Teil der Natur

Seidr, Runen, Magie ...
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Waldtochter
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Teil der Natur

Beitrag von Waldtochter » 07.10.2016, 22:23

Ich finde es schade, dass so ein gewaltiges und umfassendes Thema, das uns Heiden in meinen Augen auch mehr betrifft als manch anderen religiösen Menschen, nur offtopic im Homosexuellen-Thread behandelt wird.

Deswegen habe ich hier ein neues Thema eröffnet.

Gehört der Mensch noch zur Natur? Hat er sich von ihr losgelöst?

Ausgehend von den letzten Beiträgen im oben genannten Homosexuellen-Thread, möchte ich anmerken, dass es in der Natur gewisse Kreisläufe gibt, die wieder und wieder kehren. In jeglicher Hinsicht ist die Natur ein Kreislauf - bzw. vielleicht eher eine sehr enge Spirale, da unser Umfeld ja dann doch nicht zu 100% regelmäßig abläuft.
Genau da ist für mich aber auch der Punkt, warum wir uns so sehr von der Natur unterscheiden. Der moderne Mensch hat damit begonnen, Kreisläufe zu zerstören und ganz bewusst auszuhöhlen, um stattdessen eine konstante Steigung hinzubekommen. In dem irren Glauben vielleicht, etwas könnte bis die Unendlichkeit steigen - aber unsere Umwelt ist keine abstrakte Mathematik. In der Natur gibt es keinen Unendlichkeitsbegriff. Die Natur und ihre Ressourcen kennen ein Ende und wenn der Mensch es durch seine Steigung, Wertschöpfung und den ökonomischen Boom endlich geschafft hat, an die Spitze dieser Grenze zu kommen, dann wird uns vielleicht endlich bewusst, dass eine sich schmal nach außen schlingende Spirale einen weit längeren Faden hat als eine steile Gerade nach außen.

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Armin
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Beitrag von Armin » 07.10.2016, 22:48

Gute Idee dieser neue Thread! Und wichtig finde ich auch den Hinweis auf den Unterschied zwischen den kreisförmig organisierten Kräften der Natur und der Steigungsgeraden menschlicher Wertschöpfungsvorstellungen. Und es ist und war immer wieder zu beobachten, daß ab einem gewissen "Peak" ein ziemlich rasanter Absturz dieser Linie kommt.

Die Frage ist, wann, ob und inwieweit der Mensch sich generell dahingehend entfremdet hat zur Natur. So gibt es heute ja beispielsweise auch noch einige Gesellschaftsmodelle, die mehr oder minder "erfolgreich" mit der Natur soweit im Einklang leben, daß man von unserer Warte her das Gefühl haben kann, es wäre ein ausgeglichenes Geben und Nehmen, während es auch schon zur Inka-Zeit die Inka gegeben hat, die mitunter massiven Raubbau an der Natur geübt haben (oder waren es die Maya? :S ) während die nordamerikanischen Ureinwohner größtenteils so etwas gar nicht gekannt haben.

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Waldtochter
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Beitrag von Waldtochter » 07.10.2016, 23:07

Ich glaube, diese Eigenheit, die Natur ausbeuten zu wollen, entwickelt sich vor allem bei Hochkulturen. Ich kann das nicht beweisen, das ist nur ein Gedanke von mir.

Aber Hochkulturen haben ja die Eigenschaft, ein relativ sicheres Leben zu haben, sie können sich aufgrund ihres technischen Fortschrittes verhältnismäßig gut ernähren und damit die Zeit generieren, die sie brauchen, um sich noch weiter zu entwickeln. Zudem haben sie überhaupt die Aussicht auf Raubbau.

Beispiel Germanen (die das meines Wissens nicht betrieben haben): Wie sollte ein germanischer Bauer Raubbau an seinem Grund und Boden betreiben? Würde er mehr Wald roden - wer sollte das Land bestellen? Würde er mehr jagen, würde er sich öfter den Gefahren aussetzen - und wer soll all das Fleisch essen?
In dem Moment, wo Handel aufkommt (nicht simpler, "primitiver" Tauschhandel*, sondern richtiger Handel) ist wohl auch der Weg zum Raubbau geebnet.

