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Markus Nicklas
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Beitrag von Markus Nicklas » 21.02.2017, 09:58

denn offenbar ändert sich etwas in der Rechtslage

http://archaeologik.blogspot.de/2017/02 ... chaeologik)
Markus (Adolfo Amadeus) Nicklas

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Sólvindur
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Beitrag von Sólvindur » 21.02.2017, 13:20

Mögen die Verlage mit ihrem Lobbyismus scheitern!
Heyd bün ik ny worn. Dat is my toustöd.

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Markus Nicklas
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verstehe ich,

Beitrag von Markus Nicklas » 22.02.2017, 11:14

[quote='Sólvindur','index.php?page=Thread&postID=144513#post144513']Mögen die Verlage mit ihrem Lobbyismus scheitern![/quote]

deinen Wunsch, weil ich sehr daran interessiert bin, frei auf Texte zugreifen zu können. Ich hatte z.B. gerade einen Text von Eldar Heide übersetzt, und dann hat er einen Verlag gefunden, der ihn in ein Buch bindet, sich jegliche weiter Veröffentlichung verbittet. Mich freut es für Eldar, weil er damit in Fachkreisen an Bedeutung wächst. Schade ist es für alle anderen, da deswegen so ein Text ins akademische Ghetto sinkt.

Ich arbeite daran. Es ist für mich an der Zeit die Durchlässigkeit zwischen Praktizierenden und Wissenschaftlern zu gestalten. Wissen und Tun zusammen sind zu wichtig, um sie nicht zusammen zu führen, und außerdem wird so der Raum beansprucht, denn sonst Pappnasen mit schwachsinnigem Geschwalle ins Anspruch nehmen.

:)
Markus (Adolfo Amadeus) Nicklas

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Waldtochter
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Beitrag von Waldtochter » 22.02.2017, 13:56

Nochmal in Kurz und Klar: Was heißt das konkret?

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Beitrag von Waldtochter » 22.02.2017, 17:21

Ich antworte nochmal hier, @Adolfo

Ich habe deswegen nachgehakt, weil meiner Erfahrung mit Verlagen nach - nicht wissenschaftliche, sondern allgemein - eher sehr große Probleme damit haben, sich finanziell über Wasser halten zu können. Wie gesagt, ich habe jetzt nicht ganz verstanden, worum es überhaupt geht, aber mit dem Vorwurf der Profitgier und des Lobbyismus wäre ich sehr vorsichtig, weil wir zurzeit eher das Problem haben, dass die Verlage pleite gehen und es kaum noch welche gibt bzw. nur noch große Monopole.
Zuletzt geändert von Waldtochter am 22.02.2017, 21:38, insgesamt 1-mal geändert.

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Sólvindur
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Beitrag von Sólvindur » 22.02.2017, 18:34

Ich denke, eins muss da zwischen "Verlag" und "wissenschaftlicher Verlag" unterscheiden, Waldtochter.

Wenn z.B. jemand wie der Holger Kliemannel vom Roten Drachen für machbares Geld qualitativ hochwertige Veröffentlichungen herausbringt, dann bin ich ganz bei Dir. So etwas gehört unterstützt.

Ich wäre auch bereit, für ein Werk Eldar Heides in gebundener Form 25€ o.ä. auf den Tisch zu legen, auch wenn ich's sebst nun auch nicht so dicke hab.

Was passiert aber bei "Wissenschaftsverlagen" bzw. dem von ihnen verlegten Content? Zuerst einmal wäre festzuhalten, dass Forschung und Lehre in aller Regel von der Allgemeinheit d.h. Steuergeldern finanziert werden. Teils handelt es sich auch um Dissertationen o.ä. angehender Akademiker*innen, die wiederum von Stipendien, Förderungen, oder schlicht ihren Nebenjobs abhängig sind.

Und tatsächlich, nach allem was ich weiß, sehen die Autor*innen kaum bis gar nichs bares von den wirtschaftlichen Erträgen ihrer Leistungen. Brauchen, zumindest die Etablierteren, häufig auch nicht unbedingt, sie sitzen ja auf ihren Stellen (auch wenn's sicherlich nett wäre). Ihr Lohn ist es, bei einem renommierten Verlag veröffentlich zu haben, was ihnen indirekt Gewinn - materiell oder immateriell - einfahren kann, indem es ihnen hilft, auf der Karriereleiter aufzusteigen.

