an Vertrautheit mit einem breiten Spektrum westlicher religiöser Phänomene zu erreichen."

The_Rune_Gild_Heathenism_Traditionalism.pdf
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Markus Nicklas
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Re: die Runen-Gilde

Beitrag von Markus Nicklas »

vorweg Hinweise auf diese Protagonistin, das "Southern Poverty Law Center", https://www.splcenter.org/ , die sich klar auf die "A.F.A." beziehen, denn die Verbindungen von Herrn Flowers zu dieser Gemeinschaft läßt sich durch eine oberflächliche Recherche allein leicht nachvollziehen https://www.splcenter.org/fighting-hate ... o-volkisch.

Der Artikel von K. Granholm ist 2010 veröffentlicht worden. Die Erklärung zu AFA ist 2018 abgegeben worden.
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Markus Nicklas
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Re: die Runen-Gilde

Beitrag von Markus Nicklas »

In seiner Einführung verwendet Granholm den Begriff "Esoterik" in Bezug auf "Heiden(tum)", Traditionalismus und den "Pfad zur linken Hand". Er geht auf die drei Felder später ein, jedoch möchte ich an dieser Stelle dazu anregen, sich mit der eigenen Auffassung des Begriffs Esoterik zu befassen. Dabei kommen mir selbstverständlich eigenartige Erscheinungen vor Augen, doch der Begriff hat eine allgemeine Bedeutung, mit der zu befassen sich lohnt, finde ich.
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Markus Nicklas
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Re: die Runen-Gilde: Romantik

Beitrag von Markus Nicklas »

"Um ein umfassendes Bild einer Bewegung wie der Rune-Gilde zu erhalten, müssen die vielen Strömungen, die sie beeinflusst haben, berücksichtigt werden. Dieser Artikel versucht, ein solches Bild der Gilde zu bieten, und gleichzeitig wird die Bedeutung des historischen Bewusstseins bei der Untersuchung
neuartiger religiöse Gruppen hervorgehoben. Ich werde die drei Hauptströme diskutieren, die sich in der Runengilde vereint haben: die Begeisterung für Heiden / heidnische Themen aus der Romantik, die in ihrer Moderne Form in der zweiten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts formuliert wurden; ursprünglicher Traditionalismus basierend auf René Guénons Ablehnung der westlichen Modernität im frühen 20. Jahrhundert; und der Pfad zur linken Hand, der in den 1960er und 1970er Jahren in Amerika gegründet wurde. ... ." K. Granholm, Seite 3(96)

Woher stammt der Begriff Romantik? Welcher Einfluss ist durch die Entwicklung besonders des deutschen Nationalstaates auf den Begriff zu sehen? WIe wurde der Begriff Romantik in Bezug auf Heidentum definiert und in welche Grenzen gefasst?
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Markus Nicklas
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Re: die Runen-Gilde: Romantik p.s.

Beitrag von Markus Nicklas »

selbstverständlich ist es in meinen Augen unverschämt von mir, die Romantik nur als Begriff zu nennen und nicht auf ihre Bildung, ihren zeitgeschichtlichen Zusammenhang und Protagonisten einzugehen. Das belibet Leser*in überlassen.

Granholm nennt Fredrik Gregorius als Informant, dessen Text ich noch nicht gesucht habe. DOch die Gründung des Eldaring, die, wenn ich mich nicht irre, auf "the Troth" zurückgeht, steht da in einer gewissen Abfolge. Auch wenn es heißt :

"Teil von dem Problem ist, dass es eine Tendenz gibt, die größtenteils von inneren heidnischem
Diskurs und Konflikt herrührt, um zwischen politisch rassistischem Odinismus und dem unpolitischeren Asatrú zu unterscheiden (siehe asprem 2008, 45–46). Die Odinistengemeinschaft war eine streng rassistische Gruppe, die Wikingerbruderschaft dagegen nicht. Letzteres gilt daher als die erste Asatrú-Gruppe. Während es gibt Obwohl es einigen Wert um eine solche Unterscheidung wie diese gibt, ist eine klare kategorische Unterteilung etwas problematisch zu machen (Asprem 2008, 47–48), nicht zuletzt wegen der in den meisten Gruppen bestehenden Spannungen zwischen Rasse und Kultur."