Ich glaube, mit der heutigen Globalisierung haben wir es damit zur Spitze getrieben. Wir haben den Raubbau anonymisiert, indem der Raubbauer nicht einmal mehr das Land kennt, das er ausraubt. Die Skrupellosigkeit wächst, das Verantwortungsbewusstsein schwindet.



*Entschuldigt das Wort "primitiv", ich hasse es selbst in dem Zusammenhang. Insbesondere, da ich glaube, dass der Tauschhandel an sich viel komplexer ist als unser heutiges Geldsystem, da er nicht nur Wert gegen Wert tauscht, sondern der zwischenmenschlichen Beziehung dient.

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Tocis
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Beitrag von Tocis » 08.10.2016, 06:04

Wir haben heute enorm wirkungsvolle Möglichkeiten die Umwelt zu manipulieren, siehe Al Gores Beispiel der Schaufel in seinem "Inconvenient truth"-Film, und unser Wirtschafts/Gesellschaftssystem ist schlicht krank. Es ist ja kein Geheimnis dass sich (buchstäbliche, nicht umgangssprachliche) Psychopathen am besten für Führungspositionen in der heutigen globalisierten Wirtschaft eignen. Was will man da schon erwarten von so einem pervertierten System?

Das eine oder das andere wäre noch erträglich aber die Kombination ist vernichtend.
All dies ist schon einmal geschehen, und all dies geschieht irgendwann wieder.

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Ulson
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Beitrag von Ulson » 08.10.2016, 06:41

Ich denke schon, dass der Mensch noch zur Natur gehört. Im Prinzip ist ja "alles" Natur.

Allerdings scheint der moderne Mensch seine innere Verbindung mit der Natur aufgegeben / vergessen zu haben.
So eine Verbindung muss ja nicht bedeuten, in einer Höhle im Wald zu leben.
Aber würde der Mensch andere Spezies respektieren und nicht nur "Nutznießer" des Planeten sein wollen, würde er nicht bei jeder Entscheidung nur den eigenen, vermeintlichen Vorteil bedenken sondern auch Verantwortung zB für die Bedürfnisse anderer Spezies übernehmen oder diese zumindest respektieren.
Ebenso scheint dem Mensch (vielleicht durch christliche u.a. Heilsversprechen für "nach dem Tod") das Bewusstsein dafür abhanden gekommen zu sein, das nach ihm eben nicht die Sintflut, sondern die nächste Generation kommt, die genauso auf den Planeten und das Ökosystem usw angewiesen ist.
Und dazu kommt dann sicher noch die Bequemlichkeit, sich gar nicht mit diesen Dingen auseinander zu setzen solange man noch (meint) nicht selbst betroffen zu sein....

Man sollte aber vielleicht auch frühere Gesellschaften dabei nicht zu sehr idealisieren.
"Früher" wurden auch schon massive Eingriffe durch den Menschen in die Landschaft vorgenommen, zB Abholzung der Wälder usw.
Und zB auf Hawai wurden bereits viele Spezies ausgerottet, lange bevor der "weiße Mann" auch nur einen Fuß dorthin setzte.
Ebenso wurde auch in Europa die ein oder andere Tierart durch massive Bejagung ausgerottet.

Die Frage die sich im Vergleich mit früheren Gesellschaften stellt, ist aber aus welchem Bewusstsein heraus das geschah, zB ggfs aus Unwissenheit, Not etc.
Ein markanter Unterschied ist natürlich auch, wie systematisch heute der Planet ausgelaugt wird. Dazu fehlten früher natürlich die Möglichkeiten, aber spätestens an diesem Punkt würde ich den frühen Gesellschaften durchaus eine andere Mentalität zutrauen.

Maxim
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Beitrag von Maxim » 08.10.2016, 10:22

Auf die Schnelle.

Wie im Homo-Thread schon kurz von mir angeschnitten, glaube ich, dass der Mensch in seinem Drang nach Leben durchaus noch Teil der Natur ist - leider!

