Teil der Natur

Seidr, Runen, Magie ...
Benutzeravatar
Toni
Eldaring-Mitglied
Beiträge: 203
Registriert: 19.08.2014, 10:13
Kontaktdaten:

Beitrag von Toni » 21.11.2016, 23:08

[quote='literatomorph','index.php?page=Thread&postID=143616#post143616']Hallo Toni.
Das Problem ist nur, als Heide ist man schon ein Freak, also auf jeden Fall religiös abseits der Norm in der Gesellschaft. Da hat man es oft schwer sich auszuleben und deshalb sucht man ja einen Verein wie zB den Eldaring um ähnlich denkende zu treffen und die religiösen Themen und Bedürfnisse auszuleben. Steckt man nun aber überwiegend unter Atheisten hat man erneut das Problem.
Gruß
Philipp[/quote]Ach so, und weil ich den Gott als Symbol sehe und nicht als Wesen an sich bin ich nicht mehr ähnlich denkend, mit ähnlichen Themen und Bedürfissen? Find ich schade dass du das so siehst.
[quote='Leif','index.php?page=Thread&postID=143622#post143622']Wenn ich davon ausgehe, dass Blóta allgemein für "durch Opfer verehren" steht und dieses Opfer dazu dient, ein gegenseitiges Austausch- und Treueverhältnis zu pflegen, durch das die Götter ihr Heil geben und die Menschen es durch ihre Gaben vergelten, bzw. das Blót generell als ritueller Rahmen fungiert, eben dieser kultischen Erfahrung würdevollen Raum zu verschaffen, dann muss ich mich doch ernsthaft fragen - ohne jemandem nahe treten zu wollen - warum an einem Blót, das...

a) der Verehrung der Götter
b) der Stärkung der Bindung zu Ihnen
c) ihrer Stärkung überhaupt (und sekundär auch meiner bzw. der Sippe oder Gemeinschaft)
d) einem Austausch zwischen Heil/Segen und Opfergaben

...dient, dann...

1) Atheisten (verkürzt ausgedrückt; jene, die die Existenz von Göttern verneinen)

...und...

2) Agnostiker (verkürzt ausgedrückt; jene, die sich unsicher über die Existenz von Göttern sind)

...teilnehmen? Natürlich liegt der Teilhabe an einem Opferritual das eigene Gottesverständnis zugrunde. Doch wenn dies aufgrund der eigenen Weltanschauung entweder von Unsicherheit oder gar Verneinung geleitet ist, warum sollte diese Person eine am germanischen Polytheismus orientierte Götterverehrung praktizieren? Landet man dann nicht ganz schnell bei einem reduzierten Religionsmodell, das in Göttern lediglich Sinnbildlichkeiten und Symbole sieht? Dann könnten wir auch gleich von "das Gott" sprechen.[/quote]Wie du schon sagst, das eigene Gottesverständnis liegt dem zugrunde. Atheist/Agnostiker bezieht sich gewissermaßen immer noch auf die durch die Offenbarungsreligionen geprägte Definition von Gott. Ich hab ja auch Götter - nur sind das für mich eben bewusst erschaffene Sinnbilder für abstraktere Dinge. Warum das bei die ein "nur" ist, weiß ich nicht. Ich persönlich glaube dass aus genau diesen Gründen Götter entstanden, aber darüber kann man wohl nicht diskutieren. Daher beim Blot:
a) um durch dieses Gottheitsbild das zu verehren, was dahinter steht - z.B. Ehrung von Familie durch ein Opfer an Frigg, die dafür steht. Letztenendes weder von der Intention noch von der Ausführung her so anders als bei "gläubigen Heiden".
b) ebenso eine Stärkung der Bindung zu dem, wofür diese Götter bei mir stehen
c) das Blot stärkt auch weiterhin die Assoziation zwischen dem Gott als Symbol und der Sache wofür es bei mir steht, also irgendwie auch das
d) nun gut, als Austausch möchte ich das gar nicht unbedingt verstehen, da muss ich sonst so an Ziegenmarkt denken... anstelle dessen ist das bei mir eher ein Besinnen auf ursprünglichere, grundlegene Kräfte und Eigenschaften, auf die ich meine persönliche Stärke aufbauen kann, und Dankbarkeit für die Welt um mich herum und was mir gegeben wurde, um sie zu erfoschen. Egal, wie diese nun entstand und egal, ob mir das von "jemandem" gegeben wurde oder ich einfach durch Zufall hier bin.

Ich hoffe mal ernsthaft, dass wir jetzt beim nächsten Ostara etc. nicht in zwei Gruppen aufteilen müssen, weil die Symbol-Faktion nicht ernst genommen wird oder sich die Personifizierte-Götter-Fraktion veralbert vorkommt...[quote='Armin','index.php?page=Thread&postID=143624#post143624']Ich versuche einmal, in meinen müden Gehirnzellen zusammenzufügen, was es an gedanklichen Eindrücken so gibt bei den zurückliegenden Posts und für mich einen Reim draus zu machen. Und dabei stellt sich für mich vor allem eine Frage - wenn die Mythen eher etwas sind, was ein metseliger Skalde sich einmal in einer finsteren isländischen Nacht zusammengeschrammelt hat, bedeutet es doch auch, daß die darin vorkommenden Wesen (Götter, Helden, Wesenheiten) nichts weiter sind, als "Song-Character" wie Little Willy ("The Sweet") oder "Der Anton aus Tirol", oder? Nur eben etwas Zeitversetzt. Ein kleiner Zeitvertreib, nichts weiter.

Und sofort stellen sich mir eine ganze Registersammlung neuer Fragen. Z.B.: wie kommt es, daß seinerzeit ziemlich viele Leute für das, wovon wir ausgehen müßen, daß es untrennbar mit diesem Zeitvertreib zusammenhängt (Mythen, Glaube/Religion/Anhängerschaft-whatever) in den Tod gegangen sind, als das Christentum sich daran gemacht hat, sich zu etablieren? Wie konnte es sein, daß die Zerstörung der Irminsul eine derart traumatische Wirkung auf die betroffenen Leute gemacht hat?

...
[/quote]Zugegeben, das war etwas überspitzt formuliert. Die Mythen und Götter sprechen etwas im Menschen an, man kann eben Assoziationen aufbauen. Die heute noch in Religionen weitergetragenen Mythologien sind eben sehr ausgefeilte und trotz Widersprüche irgendwie stimmige Systeme. Dass schon andere Leute daran glauben, erleichtert den Einstieg und schafft ein Gefühl der Zusammengehörigkeit. Heißt trotzdem nicht automatisch, dass diese Inhalte "wahr" sind, kann auch einfach sein dass es eben geschichten sind, die bestimmte Archetypen aufweisen mit denen wir besonders gut arbeiten können (was nebenbei auch erklärt, warum es zu gewissen Sachen Entsprechungen in verschiedenen Mythologien gibt).