Granholm, 3(98)

finde ich mich immer wieder von Leuten erschreckt, die sich öffentlich als unpolitisch bezeichnen. Das halte ich per Definition für absurd.

Keineswegs spreche ich persönlich mich frei von rassistischen, misogynen und anderen ungünstigen Gedankenformen. Die Geschlchterdiskussion und das Bewusstsein von Kolonialismus hat mir dabei geholfen. Die Ursachen dieser Gedanken zu klären, ist meine persönliche Verantwortung.
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Markus Nicklas
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Heidentum/Traditionalismus/Pfad der linken Hand

Beitrag von Markus Nicklas »

ich finde in dem Artikel keineswegs die letztendliche Erklärung zu den drei Feldern. Wer die geben mag, macht sich verdächtig, meine ich. Was Heidetum betrifft gibt die Charakterisierung von Olav Hammer Aufschluss (Seiten 4 und auf 5 andere Quellen/Autoren).

Den Traditionalismus betreffend finde ich die Anmutung das "Authentische" zu finden schon seltsam, denn ist es nicht bedingt durch Spiel, Täuschung und kultrelle Aneignung aus welchen Gründen auch immer?
Besonders interessant finde ich Zitat in Bezug auf René Guénons:

"Schon früh wurde Guénon, insbesondere von der philosophischen Vedanta, die er als die "wahre" Form der Religion sah, vom Hinduismus inspiriert . Dies zeigt sich in seinem ersten Buch L’introduction générale à l’étude des doctrines hindoues (eine allgemeine Einführung zum Studium von hinduistischen Lehren) 1921 veröffentlicht, das im Gegensatz zu den Implikationen des Titels weit davon entfernt ist, eine allgemeine Einführung in Hinduismus zu sein. In dem Buch wird Vedanta als Ausdruck des ewigen, spirituellen Wahrheit beschrieben, eine immerwährende Philosophie (Sedgwick 2004, 23). Die beiden folgenden Werke von Guénon, veröffentlicht in den Jahren 1921 und 1923, kritisieren stark westlichen Okkultismus, hauptsächlich in den Formen der Theosophischen Gesellschaft, Spiritualismus und Okkultismus des frühen 20. Jahrhunderts. Ein Kritikpunkt war, dass Bewegungen dieser Art "Gegeninitiierung" oder Einweihung in falsche Traditionen eher als echte, wirklich traditionelle darstellten (Sedgwick 2004, 24). Ein weitere vertretene Grundidee ist die „Inversion“, in der das, was im Westen als Fortschritt betrachtet wird, in der Tat als ein Rückschritt angesehen wird (Sedgwick 2004, 24–25). In seinem vierten Buch, Orient et Occident (Ost und West, 1924), befürwortet Guénon die Erlösung und Errettung des Westens durch orientalische Religion und Philosophie (Sedgwick 2004, 25)."

Der Schleudergang geht für mich mit Julius Evola weiter. :)
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Markus Nicklas
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Traditionalismus

Beitrag von Markus Nicklas »

Granholm bietet Perspektive über den sogenannten Traditionalismus. Immerhin wirft das Fragen in mir auf.

Wie verwendet Evola Nietzsches Idee des "Übermenschen"? Was ist bitte ein Rassist im "traditionellen Sinn"? Und welchen Unterschied gibt es vom spirituellen zum biologischen Verständnis von Rasse?

Derart aufgewühlt geht es weiter in den "radikalen Traditionalismus".

"Das Ziel ist “[r] esakralisierung der Welt “, indem man sich für volkstümliche / traditionelle Kultur und eine natürliche Gesellschaftsordnung, im Gegensatz zum wahrgenommenen Materialismus, massenkulturellen Qualitäten und auf Wohlstand basierende Hierarchie des modernen Westens einsetzt (Tyr 2008). Der Nenner „radikal“ wird hier verwendet, um die Bewegung von sowohl früherem Traditionalismus, aber vor allem auch von anderem, weniger spezifischem, Verständnis von Tradition und Traditionalismus abzugrenzen. Der bedeutendste Unterschied zum früheren Traditionalismus ist das offensichtliche Fehlen einer universellen Beständigkeit, oder zumindest die Rhetorik darüber. Anstelle einer universellen, spirituellen Wahrheit werden die „Traditionen“ als eine Weltordnung repräsentierend angesehen, die vernünftiger sind."