Auch wenn unsere Behausungen aus "Betonklötzen" bestehen, unser Fleisch von Tieren stammt, die ebenso in Betonbehausungen dahinvegetierten, bis sie dann geschlachtet wurden, und, und ... kann ich darin immer noch keine Entfernung von der Natur erkennen - leider! Ganz im Gegenteil: Unser ganzer Fortschritt dient in erster Linie nur der Befriedigung unserer natürlichen, aber nicht immer notwendigen (Epikur) Bedürfnisse.

So, hier eine kurze Begriffserklärung: Obiges soll weder so aufgefasst werden, als fände ich das alles gut, wie wir Menschen mit natürlichen Ressourcen umgehen, noch soll es als Trollerei aufgefasst werden. Ich möchte nur meine Sicht der Dinge wiedergeben.

Zweitens halte ich den Begriff "Natur" für etwas kompliziert. Kompliziert in dem Sinne, dass er allzu unreflektiert positiv gewertet wird. Wir haben - durchaus berechtigt! - aus der Natur eine liebevolle, milde, durchaus auch strenge aber im Wesen immer sanfte Mutter à la Isis, Maria, Frigg gemacht. Eine Himmelskönigin, also. Doch die Natur ist doch eher eine Erdmutter wie Kybele, Kali, Artemis, Nerthus, Göttinnen, die zwar ebenso liebevoll sein können, allerdings auch einen leichten Schauder bewirken.


Damit möchte ich sagen, dass wir "Natur" und "natürlich" immer für gut halten und das halte ich wiederum für einen Denkfehler, da in meinen Augen alle unsere Errungenschaften (Betonbehausungen usw.) zwar gewiss umweltschädigend sind, dennoch aber unseren natürlichen Grundbedürfnissen nach Schutz, Wärme und Komfort und was weiß ich alles entsprechen.


Will ich deswegen behaupten, dass alles gut ist, wie es ist? Mitnichten! Ich denke aber das ein "zurück zur Natur" keine Lösung bietet. Ich denke, dass da eher eine Entfernung zur materiellen Welt eine Lösung bietet, wie sie eben im (Ur-)Christentum, in den ursprünglichen Lehren Buddhas, im Stoizismus, im Epikurismus, im (Neu-)Platonismus, in der Gnosis und wahrscheinlich noch in vielen anderen Philosophien gelehrt wird. Ich denke, dass es ganz nützlich sein kann, wenn man genau über seine Bedürfnisse nachdenkt, diese abschätzt und erwägt und auch lernt, mit Wenigem glücklich zu sein. Das hat allerdings nichts mit "natürlichem Instinkten" zu tun, denn mein Hund würde auch futtern bis er platzt, wenn er die Möglichkeit hätte. Und ich denke, ein Wolf in der freien Natur ebenso. Es bedarf also meiner Meinung nach der Vernunft und nicht nur einer Rückbesinnung auf die Natur, um aus diesem Schlamassel auszubrechen. Die Naturressourcen können nur gerettet werden, wenn man vernünftig (und somit tugendhaft) an die Sache herantritt.


Nur weil ich als Einzelperson jetzt aufs Land ziehen würde und mir mein Gemüse selbst züchten würde, wäre ich auch nicht viel "natürlicher" als ein Mitmensch, der in der Großstadt haust und sich sein Gemüse im Bioladen kauft.


Fazit: Ich denke, dass eine Entfernung unserer natürlichen Bedürfnisse bzw. eine Beschränkung auf unsere natürlichen und unentbehrlichen Bedürfnisse den natürlichen Ressourcen helfen könnten.


Doch solange es in der Welt Menschen gibt, die meinen, ihre natürlichen und lebensnotwendigen Bedürfnisse können nur durch den Besitz eines eigenen Flugzeugs oder einer Inselgruppe gedeckt werden... Solange wird die Welt bleiben, wie sie ist. Unvernunft richtet sie zu Grunde.