Warum sich dafür Menschen geopfert haben, tja... Vermutlich werd ich jetzt wieder komplett falsch verstanden (bin ich langsam dran gewöhnt), aber: das fragt man sich heute bei Selbstmordattentätern auch. Der Grund liegt vermutlich nicht in der Mythologie allein, sondern in der Verknüpfung mit der Kultur und Tradition bzw. auch den generellen Werten und Weltbild der Person. Andere opfern sich für z.B. politische Vorstellungen.
(vormals Feri, um Verwirrungen bei/nach Things/Blots/Ostaras/usw. zu vermeiden jetzt direkt Toni ^^ )

Benutzeravatar
Armin
Eldaring-Mitglied
Beiträge: 277
Registriert: 30.01.2014, 18:31
Wohnort: Bamberg
Kontaktdaten:

Beitrag von Armin » 21.11.2016, 23:30

@Toni:

Zum einen glaube ich, daß Du literatomorph gerade (ob unterbewußt oder nicht - so genau weiß man das bei den Jung-ianern ja nie ;P) falsch verstehst. Es geht um die Begrifflichkeit Atheismus. Und wenn Du mich fragst, ist das ein universeller Begriff, A-Theist. Christentum, Buchreligion usw. hat damit erst einmal gar nichts zu tun. Ich meine es nicht böse, aber wenn ich so lese, was Du schreibst, kommt es mir so vor als wäre das alles nur ein psychoanalytisches Modell - mit oder ohne C.G. Jung im Hintergrund.

Und was nun die "Selbstmordattentäter" betrifft - daß Du falsch verstanden wirst, liegt vielleicht daran, daß Du gern mal Vergleiche heranziehst, die nicht im geringsten passen. Die Leute damals sind nicht mit einer relativ neuen politischen Ideologie indoktriniert worden, sondern haben IHR ERBE verteidigen wollen. Ihre Freiheit, ihre Kultur, ihre Götter und die Ehre ihrer Ahnen. Kurz, alles, was in ihrem Leben an nichtmateriellem Wert vorhanden war. Ich kann mich täuschen, dabei war ich ja nicht, aber ich glaube, sie haben das alles geliebt. Liebe, Verehrung. Das Christentum hat es, wenn man die Legung der großen Feiertage usw. einmal außenvor lässt, ausradiert, vernichtet. Alles, was sie geliebt haben, wurde vernichtet (bzw. war in Gefahr, vernichtet zu werden). Von den spirituellen Gründen können wir uns ja keine Vorstellungen machen, aber wenn wir nur einmal besehen, wie sensibel heute noch die Isländer reagieren, wenn ein Elfenstein auch nur minimal bewegt werden soll, können wir uns vielleicht vorstellen, wie grausam es gewesen sein muß, wenn ganze heilige Orte niedergebrannt worden sind.

Vielleicht war es ja auch das, Toni. Ganz ohne abstrakte Symbole und Familienaufstellung(kleine Überspitzung). Was meinst Du?

Maxim
Beiträge: 69
Registriert: 06.05.2015, 10:32
Kontaktdaten:

Beitrag von Maxim » 22.11.2016, 01:02

Ich pflichte Haukrinn bei, die Diskussion wird gerade ungemein spannend!

Ich bin weniger geschockt darüber, dass sich hier Menschen zum Atheismus oder Agnostizismus bekennen, als eher darüber, dass sich hier die Wörter "Glauben" und "Gläubige" schon wieder in völlig überflüssiger Weise angehäuft haben... Ich bin ja froh, dass M3ssi und Zwerig mir zuvorgekommen sind, indem sie auf die TRADITION und die KULPRAXIS hingewiesen haben. Ich will nicht behaupten, dass die alten Heiden nicht geglaubt hatten, aber es war doch keiner da, der das hätte kontrollieren können? Von den alten Römern und Griechen sind mir keine Beichtstühle bekannt. Klar gab es so etwas, wie religiöse Kontrolle: Aber ob ein Mensch nun fromm und gottesfürchtig war, konnte nicht daran festgemacht waren, WAS er glaubte (denn woher sollte man das wissen?), sondern ob er sich an die überlieferten Kulte hielt.

Deswegen verstehe ich auch nicht diese Überbewertung der Mythen. Schon die Alten haben diese nicht für bare Münze genommen. Stichwort: Allegorie.

Mich schockt ein Atheist oder Agnostiker weniger, als ein selbsterklärter Asentreuer, der sich dann aber Holunderzweige in die Wohnung hängt. Dieses "Tue, was dein Bauchgefühl gesagt"-Palaver in der heutigen Heidenszene, DAS schockiert mich gewaltig. Wer germanischer Heide sein möchte, der soll sich auch an die germanische Kultpraxis halten, soll beispielsweise den Hut vor dem Holunder zücken oder sich vor ihm verneigen, soll sich während der Rauhnächte an die Gebote und Verbote halten (sofern möglich). Und alle diese Dinge habe ich nicht aus den Eddas, obwohl da sicherlich auch so einiges PRAKTISCHES darin steht.

Ich denke sogar, dass heutige Heiden die großen Götter ein wenig überbewerten. Ich denke, dass den meisten normalen Menschen mehr an ihren Ahnen oder kleinen Naturgottheiten wie Elfen, Zwerge und Nixen aus der direkten Umgebung gelegen war. In der Mythologie, egal ob nordisch oder griechisch, verkehren die "großen" Götter zumeist doch nur mit den Königen. Und von der Erdmutter Nerthus wird auch gesagt, dass nur ihr(e) Priester ihr nahe sein durften und am Leben bleiben durften. Ich denke mal, dass der 08/15-Mensch von damals die Christianisierung solange relativ locker sah, wie eben die "großen" Götter nur gegen den einen Gott ausgetauscht wurden. Doch sobald die Kirche an die Opfer für ihre kleinen Haus- und Hofgötter nagte, oder noch schlimmer, an die Opfer für die Ahnengeister, da war Schluss mit lustig - oder mit der Toleranz.