Wenn Du Dich aber dann mal mit den Preisen für die verlegten Werke auseinandersetzt, und auf Preisvorstellungen von mal eben 100-150€ oder mehr pro Exemplar stößt, dann wirft das schon Fragen auf, was daran gerechtfertigt sein soll. Die Unibibliotheken beißen dann in den sauren Apfel (dadurch funktioniert das System ja auch), aber Otto-Normalverbraucher bzw. die Öffentlichkeit, die das alles eigentlich bezahlt hat (siehe oben) guckt in die Röhre. Dazu kommt, dass das Urheberrecht bis 70 Jahre nach Tod des Verfassers beim Verlag bleibt. Jetzt denk mal zurück. 2017, das ist 1947, das sind die Jahrgänge zwischen, ich sag jetzt mal 1867-1920. Wieviel von deren Werken trägt noch zur aktuellen Forschung und Wissensvermehrung bei? Und welcher Verlag von damals lebt noch? Im oben verlinkten Artikel wird eben auch auf Dokumentation der wissenschaftlichen Erkenntnisse verwiesen, die ermöglich werden soll, da uns ohne Dokumentation die Wissensgrundlagen der letzten Jahrzehnte sonst so langsam flöten zu gehen drohen. Das will auch keine*r, oder?

Ich hab das jetzt alles aus dem Gedächtnis aufgeschrieben, aber das alles, und die dazugehörigen Argumente sollten sich problemlos recherchieren lassen.

Viele Grüße!
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Waldtochter
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Beitrag von Waldtochter » 22.02.2017, 21:50

Mh, ehrlich gesagt finde ich die Preise vom Roten Drachen weit dreister als die von wissenschaftlichen Verlagen. Denn im Gegensatz zu letzteren verlegt Roter Drache Werke von Otto-Normal-Autoren, will heißen: Wenn's gut gemacht ist, könnten auch wir einsenden. So eine wissenschaftliche Arbeit ist ein ganz anderes Kaliber.

Wie das mit dem Geld aussieht, weiß ich nicht genau - ich weiß nicht, wie viel Professoren bekommen. Ich glaube aber ehrlich gesagt nicht, dass das so gering aussieht, denn ich könnte mir nicht erklären, warum es andernfalls eine so weitverbreitete Praxis unter Universitätsprofessoren ist, die eigenen Bücher bei den eigenen Kursen zu Pflichtlektüre zu ernennen (in meinen Augen auch der größere Skandal, weil Studenten dieses Geld eben wirklich nicht haben).

Puh, ich weiß nun nicht, welche Verlage du konkret meinst, aber meine Erfahrungen sind bisher eigentlich positiv. Sei es eine Doktorarbeit, seien es wissenschaftliche Schinken von vielen hundert Seiten - die Preise sind durchaus in Ordnung. Mehr als 25€ habe ich selten gezahlt - und wenn man sich anschaut, was darin enthalten ist, dann kann man wirklich nicht meckern. Der Inhalt ist wissenschaftlich, es gibt umfassende Bibliographien und - was den Preis zweifelsohne hebt und gerechtfertigt - Bilder, mitunter farbig, manchmal gar auf extra gebleichten Seiten.
Beim marix-Verlag habe ich Grimms 2000seitige Mythologie sogar für unter 10€ bekommen.

Wie gesagt, ich bin etwas unschlüssig; im Bereich germanisches Heidentum habe ich beim besten Willen keine negativen Erfahrungen gemacht. Wie es bei anderen Forschungszweigen aussieht, kann ich natürlich nicht sagen.