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Waldtochter
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Beitrag von Waldtochter » 08.10.2016, 11:30

Unser ganzer Fortschritt dient in erster Linie nur der Befriedigung unserer natürlichen, aber nicht immer notwendigen (Epikur) Bedürfnisse.
Da bin ich mir nicht sicher, da die Bedürfnisse, die in unserer Gesellschaft angepeilt werden, in meinen Augen selbst nur noch Auswüchse natürlicher Bedürfnisse sind. Klar, irgendwoher müssen sie kommen und ebenso klar, dass die Ursprünge immer in der Natur liegen, da die ja unsere Wurzel ist.

Aber um welche Bedürfnisse geht es heute noch? Die klassischen Grundbedürfnisse sind Sicherheit, Nahrung, soziale Kontakte/Bestätigung, das Empfinden der eigenen Notwendigkeit. Hab ich was vergessen?

Zumindest im Westen (und das ist eigentlich auch der Ort, von dem ich immer spreche, weil in Afrika, Asien usw. ganz andere Umstände sind) haben wir eine Pervertierung der Sicherheit. Man sollte meinen, dass die Lebenssicherheit eigentlich schon reicht - wir müssen nicht mehr fürchten, zu verhungern oder zu erfrieren, selbst die Gefahr durch andere Menschen ist durch Gesetze, hunderte Gesetze, geregelt. Dennoch wird für immer mehr Sicherheit gesorgt, Anschnallpflicht, Helmpflicht, Videokameras, Speedboxen und Blitzer ... die Sicherheit wurde so sehr ausgebeutet, dass heute immer wieder die Fragestellung auftaucht - Sicherheit oder Freiheit?
Natürlich finde ich unseren heutigen Sicherheitsdrang bei Weitem nicht mehr.

Nahrung - abgesehen von den Leuten, die auf der Straße leben, muss keiner fürchten, zu verhungern. Wir haben Essen in Hülle und Fülle. Stattdessen ist auch dieses Bedürfnis zu einer Perversion geworden, indem wir das Essen nur noch stopfen. Wir fressen und fressen und fressen, Übergewicht ist ein riesiges Problem, wir können die Ressourcen kaum aufbringen, die Politiker reden davon, dass man von der Massentierhaltung nicht weg kann, weil wir zu viele Menschen geworden sind, derweil ist es ja nicht so, als würden diese Menschen am Hungertuch nagen, sondern sie stopfen sich die elendig verreckten Leiber von Mastschweinen in die Mägen. Von der natürlichen Regung Hunger ist nichts mehr übrig.
Okay, du führst deinen Hund auf, der auch ewig fressen würde. Man muss aber auch hinzufügen, dass Tiere in der Natur eine ganz andere Beziehung zu Essen haben. Pflanzenfresser fressen nur dann alles kahl, wenn die Population zu groß ist. Und Fleischfresser schaffen es gar nicht, so viel zu erjagen, dass sie sich fett fressen könnten.
Das Problem ist, dass wir Menschen uns einerseits die Welt vereinfacht haben, andererseits aber unsere Bedürfnisse nicht mehr stillen können.

Die sozialen Kontakte hebeln wir mit all unseren sozialen Netzwerken aus. Es ist auffallend, dass Freunde, die sich treffen, gar nicht mehr sooo viel miteinander beschäftigen, weil sie ständig anderen Freunden via Smartphone etwas schreiben müssen.
Und spätestens seit Marx ist bekannt, dass die individuelle Bestätigung eines Individuums bei der Arbeit durch die Arbeit nicht mehr gegeben ist, weil die modernen Arbeitskräfte austauschbar sind und keine individuellen Menschen mit individuellen Fähigkeiten.

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Waldtochter
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Beitrag von Waldtochter » 08.10.2016, 11:35

Ah, bezüglich Natur:

Ich glaube nicht, dass das Naturbild unbedingt immer das einer wärmenden Mutter ist. Diejenigen, die das glauben, sind meistens die, die mit der Natur an sich nicht sonderlich viel am Hut haben, ab und an mal einen netten Waldspaziergang machen, die Schmetterlinge bewundern und sich denken, dass Mutter Naturs Schöpfung einfach einmalig ist.