Als im Osten der Kommunismus eingeführt wurde, trauerten nur die wenigsten dem Christentum nach - was mehr mit den Turbulenzen des Krieges denn mit der Überzeugung des Marxismus zu tun haben könnte, aber das ist egal. Dass man sich nun nicht mehr groß taufen ließ, damit hatte kaum einer ein Problem, aber Weihnachten und Rituale, wie den gestrigen Totensonntag, haben wir uns doch nicht nehmen lassen.
[quote='literatomorph','index.php?page=Thread&postID=143598#post143598']Also ich denke schon das man sogenannte Elementale( nicht zu verwechseln mit Elementaren) erschaffen kann, hier sind wir allerdings tief im Okkultismus. Es gab und gibt solche Dinge. So schaffen zB manche Logen einen Gruppengeist, einen Egreore.
Aber das sind keine Götter![/quote]Wer sagt das denn? Im Kult der Antike unterschied sich das Opfer für die verstorbenen Ahnen nicht grundlegend von dem für die Götter.
[quote='literatomorph','index.php?page=Thread&postID=143609#post143609']
[/quote][quote='literatomorph','index.php?page=Thread&postID=143609#post143609']
[/quote][quote='Waldtochter','index.php?page=Thread&postID=143613#post143613']Aber dass hier gerade aller Schein herunterblättert und offenbar wird, dass das hier eigentlich keine religiöse Gruppierung ist, sondern maximal eine philosophische Schule ... wow. Wirklich. Da weiß ich kaum noch, was ich dazu sagen soll. Ich fühle mich dann eher verarscht, weil Leute, die da eine gewisse Ernsthaftigkeit mitbringen und tatsächlich an die Götter glauben, offenbar von Maskenträgern umgeben sind.[/quote]Ähm... das ist wieder so etwas... dieser Unterschied zwischen Religion und Philosophie... der war im Altertum, im Heidentum nicht per se gegeben. Der Stoizismus ist eine Philosophie, seine Anhänger galten im Allgemeinen aber als sehr fromm. Und vieles Stoische hat sich auch im Kirchlichen niedergeschlagen. Ich würde mich einmal freuen, Heiden zu treffen, die darüber diskutieren, statt über Krafttiere oder Fultrui...
[quote='Waldtochter','index.php?page=Thread&postID=143613#post143613']Glaubst du, dass sich irgendwann mal ein paar bärtige Leute an einem Feuer - ach komm, nee, lassen wir es ein Thing sein - zusammengesetzt haben und meinten: Hey, was haltet ihr davon, wenn wir mal so tun, als schicke den Blitz dort oben ein Gott ... äh ... lasst ihn uns Thor nennen. Und alle voll begeistert, haben es ihren Frauen und Kindern erzählt und so ward das Heidentum geboren.[/quote]Nein, ich glaube - wie jemand hier schon beschrieben - dass die ersten Menschen sich ihre Umwelt, die Natur, durch Opfer und Gebete wohlwollend und geneigt haben machen wollen. Und dass diese Menschen wirklich davon überzeugt waren, meinetwegen daran glaubten, dass diese Rituale ihnen die Huld der Götter, der holden Mächte, gewährleisteten. Und um dies zu garantieren, mussten ein- und dieselben Rituale immer wiederholt werden, von Generation auf Generation. Die haben Wirkung, auch wenn man vielleicht nicht mehr daran glaubt. Ich stelle auch noch einen Weihnachtsbaum auf und fand es super, als meine Großmutter mir erzählte, dass ihr Vater genau so eine Dokterarbeit daraus gemacht hat wie ich: Der Brauch des Weihnachtsbaums verbindet bei uns also vier Generationen und wahrscheinlich noch mehr. Und das liebe ich, egal ob ich nun an Jesus oder den Juleber glaube! Ich liebe meine Familie und die Pflege alter Bräuche hält auch sie noch ein wenig am Leben. Dadurch fühlt man sich mit etwas Größerem verbunden, dadurch ist man nicht so allein. Ich finde eine solche Religion, die sich eher als Tradition versteht, jeder Religion, die sich als Glauben versteht, zu jeder Zeit vorzuziehen! Deshalb bin ich Heide!

Denn was mich interessieren würde: Woran meinen Heiden von Heute denn zu glauben? Bei den Christen weiß ich es, bei den Moslems auch. Bei den Juden weiss ich es nicht, die haben fast eine ähnliche Religion wie die Heiden: Die Pflege der von den Vätern (und Müttern) ererbten Bräuche zur Wahrung des Wohlwollens einer Gottheit und zur Ehrung eben jener Väter (und Mütter). Das ist meine Definition von Religion.
[quote='Waldtochter','index.php?page=Thread&postID=143613#post143613']Ich werde gerade übrigens wirklich wütend. Weil das hier eine schlimmere Grundsatzdiskussion zu werden scheint als ich sie mit Christen oder Atheisten führe.[/quote]Ja, und das finde ich wiederum echt seltsam. Das wirkt auf mich wie ein Christ oder Moslem, jeweils Angehöriger einer Religion, die ganz anders ist als die heidnische.
[quote='Waldtochter','index.php?page=Thread&postID=143613#post143613']Aber wie kommt jemand auf die Idee, sich in einen religiösen Kreis einzutragen, wenn er nicht glaubt? Wir sprechen über Religion! Nicht über Philosophie.[/quote]Im Heidentum schlossen Religion und Philosophie einander nicht aus, sie ergänzten sich: Religion war für die rituellen Bedürfnisse des Menschen zuständig, sie begleitete ihn oder sie bei wichtigen Ereignissen im Monat (Mondphasen), Jahr (Sonnenwenden, Jahreszeiten, Landwirtschaft) oder Leben (Geburt, Hochzeit, Tod). Philosophie gab ihm oder ihr Antworten auf die Fragen bezüglich der Ethik und der Weltanschauung. Als Heide kann ich meinen von den Vätern ererbten Göttern opfern und zugleich auch Pythagoräer, Neuplatoniker oder Stoiker sein. Das eine schliesst das andere nicht aus, im Gegenteil sogar!!!
[quote='Waldtochter','index.php?page=Thread&postID=143613#post143613']Das ist reine Philosophie. Das hat mir Religion überhaupt nichts mehr zu tun.[/quote]Siehe oben... Dieser Satz hat mit Heidentum sehr wenig zu tun, ich bitte um Entschuldigung.
[quote='Waldtochter','index.php?page=Thread&postID=143613#post143613']Zwischen dem Glauben an einer Sachen und dem Denken über eine Sache liegen Welten.[/quote]Ja, weil ich brauche nicht an die Götter "zu glauben", da sie so oder so existieren. Ob Donar nun die Personifizierung des Donners ist, ob er der germanische Name des griechischen Helden Herakles ist oder ob er genauso ist, wie er in den Mythen beschrieben wird, ändert nichts daran, dass ich mir traditionsgemäß Eicheln auf die Fensterbank lege und Donnerkeile unter das Dach hänge, die vor Blitzeinschlägen schützen sollen. Denn indem ich das mache, setzte ich eine alte Tradition fort.
[quote='Waldtochter','index.php?page=Thread&postID=143613#post143613']Mythen sind in keiner Religion Geschichtchen, die man sich irgendwo ausgedacht hat.[/quote]Die Heiden selbst glaubten nicht wortwörtlich an ihre Mythen, sondern betrachteten diese als allegorische Darstellungen der Wirklichkeit.
[quote='literatomorph','index.php?page=Thread&postID=143614#post143614']Die große Frage ist: Geht beides? Können eher atheistisch/ wissenschaftlich interessierte Menschen zusammen mit religiösen Heiden in diesem Verein ihren Platz finden? Bisher würde ich ganz klar diese Frage mit "Ja" beantworten. Allerdings hört man von Unzufriedenheiten hier und da immer öfter. Vielleicht steht auch eine Spaltung bevor? Die Zeit wird es zeigen...[/quote]Diese Unzufriedenheiten rühren von Unwissenheit her. Das ist nämlich der große Unterschied: Heidentum ist eine Religion für Menschen, die der Vernunft zugänglich sind. Wer denken kann, braucht nicht zu glauben. Und die es nicht können, sind des Erbes ihrer heidnischen Ahnen nicht würdig und sollen sich in die Kirchen und Moscheen retten. Da können sie glauben, als ob ihr Leben davon abhängt. [quote='literatomorph','index.php?page=Thread&postID=143616#post143616']Da hat man es oft schwer sich auszuleben und deshalb sucht man ja einen Verein wie zB den Eldaring um ähnlich denkende zu treffen und die religiösen Themen und Bedürfnisse auszuleben.[/quote]Den alten Heiden waren in erster Linie ihre Familien, ihre Viertel und ihre Städte "Kultgemeinschaft", mit denen sie gemeinsam ererbte Rituale und Bräuche zelebrierten.