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Markus Nicklas
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Beitrag von Markus Nicklas » 23.02.2017, 10:37

Populärliteratur und wissenschaftliche Publikation

zunächst meine ich, dass die Themen zu und um das Heidentum von stark begrenzter Bedeutung sind. Das mag sich ändern, doch bis jetzt wirkt das so auf mich.
Die Frage ist auch, ob das gesteigerte Interesse zum einfachen Zugang beiträgt. Auch hier möchte ich empfehlen, ggf einen sachkundigen Menschen als Gesprächspartner hinzu zu ziehen. Dadurch besteht die Möglichkeit, den Meinungen ein belastbares Fundament zu geben.

:)
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Beitrag von Haukrinn » 25.02.2017, 12:55

Ich brauche ja beruflich und zu Weiterbildungszwecken ziemlich viele Fachbücher (dann natürlich eher aus den Struktur- und Naturwissenschaften) und da sind die Preise schon ziemlich gesalzen (wenn auch noch läppisch gegenüber dem was ein Mediziner oder Psychologe für seine Fachschinken auf den Tisch legen muss). 60-80 Ocken für ein Grundlagen-Fachbuch mit 500 Seiten sind normal, 15€ für einen 15-20 seitigen Fachartikel (inkl. Bibliographie) auch. Ohne Mitgliedschaft in Fachverbänden (wo es dann zumindest auf deren Veröffentlichungen Rabatte gibt) ist das für Privatpersonen eigentlich nicht zu stemmen. Die Autoren sehen davon übrigens in aller Regel (zumindest bei den Fachzeitschriften) nichts (was sich bei deutschen Publikationen vielleicht noch ändern kann wenn die VG Wort da ihre Ansprüche irgendwann einmal gegenüber den Verlagen durchsetzt). Und selbst für Hochschulen wird der Zugriff auf entsprechende Zeitschriftenkataloge von Elsevier, Springer und co immer unerschwinglicher.
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Ulrike
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Beitrag von Ulrike » 01.05.2017, 12:37

Wissenschaft wird nicht nur durch Steuergelder finanziert. Die Einforderung und Sicherung von Drittmitteln ist eine zeitraubende Angelegenheit geworden für Leute, die eigentlich mit Lehre und Forschung beschäftigt sein sollten. Was Professoren und Professorinnen verdienen, lässt sich leicht herausfinden, da es sich um öffentlichen Dienst bzw. Verbeamtung ggf. auf Zeit handelt (ich glaube, Junior-Professuren sind Verbeamtung auf Zeit). Das entspricht wohl ungefähr A13 - A16, also der Besoldung im höheren Dienst. Wenn ich Professorin wäre, würde ich auch Lehrbücher empfehlen, in denen das steht, was ich für wichtig halte, und natürlich mein eigenes Buch, hätte ich denn eins verfasst.

Was Verlage angeht: es gibt solche, und solche (wie immer im Leben). Auch Verlage agieren nicht rein aus Idealismus und müssen dafür sorgen, dass nicht nur Autor*innen, sondern auch alle an der Herstellung beteiligten Menschen daran verdienen. Bei wissenschaftlicher Literatur ist das schon deshalb schwieriger, weil die Auflage eventuell kleiner ist und die Herstellung im Zweifelsfall schwieriger (Lektorat, evtl. auch Gestaltung).
Die Buchherstellung ist dann nochmal ein ganz anderes Kapitel als bei Veröffentlichungen in wissenschaftlichen Zeitschriften (wie Haukrinn schon anmerkte). Monopolistische Tendenzen und Preisgestaltung beim Zugang zu wissenschaftlichen Zeitschriften, vor allem durch den elektronischen Vertrieb ist ein ganz eigenes Kapitel, in denen alle am Prozess Beteiligten, die nicht auf Verlagsseite sind, gar nicht so viel fressen können, wie sie spucken möchten.

Liebe Grüße (von einer Buchhändlerin, die zwar schlecht bezahlt wird, aber immerhin Kollegenrabatt bekommt. Das ist schon mal was.)
Dass der Marix-Verlag sein Sortiment so preiswert gestalten kann, liegt natürlich daran, dass die nur gemeinfreie Titel im Sortiment haben oder evlt. Lizenzen sehr günstig kaufen. Die müssen also die Autor*innen nicht mehr bezahlen.
Zuletzt geändert von Ulrike am 01.05.2017, 12:42, insgesamt 1-mal geändert.

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