Film: „Ein Schotte macht noch keinen Sommer“

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Heidan Frihals
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Film: „Ein Schotte macht noch keinen Sommer“

Beitrag von Heidan Frihals » 08.02.2019, 14:51

Heidentum und Kino? Nordisch/germanische Götter und Blockbuster? Sicherlich sind die Filme und Serien, in denen die alten Götter eine Rolle spielen, in den letzten Jahren deutlich mehr geworden. Vikings, Thor und Co. lassen grüßen. Da ich mit den Marvel-Filmen allerdings nichts anfangen kann und auch eine Serie wie „American Gods“ komplett an mir vorbeigeht, wird es in meinem Fall etwas schwieriger, wenngleich nicht unmöglich, Filme zu finden, in denen die Götter eine (kleine) Rolle spielen.
Ein Film, in dem Odin zwar nicht direkt mitspielt aber dennoch eine Präsenz im Film hat, ist mein Lieblingsfilm der letzten Jahre: „Ein Schotte macht noch keinen Sommer“ (Original: What We Did on Our Holiday) aus dem Jahr 2014. Es handelt sich dabei nicht um ein bildgewaltiges Schlachtenepos oder um den Streifzug eines Superhelden durch überladene CGI-Welten. Nein, es geht einfach um Menschen, ganz alltägliche Menschen, die mit sich und ihresgleichen hadern und dabei das Wesentliche aus den Augen verloren haben. Und es sind drei Kinder, die in diesem Film zeigen, dass es manchmal durchaus einfach sein kann, das Richtige zu tun, auch wenn andere „Spinner“ rufen und mit einem oder über einen schimpfen. Du sprichst mit Steinen? Was erzählen sie denn? Du glaubst an Odin und hast ihn vielleicht mal gesehen? Wo denn?
In diesem warmherzigen Film, einer Mischung aus Komödie und etwas Drama, ist es ein sterbender Großvater, der diese Erkenntnis hervorruft und den Mut dazu in den Enkelkindern bestärkt. Drei Kinder und ein Sterbender, also Menschen am Anfang und am Ende des Lebenskreises, die den Erwachsenen in der Mitte des Lebens am Ende den Kompass geben.

Handlung
Eine junge Familie (Doug, Abi und die drei Kinder Jess, Lottie und Mickey) fährt nach Schottland zur geplanten Geburtstagsfeier von Opa Gordie, der an Krebs erkrankt ist. Um diesen zu schonen, spielen die fünf dem Großvater mehr schlecht als recht das heile Familienleben vor und verschweigen, dass das Ehepaar kurz vor der Scheidung steht und Abi mit den Kindern bereits aus dem gemeinsamen Haus ausgezogen ist. Großvater Gordie kommt jedoch recht schnell dahinter und in einem tröstenden Gespräch mit Enkelin Lottie erfährt er die Einzelheiten.

Da ihm der Stress und die Nickligkeiten bei den Vorbereitungen zu seinem 75. Geburtstag allmählich zuviel werden, fährt er mit den drei Enkelkindern an den Strand, wo alle viel Spaß haben. Da ist das „Küken“ Jess, die mit Steinen redet oder die ernste und etwas traurige Lottie, die kaum wiederzuerkennen ist, als Opa sie den Geländewagen am Strand lenken lässt. Und dann ist da noch der kleine Mickey, der als großer Wikinger-Fan erzählt, was er alles über den nordischen Gott Odin weiß. Daraufhin teilt Opa Gordie den Kindern mit, dass er nach seinem Tod gerne eine Wikingerbeerdigung erhalten würde. Sein Leichnam auf einem Boot aufgebahrt, das brennend aufs Meer hinaus fährt. Ohne Streitereien der Verwandschaft an seinem Grab. Nachdem er den Kindern zum Spaß einmal seinen Tod vorspielt, stirbt er kurze Zeit später tatsächlich am Strand. Lottie rennt schnell nachhause und muss feststellen, dass die Erwachsenen (Eltern, Onkel, Tante, etc.) wieder nur streiten.Sie entschließt sich dazu, die Erwachsenen nicht zu informieren und zum Strand zurückzukehren. Dort erzählt sie den anderen beiden von den Streitereien.

Die Kinder beschließen gemeinsam, ihrem Opa die Beerdigung zu ermöglichen, die er sich so gewünscht hatte. Sie legen ihn auf ein selbstgebautes Floss, übergießen es reichlich mit Benzin und zünden es an. Selbst etwas erschrocken von dem, was sie getan haben aber auch mit dem guten Gefühl, richtig gehandelt zu haben, stehen sie am Strand und schauen zu, wie das Floss auf das Meer hinaustreibt. So verabschieden sie ihren Großvater.

Zurück bei den Eltern lösen die Erzählungen der Kinder über das, was passiert ist und was sie getan haben, Entsetzen, Streit und Ärger aus. Die Gäste sind bereits da und auch die Polizei und das Jugendamt kommen hinzu. Da sich der genaue Sachverhalt jedoch bald herauskristallisiert, wenden sich die Dinge allmählich zum Guten und der Erkenntnis und der Besinnung auf das, was wichtig ist, steht nichts mehr im Wege. Das merkt auch die Presse vor der Tür, die das Zusammenstehen der Familie zu sehen bekommt.

Am Ende findet eine Trauerfeier am Strand statt, auf der offen und ehrlich über den verstorbenen Großvater gesprochen aber auch ebenso miteinander umgegangen wird. Frei von Gehabe, Geprahle und Rechthaberei. Einfach und ehrlich. Auch Abi und Doug wollen nun, so muss es bei einem Happy End sein, ihre Streitigkeiten regeln und mehr Rücksicht auf die Kinder und sich nehmen.

Kommentar
Was mir an diesem Film so gefallen hat, sind die vielen Szenen und Momente, in denen der Charakter spürt, was richtig und wichtig ist, und was nicht. Dazu bedarf es keiner großen Gesten oder Worte. Zum Beispiel, als der kleine Mickey in dem Durcheinander aus streitenden Eltern und irritierten Gästen Odin unter den Besuchern zu erkennen meint. Der Vater wird laut und kann es bald nicht mehr hören aber Mickey scheint es in diesem Moment besser zu wissen.

Bild
Die Szene, in der Mickey Odin zu sehen glaubt.

Auch die Szene, in der der Großvater den Kindern vom bevorstehenden Tod erzählt und danach mit der niedlichen Lottie, deren Charakter einfach nur toll gespielt ist, über das Leben und den Tod spricht, hat mich beeindruckt. Es sind keine platten „mach was du willst“ Lebensweisheiten, die Gordie den Kindern vermittelt, sondern vielmehr die Bedeutsamkeit und Wichtigkeit von Selbstbewusstsein in Kombination mit Selbstreflexion und Empathie.

Es gibt viele Momente, die dieser Film bietet und in denen man sich, trotz des nicht leichten Themas, einfach wohl und verstanden fühlt. Der Film ist leicht und doch traurig, unaufgeregt und doch mitunter laut, einfach und doch mit weisen Ansichten. Gerade das macht es vielleicht aus.

Schauspielerisch sind besonders die Kinder zu nennen, die wunderbar authentisch und sympathisch spielen, sodass man beim nächsten Ausflug an den Strand am liebsten selber mitkäme.
Sterben muss ja nicht gleich sein.

Aus meinem Blog (https://heidan-frihals.de/ein-schotte-m ... en-sommer/)

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