Eines einigt alle Eldaring-Mitglieder ja wohl: Die VEREHRUNG der germanische Götter, in welcher Form auch immer. Wie gesagt: Wen interessiert es, wenn einer aus dem Eldaring nicht wortwörtlich an die Mythen glaubt? Schockierend fände ich es nur, wenn diese Person beim Sumbel nicht mitmachen würde oder welche Rituale es auch gibt, bei denen alle involviert sind.
[quote='literatomorph','index.php?page=Thread&postID=143616#post143616']Steckt man nun aber überwiegend unter Atheisten hat man erneut das Problem.[/quote]Und wieso? Das musst du mir erläutern?
[quote='m3SSi','index.php?page=Thread&postID=143617#post143617']Das Schöne am historischem und auch am heutigen Heidentum ist eigentlich, dass es vollkommen egal ist, was der Einzelne "glaubt". Im Blot, im Ritus liegt der Fokus. Die Wirksamkeit ist vollkommen unabhängig von der persönlichen Einstellung. Genau aus dem Grund können Atheisten/Agnostiker und die verschiedensten Auslegungen der Götter im Ritual koexistieren.[/quote]Danke für diesen Post. Zumindest haben es einige begriffen!
[quote='Zwerig','index.php?page=Thread&postID=143621#post143621']Bei den Römern z.B. durfte jedoch jeder glauben, was er wollte, solange er den Staatskult nicht störte...[/quote]Genauso ist bzw. war es!
[quote='Leif','index.php?page=Thread&postID=143622#post143622']warum an einem Blót, das...

a) der Verehrung der Götter
b) der Stärkung der Bindung zu Ihnen
c) ihrer Stärkung überhaupt (und sekundär auch meiner bzw. der Sippe oder Gemeinschaft)
d) einem Austausch zwischen Heil/Segen und Opfergaben

...dient, dann...

1) Atheisten (verkürzt ausgedrückt; jene, die die Existenz von Göttern verneinen)

...und...

2) Agnostiker (verkürzt ausgedrückt; jene, die sich unsicher über die Existenz von Göttern sind)

...teilnehmen? Natürlich liegt der Teilhabe an einem Opferritual das eigene Gottesverständnis zugrunde. Doch wenn dies aufgrund der eigenen Weltanschauung entweder von Unsicherheit oder gar Verneinung geleitet ist, warum sollte diese Person eine am germanischen Polytheismus orientierte Götterverehrung praktizieren? Landet man dann nicht ganz schnell bei einem reduzierten Religionsmodell, das in Göttern lediglich Sinnbildlichkeiten und Symbole sieht? Dann könnten wir auch gleich von "das Gott" sprechen.[/quote]Und genau da liegt das Problem: Die innerliche Überbewertung der Götter. Hat irgendwann irgendwo irgendein heidnischer Gott verlangt, man solle ihm oder sie über die eigene Mutter oder den eigenen Vater stellen, wie dass der Gott Abrahams tut? Meiner Meinung nach nicht. Natürlich muss man die Götter ehren, weil sie einen schaden können oder könnten, aber zunächst sollte man die Ahnen ehren. Und man kann an einem Blot auch teilnehmen, um damit in erster Hinsicht seine Ahnen und deren Kultur, inklusive Götter, zu ehren. Ich höre schon das Gekonter: "Das hat dann aber nichts mit Glauben sondern mit Brauchtumspflege zu tun...". Und dann sage ich: "Ja, denn die heidnische Religion hatte auch sehr viel mit Brauchtumsplfege zu tun und eben nicht nur mit blindem Glauben."
[quote='Armin','index.php?page=Thread&postID=143624#post143624']Ich versuche einmal, in meinen müden Gehirnzellen zusammenzufügen, was es an gedanklichen Eindrücken so gibt bei den zurückliegenden Posts und für mich einen Reim draus zu machen. Und dabei stellt sich für mich vor allem eine Frage - wenn die Mythen eher etwas sind, was ein metseliger Skalde sich einmal in einer finsteren isländischen Nacht zusammengeschrammelt hat, bedeutet es doch auch, daß die darin vorkommenden Wesen (Götter, Helden, Wesenheiten) nichts weiter sind, als "Song-Character" wie Little Willy ("The Sweet") oder "Der Anton aus Tirol", oder? Nur eben etwas Zeitversetzt. Ein kleiner Zeitvertreib, nichts weiter.[/quote]Du begehst hier aber den Fehler, davon auszugehen, dass die Mythen die Grundlage der heidnischen Kulte sind. Das sind sie nicht. Ich glaube eher, dass archaische Personifizierungen, ein "Seelenglaube", die Grundlage aller heidnischen Religionen ist. Man dachte eben, man könne mit der Natur genauso kommunizieren, wie mit einem Mitmenschen oder mit einem Tier. Und wie wir heute noch wissen: Kleine Geschenke erhalten die Freundschaft. Do ut des. Das ist meiner Meinung nach das heidnische Credo. Daran glaubte man. Und dabei ist es völlig egal, ob nun Zeus oder Hermes der Götterkönig ist. Bei den Griechen und Römern war es ersterer, bei den Kelten und Germanen eben letzterer. Jeder verehrte die Götter ohnehin nach der eigenen Tradition, wobei der Angehörige des Germanenstammes A es gewiss anders machte, als der des Germanenstammes B. War doch auch kein Problem, man wusste voneinander, dass man "nach alter Vatersitte" die Götter verehrte.
[quote='Armin','index.php?page=Thread&postID=143624#post143624']Und ich frage mich auch, wie es wohl ankommt, wenn ich jemanden unseren Flyer gebe[/quote]Auf mich als Vollblutheiden kommt es sowieso doof an, wenn ein heidnischer Verein Flyer verteilt... die armen Bäume!
[quote='Waldtochter','index.php?page=Thread&postID=143625#post143625']Leif hat eh schon schön auf die Bedeutung des Blótens hingedeutet. Persönlich finde ich es zudem etwas leichtsinnig, jemandem zu opfern, an den man nicht glaubt oder dessen Dasein man bezweifelt. Vor allem, da durchaus überliefert ist, dass mit Opfern nicht leichtfertig umgegangen werden soll. Ist dieser Leichtsinn nun das, was wir "heidnische Kultur" nennen wollen?[/quote]Ich finde es viel leichtsinniger, wenn einfach mal so irgendetwas geopfert wird, weil einem "das Gefühl" sagt, dass es gut ist und weil angeblich die Götter an jedem Opfer Wohlgefallen finden...