Von Heiden hoffe ich immer ganz stark, dass das nicht auf sie zutrifft, sondern dass sie die richtige Natur kennen. Und die ist in vielen Fällen zerstörerisch. Dafür muss man sich den Wald nur mal nach einem Sturm anschauen. Odern den Kampf einer Fliege im Spinnennetz. Das elendige Verenden eines verhungernden Tierjungen. Oder einfach nur mal selbst eine Winternacht draußen bleiben und feststellen, dass dich die Kälte an einem stinknormalen Tag am liebsten töten würde.
In meiner Gegend sterben im Jahr dutzende Menschen durch Bergabstürze, durch Ertrinken im Fluss oder See oder indem sie sich nachts im Wald verlaufen und von irgendwelchen Anhöhen fallen. Das ist Natur in ihrer reinsten Form.

Und das ist meine Natur, wie ich sie liebe.

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literatomorph
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Beitrag von literatomorph » 08.10.2016, 15:50

Hallo.
Für mich ganz persönlich stellt sich auch nicht wirklich die Frage ( außer durch philosophisches Intresse) wie grausam/heilsbringend die Natur tatsächlich ist, sondern vielmehr wie ich mich in ihr bewege und mit ihr umgehe.
Klar glaube ich im Prinzip an die mitleidslose Welt, an Klauen, Zähne und Katastrophen. Aber so möchte ich persönlich nicht leben. Ich sehe durchaus den Weg für mich ganz klar und deutlich vor mir.
Ich übe mich in Respekt, Demut und Genügsamkeit gegenüber der heiligen Schönheit unserer Welt. Das versuche ich und empfinde Glück dabei.
Dennoch schließe ich nicht die Augen vor den Zyklen, vorm Verfall, dem Vergehen all dieser Schönheit was aber genauer betrachtet auch Schönheit ist. Ich habe mir mal eine Reportage dieser Bodyfarmen angesehen, wo Leichen in natürlicher Umgebung verwesen und dabei von Forensikern beobachtet werden.
Was erstmal schockierend wirkt steckt voller Schönheit, wie ein Organismus so viel neues Leben ernährt.
Gruß
Philipp
Invere Ing

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Markus Nicklas
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Wie lebe ich in ihr?

Beitrag von Markus Nicklas » 09.10.2016, 10:48

Was verbindet mich mit ihr? Welche Aspekt sehe ich in ihr, die mir Aufschluss über die Kraft geben, die Natur zum Ausdruck bringt? Allein in der Wildnis (ja, bitte, wo denn in Mitteleuropa?) klar zu kommen, das geht schon, doch welche Fähigkeiten wende ich an, um mit und für andere klar zu kommen? Sind sich alle Beteiligten an einer längeren Wanderung im Klaren, welche Aufgaben zu erfüllen sind? Sind alle willens und fähig ihre Fähigkeiten für sich und die Anderen anzuwenden?

Perspektivwechsel: Die Natur kommt bestens ohne den Menschen klar, doch welches Verhalten, welche Vermittlung kann ich ausüben um weniger Schaden oder sogar Nutzen in die mich umgebende Natur zu bringen? Zunächst pragmatisch mittels des Beispiels beim Zähneputzen den Wasserhahn zu schließen.

Geistig-mythologisch: Was weiß ich und was sagen mir Überlieferungen? Sind keine eigenen vorhanden - wo kann ich hin gucken, um mir Inspiration darüber zu verschaffen, welch Art und Weise von Einstehen für mich und andere Menschen wirksam sein kann?

Ich nehme an, dass die Menschheit in ihrer gegenwärtigen Anzahl und Zusammensetzung eine Last für den Planeten darstellt, bin allerdings nicht gewillt Gedanken über gesteuerte Verringerung ins Auge zu fassen.

Ich möchte so lange ich kann da sein, und so gut ich kann ein Beispiel geben, dass Schadlosigkeit und behutsamer, schonender, überlegter Einsatz Wirkung zeigen.

Anstatt mich über den Müll im Wald zu ärgern, habe ich eine Tüte dabei und lese ihn auf. Und ich ärgere mich dennoch, wenn ich dann eine Müllkippe entdecke, wo jemand seinen Bauschutt mit Fensterscheiben abgeladen hat - diese vermaledeite :cursing: :cursing: :cursing: .

