Teil der Natur

Seidr, Runen, Magie ...
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Toni
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Beitrag von Toni »

Hmm, ähnliches wie literatomorph hatte ich ja ganz unten bei meinem Riesenbeitrag hier schonmal geschrieben. Das Verhalten des Menschen hat sich finde ich nicht wirklich verändert, die Grundzüge sind die gleichen, nur ist das ganze heute in andere Rahmenbedingungen eingebettet. Es gibt übrigens einen ganzen Haufen sehr interessanter Forschungsarbeiten über das Verhalten des modernen Menschen, die ernüchternderweise zeigen dass eigentlich fast alles was wir tun doch nur dadurch angetrieben wird dass wir unsere Stellung in der Gruppe festigen, den geeigneten Fortpflanzungspartner finden und unseren (kommenden) Nachwuchs durchbringen wollen. Selbst wenn wir bewusst gar keinen Nachwuchs wollen ;)

Inwiefern meinst du denn, dass frühere Menschen weniger oberflächlich waren als wir heute?
Die Definition dass menschlich geschaffene Dinge ein Gegenstück zur Natur sind haben übrigens auch schon die antiken Griechen verwendet...
(vormals Feri, um Verwirrungen bei/nach Things/Blots/Ostaras/usw. zu vermeiden jetzt direkt Toni ^^ )

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Schwanenfuß
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Beitrag von Schwanenfuß »


Inwiefern meinst du denn, dass frühere Menschen weniger oberflächlich waren als wir heute?
Sie haben ihr Leben, das Denken und Tun ganz bewusst auf die Kreisläufe der Natur ausgerichtet.

Für mich drückt sich die Trennung von Natur und Mensch ganz deutlich in dem Bewusstsein der Abhängigkeit des Menschen zur Natur aus, eben weil er eigentlich Teil ihrer ist. Das *bewusste* Gefühl Teil der Natur zu sein, scheint abhanden gekommen zu sein. Das mag vielleicht nicht auf euch hier zutreffen, aber meiner Wahrnehmung nach auf den Großteil der Menschen in unserer Gesellschaft. Ich finde das spiegelt sich auch in der Tatsache wieder, dass für immer mehr Menschen Religion bzw. Glaube und Spiritualität in ihrem Leben kaum bis gar keine Rolle spielen, zu sehen u. A. an den fortlaufenden Kirchenaustritten. Das hängt für mich irgendwie zusammen, Spiritualität und das Bewusstsein darüber, Teil der Natur zu sein und was ich bin und was mein Platz in dieser Welt ist.

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Haukrinn
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Beitrag von Haukrinn »

Also dieser Motivation für Spiritualität (was ich bin und was mein Platz in dieser Welt ist.) kann ich mich bedenkenlos anschließen. Ich glaube allerdings nicht dass die von dir genannte Oberflächlichkeit daher rührt dass der Mensch sich von den Kreisläufen (und auch Unbillen) der Natur entfernt hat. Ich denke der Grund liegt eher in einer Welt die niemals schläft und sich bemüht dich zu jedem Zeitpunkt irgendwie abzulenken. ;)
- Punkrockschamanismus! Extra für dich! Vom [s]linksgrünen[/s] linksliberalen Gutmenschen...

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Toni
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Beitrag von Toni »

[quote='Schwanenfuß','index.php?page=Thread&postID=143380#post143380']Sie haben ihr Leben, das Denken und Tun ganz bewusst auf die Kreisläufe der Natur ausgerichtet.[/quote]
Die Bauern und Jäger, ja. Und das tun sie auch heute noch. Das ist für mich jetzt aber nicht unbedingt ein Kriterium von Tiefgründigkeit, sondern einfach Grundvoraussetzung wenn man etwas zu Essen haben will.
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lynxaett
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Beitrag von lynxaett »

:thumbup: Ja, das sehe ich wohl auch so... ich glaube, diese Leute haben sich keinen Deut Gedanken über ihr Einssein mit der Natur gemacht...die wollten was zu essen, einen warmen Platz am Feuer und das beste für ihre Sippe und Kinder...
im übrigen finde ich(medizinische Fakultät), dass wir Menschen uns von Ameisen durch unser *Gehirn* unterscheiden, eine der wundervollsten, komplexesten Strukturen, die die Natur hier auf der Erde bisher hervorgebracht hat... was man dann mit so was anfängt, ist eine andere Frage....

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Schwanenfuß
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Beitrag von Schwanenfuß »

[quote='Schwanenfuß','index.php?page=Thread&postID=143380#post143380']Sie haben ihr Leben, das Denken und Tun ganz bewusst auf die Kreisläufe der Natur ausgerichtet.
Die Bauern und Jäger, ja. Und das tun sie auch heute noch. Das ist für mich jetzt aber nicht unbedingt ein Kriterium von Tiefgründigkeit, sondern einfach Grundvoraussetzung wenn man etwas zu Essen haben will.[/quote]
Und die Leute, die heute im Supermarkt kaufen, wollen Nichts essen? Das meine ich ja ;) Bauern tun das heute auch noch, aber größtenteils eben nicht die, die ihr Essen in Supermarkt kaufen...

Im Übrigen bezeichne ich die "Führer von Massenhaltungsanstalten" nicht als Bauern.