Ich finde, wer sich germanischer oder deutscher Heide nennt, sollte sich auch an die germanische oder deutsche Tradition halten. Und dasselbe gilt auch für die Heiden, die sich römische oder griechische Heiden nennen. Und die, die verschiedene heidnische Traditionen vereinen, sollen das dann auch machen, sich aber keine Rituale basteln.

Oben wurde die Abscheu darüber geäußert, die überlieferten Götter mit Phantasy-Göttern zu verlgeichen. Nun, diese Abscheu kann ich verstehen. Genaus abscheulich finde ich es aber auch, sich neue Rituale zu basteln, und die dann germanisch, keltisch oder whatever zu nennen oder zu Ehren der überlieferten Götter abzuhalten. Obwohl... über letzteres kann man streiten: ich würde es nicht machen, finde es aber grundsätzlich nicht verkehrt. Ich selbst bevorzuge wie gesagt meine Ahnen und Götter wie Sonne und Mond und Holunderstrauch.
Zuletzt geändert von Maxim am 22.11.2016, 01:13, insgesamt 1-mal geändert.

Benutzeravatar
literatomorph
Beiträge: 1150
Registriert: 31.05.2007, 00:00
Kontaktdaten:

Beitrag von literatomorph » 22.11.2016, 07:09

Moin.
Also das ist so eine Sache, eine Sache die gerne so gesehen wird.
Ich erinnere mich da an andere Zeugnisse der Heidnuschen Kultur. zB. dieser heilige Hain, der nur kriechend und gefesselt aufgesucht werden durfte oder den Nerthusumzug. Sie durfte nichteinmal betrachtet werden und die Sklaven die sie wuschen wurden ertränkt. Die reichen Opfergaben der Rus an ihre Pfahlidole, vor denen sie sich flehend niederwarfen...
Ich weiß das ist unpopulär was ich hier sage, denn heutzutage steht man lieber selbstbewußt und machomäßig vor seinen Göttern und sagt: Ich würde mich nie verneigen, bin doch kein Christ.
Aber man muß sich fragen: Was ist eine Glaubensgemeinschaft ohne( oder mit nur wenigen) Gläubigen?
Gruß
Philipp
Zuletzt geändert von literatomorph am 22.11.2016, 07:43, insgesamt 2-mal geändert.
Invere Ing

Benutzeravatar
Schwanenfuß
Eldaring-Mitglied
Beiträge: 69
Registriert: 29.05.2015, 08:18
Kontaktdaten:

Beitrag von Schwanenfuß » 22.11.2016, 08:11

@Waldtochter:
Ich glaube, du verstehst da etwas ein bisschen falsch. Nur, weil man als Heide die Eddas nicht wörtlich nimmt oder die Götter nicht als "existente Personen" sieht, sondern als Aspekte oder Kräfte, heißt das noch lange nicht, dass man keiner heidnischen Religion nachgeht. Gerade wenn man Naturkräfte, Phänomene, z. B. die Sonne, Mond und Sturm, oder einfach die Kraft, die die Jahreszeiten einleitet oder die Pflanzen zum Wachsen bringt, verehrt, dann ist das doch pure Religion. Aber dafür muss ich nicht sagen, ich glaube an Odin den einäugigen oder an Thor, der den Donner bringt in seiner Person. Und zum Thema Opfer: warum opfere ich, wenn ich nicht an den Gott als Person glaube? Nun ich opfere schlicht und einfach deshalb, um meine Dankbarkeit der Natur gegenüber zum Ausdruck zu bringen. Wenn ich auf Tour bin und es regnet ununterbrochen, alles ist nass und plötzlich bricht der Himmel auf und die Sonne trocknet meine Sachen und wärmt mich auf, na dann bin ich doch extrem dankbar dafür und das möchte ich auch zum Ausdruck bringen. Ich huldige der Sonne. Ganz einfach. Ist das nicht heidnisch? Ist das unreligiös? Dafür benötige ich aber keine Edda. Und ich denke, aus genau diesem Verständnis ist eben auch das Heidentum entstanden. Die Geschichten in den Eddas sehe ich somit als Geschichten, um das Wesen der Götter (Naturkräfte) den Menschen bildlich vor Augen zu führen. In den Naturkräften steckt somit etwas "göttliches", weil es ist einfach da, ohne unser zutun werden die Jahreszeiten eingeleitet. Das war schon immer so und wird immer so bleiben. Und man kann es auch als Gott bezeichnen, ohne dahinter eine Person zu sehen. Für mich macht mein gelebtes Heidentum aus, mich mit meiner Natur und Umwelt spirituell verbunden zu fühlen. Und das sind echte Gefühle. Beim Opfer bekräftigte ich diese spirituelle Verbundenheit und fokussiere mich darauf und bringe den spirituellen Verbund in einen materiellen ( z.b. bei Metopfer). Das kann man aber auch beim Spaziergang. Und wenn dich dann mal der Sturm im Wald überrascht, spürst du ebenso die Existenz der Götter ganz direkt.

Maxim hat den Aspekt der Tradition und Leben des Kultes sehr gut beschrieben. Danke dafür. Ich denke auch, darauf kommt es hauptsächlich an.

Maxim
Beiträge: 69
Registriert: 06.05.2015, 10:32
Kontaktdaten:

Beitrag von Maxim » 22.11.2016, 08:15

[quote='literatomorph','index.php?page=Thread&postID=143632#post143632']Aber man muß sich fragen: Was ist eine Glaubensgemeinschaft ohne( oder mit nur wenigen) Gläubigen?[/quote]Ich frage mich jetzt eigentlich eher, warum man so hartnäckig an dieser fixen Idee "Religion = Glaube" festhält? Die einzigen heidnischen "Glaubens"-Gemeinschaften, die es gab und die vergleichbar waren, mit den zwei großen Religionen heute bzw. hier im Westen, Islam und Christentum, waren die verschiedenen Mysterienkulte. Das waren Götter, zu denen man sich erst einmal "bewusst" bekennen musste. Das waren Götter, von denen man sagen konnte: Ich glaube an Isis, ich glaube an das, was sie mir durch meine Einweihung verheißt (und zwar ein glückliches Leben im Diesseits wie im Jenseits). Das glückliche Leben im Diesseits kann geprüft werden, dass im Jenseits nicht. Die "alten" Götter wie die Olympier und eben die Asen verhießen doch überhaupt kein "glückliches Leben" nach dem Tode wie Isis, Mithras, Jesus und Co. Das Elysion und die Walhalla waren teilweise der Elite vorbehalten, die Mehrheit führte ein Schattendasein nach dem Tode. Man betete die alten Götter wie die Olympier und Asen an, weil man sich zunächst von ihnen gute Ernten, sichere Reisen und erfolgreiche Kriege erhoffte = das sind alles Dinge, die geprüft werden können. Das Leben nach dem Tod kann man nicht prüfen, daran muss man einfach glauben, und ergo an die Gottheit, die dieses verheißt. Nach einer Missernte hat man nicht plötzlich aufgehört, den Götter zu opfern, weil man nicht mehr an sie glaubte, dasie ja keine erträgliche Ernte gebracht haben. Man hat den Fehler bei sich gesucht und eben gemeint, dass man die Opfer nicht richtig ausgeführt hat. Aber man fiel nicht vom Glauben ab.