Doch, selbst das groteskeste Mittel, der Wahnsinn schlechthin, die Atomkraft, gibt mir Aufschluss über die menschliche Natur. Nur eben über die doofe, ignorante, grausame Seite.

Rausgehen, organisieren, Banden bilden, Vereinen beitreten, Leute sanft und nachdrücklich auf ihr Verhalten hinweisen, das geht immer. Wie es in den Wald hinein schallt ...

:) schönen Sonntag
Markus (Adolfo Amadeus) Nicklas

"Ironie ist systembestätigend."
Christoph Schlingensief

Khorud
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Beitrag von Khorud » 09.10.2016, 12:04

Recht komplexes Thema. Als aller erstes sollte man wohl sagen, dass es den Planeten nicht belastet. Warum? Weil es die Natur wenig schert, was der Mensch mit ihr veranstaltet. Die Frage ist, ob wir mit den Veränderungen, die wir mit verursachen auch umgehen können. Der Mensch ist nun mal eine Spezies von Lebewesen,die nicht nur durch den Selbsterhaltungstrieb leben möchte, sondern darüber hinaus die Welt entdecken und erforschen möchte , immer mit dem Blickwinkel bedacht, dass man das Leben mit jedem Schritt erträglicher gestalten kann( das abstrakte Denken, dass nicht nur in der Kunst vorkommt, war der Schlüsse l dafür). Viele vergessen dass der Wohlstand den wir besitzen, auch in heutiger Zeit keine Selbstverständlichkeit ist. Sondern nur einer Minderheit ermöglicht wird. Es ist grausam, aber es erscheint mir zumindest legitim, dass Menschen versuchen ihr Eigentum und ihren EInfluss zu erweitern und zu verteidigen und das jedes mal auf die eigene Gemeinschaft umgemünzt, um zu überleben oder/ und um das Leben erträglicher zu gestalten.

Ich denke persönlich nicht, dass wir uns von der Natur entfernt haben, aber dass der Umgang mit ihr anders ausgeübt wird. Wir leben immer noch in einer Welt mit den gleichen physikalischen Gesetzen, das was sich verändert hat, sind nur die Mittel wie wir leben bzw. überleben. Wir müssen halt nicht mehr in den Wald und Wild erlegen, um unser essen zu bekommen, sondern können bequem in den Supermarkt gehen. Wir sind unabhängiger von der Umwelt, von ökologischen oder ökonomischen Katastrophen. Das alles zu verteufeln halte ich für naiv. Schließlich profitieren wir davon. Mal abgesehen davon besteht der menschliche Verstand aus 7/8 unterbewusstes Handeln und 1/8 bewusstes Handeln, d.H. dass wir in erster Linie immer noch ziemlich Trieb gesteuert sind und mehr reagieren als agieren und dass ist eine recht natürliche Handlungsweise.

Ich möchte aber sicherlich nicht, wie die alten Germanen hausen. Hungersnöte durchmachen, weil man nicht in der Lage war auf längere Zeitperoiden hinaus wirtschaften zu können, sehr von der Umwelt oder "der Natur" abhängig zu sein bzw. dass keine Missernten entstehen oder das mir einfach mal der Nachbar eine übersemmelt, weil mein Grund und Boden fruchtbarer ist u.s.w..

Das Heißt natürlich nicht, dass ich mutwillige Zerstörung ,aus banalen Gründen, der "Natur" gut heiße, aber ich denke schon, dass man hier differenzieren muss und so langsam setzt sich ja auch die Denke um, dass man umweltbewusster agieren sollte, um des eigenen Lebenswillen.