Granholm, Seite 8

Wie bitte wird der Begriff Tradition definiert? Und wer legt fest, was eine "natürliche" Ordnung ist?
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Markus Nicklas
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Left-Hand Path

Beitrag von Markus Nicklas »

gleich zu Beginn wird die Adaption des Begriffs "Tantra" angeführt. Meine Quelle dazu ist David Gordon White, den ich an dieser Stelle mit einer Rezension seines "Kiss of the Yogini" vorstelle. Ich überarbeite gerade meine Übersetzung davon. Geduld, bitte. Danke. :)

Kiss_of_the_Yogini_Tantric_Sex_in_Its_So.pdf
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Markus Nicklas
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Kuss der Yogini

Beitrag von Markus Nicklas »

tja, gemischte Gefühle bewegen mich. Einerseits freue ich mich, das D.G. White sich klar zu den Adaptionen des Begriffs Tantra äußert, und andererseits bemerke ich Trauer, weil damit die Tür geschlossen ist, mich mittels romantischer Liebesakrobatik über Defizite hinweg zu täuschen.

Ich wage einen Ausblick. Ich wage die Ansicht, dass die Verbindung zum Land, der Gegend und ihrer Auffassung, den natürlichen Gegebenheiten wie Gewässer, Fels, Erde etwas bewirken kann. So wie ich das bisher verstehe, sind die tantrischen Praktiken auch darauf abgezielt, sich "gut aufzuhalten und gut mit dem Wesen Erde zu verhalten". Es macht jedoch keinen Sinn, sie eins zu eins hier anzuwenden und zu meinen, dass dann eine Integration natürlich stattfindet.

Zuletzt habe ich einen Vortrag von Stefan Brink, einem Ortnamenkundler aus England gehört, der sehr inspirierend seine Methodik erläutert hat. Wenn also es jemandem gelänge Herr Brink zu einem anwendungsorientierten Vortrag zu bewegen, wage ich mir vorzustellen, dass Zusammenarbeit mit hiesigen Wissenschaftlern ein Beitrag gelingen könnte.

Carlo Ginzburgs "Hexensabbat" empfehle ich ebenso als Lektüre.
Kuss der Yogini.pdf
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Markus Nicklas
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Re: die Runen-Gilde

Beitrag von Markus Nicklas »

ab Seite 10 (105) geht Granholm auf die Gilde selbst ein und beschreibt das Beziehungsgeflecht mit verschiedenen anderen Organisationen und/oder Protagonisten. Und für mich wird es auf Seite 12 (107) interessant

"Von den germanischen / skandinavischen Göttern und Göttinnen, hat Odin oder Wotan (in der Gilde Òdhinn geschrieben) eine dominante Position. Die Gilde konzentriert sich jedoch nicht auf die Anbetung dieses Gottes. Er wird vielmehr als „Gott der Inspiration“ bezeichnet und nachgeahmt (Thorsson 1987, 214; Karlsson 2008, 48–58). Der spezifische Fokus der Runengilde liegt auf auf den germanischen / nordischen Runen, die weit mehr als Buchstaben eines Alphabets sind. Durch intime, esoterische Kenntnis der Runen kann der Anwender sich selbst und die Geheimnisse des Universums kennenlernen. Die Praxis von der Gilde konzentriert sich auf eine Reihe von Übungen mit dem Titel „Die neun Türen von Midgard“ (siehe Thorsson 2003). Auf der Website der Gilde ist die Runenarbeit unterteilt in Runenansicht, die Meditation und Kontemplation beinhaltet; Divination in Form von Runenwerfen; Galdor, was den verbalen magischen Gebrauch der Runen meint; die Herstellung von Runentalismanen; und, vielleicht am wichtigsten, selbsttransformierende Runenarbeit (Rune-Gild 2009)."

Die differenzierte Betrachtung der Gottheit kann angehen. Was dann allerdings folgt ist für mich nichts weitter als Marketing.

"Gilder, Runer, Learner, Fellow, Master, Drighten, Erulian"

Ich merke für mich, dass da meine protestantisch-christlichen Reflexe anspringen. Sollen sie mal ... das hilft hier nicht weiter. Deswegen später mehr zum System der Gilde, wie ich es aus dem Text entnehme.
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