Sonst gab es keine "Glaubensgemeinschaften". Jeder freie Bürger einer Stadt war automatisch Teil der Kultgemeinschaft, die seine Stadt bildete (mit als Kultgegenstand die Stadtgottheit(en)). Jeder Mensch war Teil der Kultgemeinschaft, die sein Stamm oder sein Geschlecht oder seine Familie/sein Hauhalt bildete (mit als Kultgegenstand die Stammes-/Familien- oder Hausgötter und die gemeinsamen Ahnen). Man wurde in eine Religion/Tradition hineingeboren.

Wodan und Donar waren nun einmal nicht Gegenstand eines Mysterienkults, in dem man eingeweiht werden musste.

Das Wort "Glaubensgemeinschaft" finde ich einfach total fehl am Platze. "Kultgemeinschaft" trifft es eher, aber nicht "Glaubensgemeinschaft".

@Schwanenfuß: Sehr schön beschrieben, danke dafür!
Zuletzt geändert von Maxim am 22.11.2016, 08:34, insgesamt 5-mal geändert.

Benutzeravatar
literatomorph
Beiträge: 1150
Registriert: 31.05.2007, 00:00
Kontaktdaten:

Beitrag von literatomorph » 22.11.2016, 08:41

Hallo Maxim,
Du siehst die Sache aber auch gewohnt stark durch deine "griechische Brille".
Ich weiß das du Schwierigkeiten mit den nordischen Göttern hast. Ist ja auch ok, aber du willst gerade zementieren was nicht zwingend so war wie du es gern hättest.
Schwanenfuß hingegen fröhnt hier eher animistischen oder pantheistischen Glaubensvorstellungen. Auch legim, aber auch nicht zwingend die Wahrheit.
Ich merke eben im Verein generell die Tendenz Wissenschaftlern unbedingt gefallen zu wollen, ihre Anerkennung zu bekommen. Ich weiß nicht ob das auf Dauer am Thema vorbei geht. Menschen die dringend Spiritualität und auch persönliche religiöse Erfahrungen mit den Göttern suchen haben es nicht leicht diese zu finden.
Ich sage nicht das es der einzige Weg sin muß, aber es sollte schon die Plattform genau dafür vorhanden sein .
Warum nicht sonst ein historischer Interessenverein, wie die Museumsdörfer es machen?

Gruß
Philipp
Invere Ing

Maxim
Beiträge: 69
Registriert: 06.05.2015, 10:32
Kontaktdaten:

Beitrag von Maxim » 22.11.2016, 08:48

[quote='literatomorph','index.php?page=Thread&postID=143632#post143632']Also das ist so eine Sache, eine Sache die gerne so gesehen wird.
Ich erinnere mich da an andere Zeugnisse der Heidnuschen Kultur. zB. dieser heilige Hain, der nur kriechend und gefesselt aufgesucht werden durfte oder den Nerthusumzug. Sie durfte nichteinmal betrachtet werden und die Sklaven die sie wuschen wurden ertränkt. Die reichen Opfergaben der Rus an ihre Pfahlidole, vor denen sie sich flehend niederwarfen...
Ich weiß das ist unpopulär was ich hier sage, denn heutzutage steht man lieber selbstbewußt und machomäßig vor seinen Göttern und sagt: Ich würde mich nie verneigen, bin doch kein Christ.[/quote]Ich war mir nicht sicher, ob dies nun Bezug auf meinen Beitrag hatte, oder nicht, denn ich sehe den Zusammenhang nicht. Kann ein "Cultor" oder Verehrer oder Anbeter seine Verehrung oder Anbetung nicht genauso ehrlich und hingebungsvoll darbringen wie ein Gläubiger seinen Glauben?

Ich finde übrigens "Ich knie nicht wie ein Christ, sondern stehe mit meinen Göttern auf Augenhöhe" nicht nur anachronistisch, sondern teilweise auch überheblich. Du hast schon richtig daran getan, hier den Semnonenhain, den Nerthusumzug und die Rus-Pfahlidole zu erwähnen. Denn die Völker aus Zentral- und Nordeuropa waren einem viel raueren Klima, einer viel erbarmungsloseren Natur ausgesetzt, als die Menschen im Mittelmeerraum. Ich denke daher, dass deren religiöse Gebote - ui, auch so ein unpopuläres Wort unter Heiden von Heute - oder wer's lieb mag, "Tabus", sehr viel härter waren und unbedingt beachtet werden mussten.

Nur weil ich den Vergleich und die Gleichsetzung mit Glaubensreligionen ablehne, behaupte ich sicherlich nicht, dass die Heiden ihre Religion nicht ernst nahmen! Aber dieses Ideal, fest im Glauben zu stehen, ist ein christliches und islamitisches Ideal. Den Heiden war fromm, wer sich an die überlieferten Riten hielt. Es war keine Glaubensreligion, es genügt nicht, zu sagen: "Ich glaube an Wodan und an Donar und an Saxnot und an alle Holden, die ihre Genossen sind". Im Christentum und Islam reicht das Glaubensbekenntnis. Im Heidentum kommt es aber auf die Praxis an. Es geht darum, die wiederaufgenommene kultische Tradition wieder zu pflegen. Denn wenn wir es nur auf Glauben ankommen lassen und die Kultpraxis als genauso zweitrangig wie die Christen betrachten (über die Muslime kann ich mich an dieser Stelle nicht äußern), dann würden wir ja im jeden Dialog mit den Christen und Moslems uns und unsere Ahnen und Götter beschämen.