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Armin
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Beitrag von Armin » 09.10.2016, 14:00

[quote='Khorud','index.php?page=Thread&postID=143085#post143085'] Wir müssen halt nicht mehr in den Wald und Wild erlegen, um unser essen zu bekommen, sondern können bequem in den Supermarkt gehen. Wir sind unabhängiger von der Umwelt, von ökologischen oder ökonomischen Katastrophen. Das alles zu verteufeln halte ich für naiv. Schließlich profitieren wir davon.[/quote]Ja aber da genau liegt der Hase doch begraben. "Bequem in den Supermarkt gehen" und dann Gemüse kaufen, das über und über mit Substanzen belastet ist, die nicht nur den menschlichen Körper nachgewiesener weise schaden sondern, zusammen mit der AnbauART ganze Ökosysteme zerstören. Desweiteren wird fast 60 % des produzierten Lebensmittelbestandes gar nicht verbraucht sondern verdirbt und wird dann weggeworfen.
Keiner will sich heute mehr dem Risiko einer Hungersnot einlassen, aber es ist schon noch ein bisschen Zwischenraum zwischen leben wie die alten Germanen und leben wie wir heute und die ökonomische und ökologische Katastrophe, auf die wir zusteuern, wird - im schlimmsten Fall - alles, was bisher dagewesen ist, bei weitem in den Schatten stellen. Ich halte es im Gegenzug sogar für ziemlich naiv zu glauben, daß die ganzen ausgemergelten und pestizidverseuchten Böden etc. weniger verheerende Langzeitfolgen haben werden als von mir aus eine Kartoffelkäferseuche. Daß wir so bequem in den Supermarkt gehen können hat einen unabsehbar hohen Preis. Am Ende, unter dem Gesichtspunkt der Nachhaltigkeit gesehen, profitieren wir gewiss nicht von diesem System und die Rechnung wird für unsere Kinder und Nachfahren erst richtig aufgehen...

Eine von mir sehr heiß geliebte bayrische Kabarettgruppe hat das einmal sehr schön in ein Lied verpackt, vielleicht versteht es ja jemand :)


https://www.youtube.com/watch?v=SNXPB3ziNhQ



:thumbsup:
Zuletzt geändert von Armin am 09.10.2016, 14:09, insgesamt 1-mal geändert.

Khorud
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Beitrag von Khorud » 09.10.2016, 19:24

[quote='Armin','index.php?page=Thread&postID=143086#post143086'][quote='Khorud','index.php?page=Thread&postID=143085#post143085'] Wir müssen halt nicht mehr in den Wald und Wild erlegen, um unser essen zu bekommen, sondern können bequem in den Supermarkt gehen. Wir sind unabhängiger von der Umwelt, von ökologischen oder ökonomischen Katastrophen. Das alles zu verteufeln halte ich für naiv. Schließlich profitieren wir davon.[/quote]Ja aber da genau liegt der Hase doch begraben. "Bequem in den Supermarkt gehen" und dann Gemüse kaufen, das über und über mit Substanzen belastet ist, die nicht nur den menschlichen Körper nachgewiesener weise schaden sondern, zusammen mit der AnbauART ganze Ökosysteme zerstören. Desweiteren wird fast 60 % des produzierten Lebensmittelbestandes gar nicht verbraucht sondern verdirbt und wird dann weggeworfen.
Keiner will sich heute mehr dem Risiko einer Hungersnot einlassen, aber es ist schon noch ein bisschen Zwischenraum zwischen leben wie die alten Germanen und leben wie wir heute und die ökonomische und ökologische Katastrophe, auf die wir zusteuern, wird - im schlimmsten Fall - alles, was bisher dagewesen ist, bei weitem in den Schatten stellen. Ich halte es im Gegenzug sogar für ziemlich naiv zu glauben, daß die ganzen ausgemergelten und pestizidverseuchten Böden etc. weniger verheerende Langzeitfolgen haben werden als von mir aus eine Kartoffelkäferseuche. Daß wir so bequem in den Supermarkt gehen können hat einen unabsehbar hohen Preis. Am Ende, unter dem Gesichtspunkt der Nachhaltigkeit gesehen, profitieren wir gewiss nicht von diesem System und die Rechnung wird für unsere Kinder und Nachfahren erst richtig aufgehen...