Benutzeravatar
Zwerig
Eldaring-Mitglied
Beiträge: 515
Registriert: 03.01.2003, 00:00
Wohnort: südliches Bergisches Land
Kontaktdaten:

Beitrag von Zwerig » 22.11.2016, 08:53

Waldtochter schrieb: „Schön und gut, aber von der heidnischen Kultur ist 1. nichts mehr übrig (Moderne) und 2. vieles nicht überliefert (siehe Thema des Threads - Umgang mit der Natur). Da frage ich mich schon, welche Gemeinsamkeit Heiden im Eldaring oder auch außerhalb überhaupt haben sollen, wenn nicht die Götter.
Die Kultur der Heiden ist übrigens mit ihren Göttern untergegangen. Und ich finde es schwieriger (nahezu unmöglich) heutzutage in heidnischer Kultur zu leben, weil dafür die Umstände einfach nicht mehr gegeben sind.“
Gänzlich verloren ist das Wissen um die Gebräuche von vor der Einführung der Neuen Sitte ja nun aber auch nicht; zudem gibt es da und dort auch noch heidnische Kulturen, denen die Neuen Sitten allerdings auch wieder auf die Pelle rücken und ihnen Schwierigkeiten machen.
Wenn nun weiter die Kultur mit ihren Göttern untergegangen ist, wozu holt man dann die Götter wieder hervor, lässt die Kultur aber bei Tante Hel? weil es sich der neuen Sitte angepasst besser lebt heutzutage? Aber wird man denn damit den Göttern noch gerecht, wenn man von ihnen verlangt altmodisch gewandet in der modernen Welt vom Wesen her der Neuen Sitte angepasst zu werden, wie z.B. Loki als Teufel...
egdZ

Maxim
Beiträge: 69
Registriert: 06.05.2015, 10:32
Kontaktdaten:

Beitrag von Maxim » 22.11.2016, 08:57

[quote='literatomorph','index.php?page=Thread&postID=143636#post143636']Warum nicht sonst ein historischer Interessenverein, wie die Museumsdörfer es machen?[/quote]Bei denen sehe ich indertat mehr heidnische Verehrung als in so manchen Flyerausteilenden "Heiden"-Verein.
[quote='literatomorph','index.php?page=Thread&postID=143636#post143636']Hallo Maxim,
Du siehst die Sache aber auch gewohnt stark durch deine "griechische Brille".
Ich weiß das du Schwierigkeiten mit den nordischen Göttern hast. Ist ja auch ok, aber du willst gerade zementieren was nicht zwingend so war wie du es gern hättest.
Schwanenfuß hingegen fröhnt hier eher animistischen oder pantheistischen Glaubensvorstellungen. Auch legim, aber auch nicht zwingend die Wahrheit.
Ich merke eben im Verein generell die Tendenz Wissenschaftlern unbedingt gefallen zu wollen, ihre Anerkennung zu bekommen. Ich weiß nicht ob das auf Dauer am Thema vorbei geht. Menschen die dringend Spiritualität und auch persönliche religiöse Erfahrungen mit den Göttern suchen haben es nicht leicht diese zu finden.
Ich sage nicht das es der einzige Weg sin muß, aber es sollte schon die Plattform genau dafür vorhanden sein .
Warum nicht sonst ein historischer Interessenverein, wie die Museumsdörfer es machen?

Gruß
Philipp[/quote]Nun, dann beantworte mir doch bitte die Frage, die ich in meinem ellenlangen Post von heute Nacht gestellt habe: An was glaubt ihr gläubigen Heiden denn?


(Ich finde es übrigens immer sehr lustig, wenn "Heiden"/Asatruar die Nähe zu Galiläern und Mohammedanern betonen, dann aber eine Grenze zwischen Nordleuten und Römern/Griechen ziehen oder sogar einen Unterschied zwischen Heidentum und Animismus und Pantheismus erstellen... Habe ja schon gelesen, dass für manche nur die Religion der Nordleute "Heidentum" wäre. Mir geht es nicht um die Etikette "Heide". Mir geht es darum, die alten Bräuche zu pflegen, ganz einfach weil ich sie lieb gewonnen habe. Ich fühle mich da weder meinen Vorfahren noch der Natur/den Göttern gegenüber verpflichtet, ich mache es schlicht und einfach, weil es mein Leben bereichert, weil ich so eben einen Kontakt zu den (direkten) Vorfahren (und vielleicht Göttern, wer weiß?) herstellen kann und weil es für mich auch Teil meiner Identität und Kultur ist: Ich bin als Kind dieser und jener Personen geboren und deshalb ehre und liebe ich (manche) dieser und jener Personen. Ich bin als Deutschsprachiger in Berlin geboren und deshalb pflege ich bestimmte Bräuche wie Weihnachten, Neujahr, Fasching, Ostern, Totensonntag usw. Zudem interessiere ich mich dafür und daher pflege ich auch so Bräuche wie eben den Hut vor dem Holunder zücken, Schweinebraten (oder wie Schweinchen geformtes Marzipan) zu Weihnachten, Brennnesseltee zu Neujahr, keine Wäsche während der Rauhnächte raushängen, nicht baden am Johannestag, morgens nach Möglichkeiten nicht zu singen, Spinnen im Haus kein Leid zufügen (sollte man sowieso nicht machen), Eicheln auf die Fensterbank legen, Hühnergötter aufhängen und ein paar wenige Dinge mehr.)
Zuletzt geändert von Maxim am 22.11.2016, 09:08, insgesamt 1-mal geändert.

Benutzeravatar
Schwanenfuß
Eldaring-Mitglied
Beiträge: 69
Registriert: 29.05.2015, 08:18
Kontaktdaten:

Beitrag von Schwanenfuß » 22.11.2016, 09:06

Hallo Phillip,

Ich habe nicht den Eindruck, dass hier jemand von der "Wahrheit" überzeugen möchte, sondern nur seine Sicht der Dinge darstellt. Mir persönlich ging es darum, auf Waldtochters doch sehr radikale Meinung einzugehen, wenn jemand nicht an Götter als Person glaubt, der sei unreligiös und falsch im Heidentum oder umgekehrt, sie sei hier im Eldaring falsch. Das sehe ich einfach nicht so. Wir haben alle, die hier diskutieren einen gemeinsamen Nenner. Außerdem wurde mir der Eldaring eben auch als solch ein Konstrukt dargestellt, als ich erstmals den Stammtisch besuchte. Eben als Austauschplattform mit vielen unterschiedlichen Glaubens- oder Kultvorstellungen, worin man durchaus Gleichgesinnte treffen kann, aber niemand einen Wahrheitsanspruch für sich einnimmt. Darauf aufbauend kann man sich ja durchaus in einer kleinen Gruppe was zusammen basteln, worauf diejenigen so stehen. Aber bitte keine Kirche schaffen, in der jedes Mitglied einer vorgelegten Richtung folgen muss.

Benutzeravatar
Schwanenfuß
Eldaring-Mitglied
Beiträge: 69
Registriert: 29.05.2015, 08:18
Kontaktdaten:

Beitrag von Schwanenfuß » 22.11.2016, 09:11

Was vergessen:
Außerdem finde ich schon, dass der Eldaring Menschen, die Spiritualität suchen und mit ihren Göttern in Kontakt treten wollen, gut weiterhelfen kann. Die sind hier nicht verloren.

Maxim
Beiträge: 69
Registriert: 06.05.2015, 10:32
Kontaktdaten:

Beitrag von Maxim » 22.11.2016, 09:24

Wir brauchen doch nicht alle an das gleiche oder gar dasselbe zu glauben, um gemeinsam die alten Götter zu verehren?

Ich finde, solange man die Regeln der Opferzeremonie nicht entehrt, kann man doch glauben, was man möchte: Denn keiner der hier bekennenden atheistischen oder agnostischen Heiden wird behaupten, dass er die Götter sch**** findet.

Das ist doch gerade der Vorteil, den wir gegenüber den beiden Glaubensreligionen haben. Man kann die alten Götter nach vorväterlicher Sitte (wenn vorhanden) oder nach rekonstruierter Sitte oder nach eigens begründeter Sitte meinetwegen verehren, auch ohne jedes Wort aus der Edda für bare Münze zu nehmen.

Wie Schwanenfuß schon schreibt: Dieser Wahrheitsanspruch wird doch überhaupt nicht erhoben... Das Christentum und der Islam sind vielleicht Weltreligionen, das heisst aber nicht, dass alle Religionen so zu sein zu haben.

Aber wie gesagt, ich bin gespannt auf die Beantwortung meiner Frage.

Benutzeravatar
TaJu7
Beiträge: 59
Registriert: 03.10.2014, 09:55
Kontaktdaten:

Sinnsucher

Beitrag von TaJu7 » 22.11.2016, 09:28

also es ist echt schwer manchmal seine Gefühle und Gedanken in worte zu fassen...

als Kind dachte ich es gäbe einen Gott (ich wurde katholisch erzogen) :S
als jugendlicher dachte ich die kirche ist doch ein komischer verein und ich habe mich mit den verschiedensten Büchern allen voran der Bibel versucht meinen Wissensdurst zu löschen :whistling: ...ich habe auch nie gescheut diskusionen mit Gläubigen verschiedenster Glaubensrichtungen oder mit Pfaffen egal welcher Konfession zu führen...
mit ca.21 wurde ich vom Christentum weggelockt durch buddistische lehren und fing an den "Eingottglauben" zu hinterfragen, da ich in meiner Jugend aber in einer sehr teilweise strikten glaubensgemeinschaft war, hatte ich für 2 Jahre einen "Rückfall" :cursing: und besuchte diese Gemeinschaft wieder, da ich dachte dort wäre mein platz...
Nur eckte ich stark durch meine Denkweise in dieser Gemeinschaft an, so dass ich mich erneut lösen konnte...
aufgrund meines Interesses an meinem Dialekt kam ich den Göttern und den ahnen näher, alles ohne leute die mich auf diesem teilweise schweren weg begleiteten...
ich habe einen sehr guten freund der sich der ganzen welt, den Göttern, dem Universum verbunden fühlt, meditiert und seinen ganz eigenen weg ohne Glaubensgemeinschaft geht... er sagt immer er will alle mitnehmen...der war mein einziger halt wenn es um "Glaubensfragen" ging...

aufgrund des missbrauchs alles germanischen durch die NSDAP habe ich mich nie mit meinen Göttern auseinandersetzen wollen, bis ich gemerkt habe, dass es auch leute gibt, die keine nazis sind und sich mit der alten sitte beschäftigen...
seitdem fühle ich mich zu tiefst mit Göttern und ahnen verbunden und ich fühle mich endlich angekommen...
haimo meinte mal nach einem blot zu mir um gemeinsam zu opfern braucht es keinen verein...und da hat er auch recht! aber es ist schön ähnlich denkende / glaubende menschen kennenzulernen, deswegen gibt es so viele verschiedene Glaubensrichtungen-und Gemeinschaften...
aber um einen rap Musiker aus new York zu zitieren: "for years Religion did nothing but devide" Killah Priest... Religion teilt uns menschen...gemeinsame feste und opferfeiern verbinden uns...

wir versuchen dinge, Wesenheiten und die welten, die im verborgenen wirken irgendwie in worte zu fassen und merken nicht wie wir uns von einander wegbewegen obgleich solche Diskussionen uns stärker aneinander binden könnten wenn wir es zulassen...

die Natur, die götter und alle wesen wirken um uns, in uns und ohne uns...

mir ist es scheissegal an welche götter du glaubst, mich interessiert welchen du opferst...ich meine nicht für welche du eine Show abziehst, sondern bei welchen du nicht daran vorbeikommst ein opfer zu bringen...mit denen bist du verbunden... das tausend götter lied vom vfgh ist diesbezüglich sehr treffend und war eine starke spirituelle Erfahrung als ich es zu ersten mal hörte auch wenn der Chor klein war :love:

es gibt menschen die sind "Sinnsucher" und andere denen ist es einfach egal (bzw. sie haben kein so grosses Bedürfnis nach spiritualiät) oder sie gehen auf in dem was sie gelehrt bekommen haben als Kind...
meiner Meinung nach auch scheissegal... die götter wirken in jedem einzelnen egal wie du sie nennst... es gibt ja auch schon für unsere Götter die verschiedensten namen...
und ich spüre sie auch wenn ich z.B. in Ägypten unterwegs bin, und zufällig mit völlig fremden menschen rituale abhalte ohne vorher darüber im klaren gewesen zu sein...da ist ein Moslem dann plötzlich doch dem anubis so sehr verbunden und ich spüre die holde und den woudichn woudanaz permanent, wache in freier Natur mit dem rabenschrei auf und begrüsse die Sunna wenn sie aufgeht...
Midgard ist ein fantastischer ort und hätte Freya nicht mit den vier Zwergen heiligen sex praktiziert wäre die welt schon auseinandergerissen worden von den gewaltigen oder riesigen Kräften die auch ständig wirken...also vergesst nicht die liebe, ihre macht und ihren schutz den sie uns gibt...
Donar ist beschützer der Menschheit...ausser der sprache gibt es keine grenzen...ALLES ist Midgard

ohje ich hoffe ich hatte keine themaverfehlung

heil und segen für alle wesen

alles liebe
TaJu


P.S. schön dass es EUCH alle gibt, mit all euren unterschieden :thumbup:

Benutzeravatar
literatomorph
Beiträge: 1150
Registriert: 31.05.2007, 00:00
Kontaktdaten:

Beitrag von literatomorph » 22.11.2016, 09:38

Ich finde es im Prinzip ok wenn Menschen unterschiedlich an diese Dinge herrangehen,aber ich kenne einige die enttäuscht und ernüchtert vom letzten Thing zurückgekehrt sind.
Erst war ich ganz euphorisch so viele Menschen des Eldaring mal persönlich getroffen zu haben, aber dann wurde mir von Leuten des Stammtisches doch Enttäuschung geäußert wie wenig spirituelle,religiöse, überhaupt heidnische Themen Platz hatten. Mittlerweile verstehe ich genau diesen Punkt sehr gut. Es hätte auch ein nettes Gelage mit witzigen Beiträgen , viel Met sein können.
Wo ist da der gelebte Kult? Das frage ich mich schon in letzter Zeit.
Woran ich glaube willst du wissen, Maxim?
Ich glaube das Götter mich begleiten, ich glaube das Nornen nein Schicksal gewebt haben. Ich glaube an die Götter die sich mir zeigen und mit mir sprechen. Ich bin nicht alleine und kann sie immer rufen, um Rat fragen und mit ihnen feiern.
Gruß
Philipp
Zuletzt geändert von literatomorph am 22.11.2016, 09:48, insgesamt 1-mal geändert.
Invere Ing

Antworten