Eine von mir sehr heiß geliebte bayrische Kabarettgruppe hat das einmal sehr schön in ein Lied verpackt, vielleicht versteht es ja jemand :)


https://www.youtube.com/watch?v=SNXPB3ziNhQ



:thumbsup:[/quote]

Wenn ich davon rede, dass der Mensch mit den Veränderungen die er mitbringt umgehen muss ( bzw. damit lernen muss umzugehen), dann schließt das ökologische Problematiken mit ein und deren Lösungen. Das Problem sind eben keine Supermärkte, sondern nur die Art wie Nahrungsmittel angebaut und produziert werden und das System was so oft kritisiert wird, ist eben der Garant dafür, dass es auch Entwicklungen gibt, darunter fällt eben auch die Nachhaltigkeit mit dem sich ganze Branchen befassen ;). Das System ist kein starres Konstrukt, sondern ziemlich flexibel und korrigierbar. Wenn man sich überlegt, dass alternative Energien erst seit 40 Jahren die Runde machen in Deutschland, dann ist es schon erstaunlich in wie weit sich nachhaltiges Denken etabliert hat und eben nicht nur in der "Öko Esoterik" Szene die Runde macht^^.

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Angelotheist
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Beitrag von Angelotheist » 09.10.2016, 22:05

Mist, jetzt sind die ganzen Zitate weg!

Na egal...

An Waldtochter: Danke! Missverständnisse kommen vor! Schön ist es immer, wenn man sie ausräumen kann! :thumbup:


An alle anderen: Genau das, was Waldtochter in ihrem Beitrag bezüglich der Abwendung des Menschen von der Natur - wir leben in Betun-/Steinbauten, verpacken alles in Plastik, ... - ist es was ich meine! Und eben die Tatsache, dass wir uns mit Medikamenten vollstopfen um immer länger zu leben, gleichzeitig aber immer weniger Kinder bekommen (in den Industrieländern, und das liegt nicht an den wenigen Homos!), weil unsere Gesellschaft nur noch höher-schneller-weiter und immer mehr Geld und Karriere kennt, aber für die Familie (in der Kinder bekanntlich aufwachsen - ach ja, heute sind ja allein erziehende Eltern usus) reicht es hinten und vorne nicht! => Die Karriere und damit das Geld ist wichtiger, als eine Familie zu gründen. => Es gibt weniger Kinder. => Wir werden durch die moderne Medizin immer älter. => Die Alterspyramide dreht sich langsam um.


http://www.obk.de/imperia/md/images/cms ... ramide.png



Wie man unter obigem Link sehen kann, hat sie das schon fast! Das liegt aber an oben gemannten Faktoren und absolut nicht daran, dass nicht einmal 5% aller Menschen auf das eigene Geschlecht stehen!


Fakt ist, dass der Mensch sich in so ziemlich allen Bereichen von der Natur entfernt hat, und wenn man die Natur mit den Hohen Mächten gleichsetzen kann (was viele tun, ich gehöre dazu), dann haben wir uns auch von ihnen entfernt!


http://www.linke-t-shirts.de/images/cov ... 103644.jpg

https://www.allmystery.de/i/t05ae06_mensch-erde.jpg



Das Bild ist genial: https://2012missionphoenix.files.wordpr ... 2_700b.jpg
Das auch; http://www.thur.de/philo/tanja/urwald_absaege.jpg


Das wird uns in der sogenannten Zivilisation und der industriellen Gesellschaft blühen, wenn wir uns nicht der Natur wieder zuwenden.


Da hilft nur eins: http://vignette2.wikia.nocookie.net/spo ... -prefix=de ;)



[font='Comic Sans MS, sans-serif']Friede und langes Leben![/font]
[font='Comic Sans MS, sans-serif']Unendliche Möglichkeiten in unendlichen Kombinationen[/font][font='Comic Sans MS, sans-serif']
[/font]

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Gelsa
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Beitrag von Gelsa » 10.10.2016, 13:11

[quote='Armin','index.php?page=Thread&postID=143086#post143086']

Eine von mir sehr heiß geliebte bayrische Kabarettgruppe hat das einmal sehr schön in ein Lied verpackt, vielleicht versteht es ja jemand :)


https://www.youtube.com/watch?v=SNXPB3ziNhQ



:thumbsup:[/quote]Stehe voll und ganz hinter Deinem Post! :thumbup:
Zu dem Link: Ich hör sie heut noch gern, sie sind aktueller denn je. Und wer es danach noch net kapiert.....

Gelsa

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