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Schwanenfuß
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Beitrag von Schwanenfuß »

Ich glaube allerdings nicht dass die von dir genannte Oberflächlichkeit daher rührt dass der Mensch sich von den Kreisläufen (und auch Unbillen) der Natur entfernt hat. Ich denke der Grund liegt eher in einer Welt die niemals schläft und sich bemüht dich zu jedem Zeitpunkt irgendwie abzulenken. ;)
Ich denke, dass dein angeführter Grund, meine empfundene Entfernung zur Natur bedingt. Also aus dieser stetigen Ablenkung folgt nun auch die Entfernung zur Natur, weil die Menschen keine Zeit mehr haben, sich darüber bewusst zu werden. Und daraus folgt dann die Oberflächlichkeit.

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Schwanenfuß
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Beitrag von Schwanenfuß »

:thumbup: Ja, das sehe ich wohl auch so... ich glaube, diese Leute haben sich keinen Deut Gedanken über ihr Einssein mit der Natur gemacht...die wollten was zu essen, einen warmen Platz am Feuer und das beste für ihre Sippe und Kinder...
Und wie erklärst du dir dann die ganzen Opferrituale und Feste zu Ehren der Natur? Meinst du, dass die Leute, die das damals gemacht haben, das aufgrund von primitiven Annahmen was die Göttlichkeit der Natur angeht, durchgeführt haben(weil sie keine wissenschaftlichen Belege über physikalische Gesetze hatten)?

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Toni
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Beitrag von Toni »

[quote='Schwanenfuß','index.php?page=Thread&postID=143384#post143384']
[quote='Schwanenfuß','index.php?page=Thread&postID=143380#post143380']Sie haben ihr Leben, das Denken und Tun ganz bewusst auf die Kreisläufe der Natur ausgerichtet.
Die Bauern und Jäger, ja. Und das tun sie auch heute noch. Das ist für mich jetzt aber nicht unbedingt ein Kriterium von Tiefgründigkeit, sondern einfach Grundvoraussetzung wenn man etwas zu Essen haben will.[/quote]
Und die Leute, die heute im Supermarkt kaufen, wollen Nichts essen? Das meine ich ja ;) Bauern tun das heute auch noch, aber größtenteils eben nicht die, die ihr Essen in Supermarkt kaufen...

Im Übrigen bezeichne ich die "Führer von Massenhaltungsanstalten" nicht als Bauern.[/quote]
Naja, also ich sage mal, Menschen die etwas von der Natur wollen müssen das zwangsläufig immer noch so machen dass es auch klappt, sprich sich an die Jahreszeiten anpassen. Der Bauer wird wenig Freude haben wenn er den frostigen Boden aufscharrt und versucht im Januar Erdbeeren anzupflanzen.
Aber auch als Supermarktkunde ist man mit vielem jahreszeitenabhängig - wenn ich im Juli feststelle dass ich jetzt absolut dringend einen Adventskalender brauche, oder gern im Dezember einen Einweggrill hätte, oder sagen wir mal für meine Herbstdeko kleine plüschige Küken brauche, hab ich auch Pech :D Aber glücklicherweise bin ich als moderner Mensch ja oberflächlich und kann mich daher, wenn ich mich von natürlichen Zyklen entfernt habe weil ich im Winter Erdbeerjoghurt esse, mit dem Kauf eines neuen Smartphones trösten.
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Toni
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Beitrag von Toni »

[quote='Schwanenfuß','index.php?page=Thread&postID=143386#post143386']
:thumbup: Ja, das sehe ich wohl auch so... ich glaube, diese Leute haben sich keinen Deut Gedanken über ihr Einssein mit der Natur gemacht...die wollten was zu essen, einen warmen Platz am Feuer und das beste für ihre Sippe und Kinder...
Und wie erklärst du dir dann die ganzen Opferrituale und Feste zu Ehren der Natur? Meinst du, dass die Leute, die das damals gemacht haben, das aufgrund von primitiven Annahmen was die Göttlichkeit der Natur angeht, durchgeführt haben(weil sie keine wissenschaftlichen Belege über physikalische Gesetze hatten)?[/quote]
Viele Religionsforscher gehen davon aus, dass das eine wesentliche Antriebsfeder war, ja.
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Waldtochter
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Beitrag von Waldtochter »

Zum Thema Umweltbewusstsein in der heutigen Zeit:

Ja, es wird mehr. Aber ehrlich gesagt ist es doch auch nur so eine Bequemlichkeitssache, um sein schlechtes Gewissen zu beruhigen. Dann kauft man halt mal den Biojoghurt anstelle des Normalen. Dann unterschreibt man halt mal bei einer Onlinepetition gegen Beltretter. Dann druckt man halt Fahrkarten künftig nicht mehr aus, sondern geht mit dem Smartphone zum Flixbus-Fahrer und redet sich ein, man hätte jetzt total viel gemacht, weil man ja sogar die 80 Cent gegen Co2-Emissionen gezahlt hat. Aber wenn es dann um den Schalter am Fernseher geht, für den man extra aufstehen müsste, um den auszumachen, wird's happig. Oder der Weg zur Arbeit. 1 Stunde zusammengequetscht in Öffis stehen, anstatt in ner halben Stunde mit dem Auto da sein? Mnee.

Und das ist der Punkt. Die Politik hat gesehen, dass die Leute sich Sorgen um die Umwelt machen und die Politik hat reagiert. Indem sie uns tolle billige Varianten vorhalten, mithilfe derer man ganz viel Gutes machen kann ohne sich einen Nagel abzubrechen - aber eigentlich ist das nicht einmal ein Tropfen auf dem heißen Stein. Und schon gar nicht macht es uns naturverbundener, nur weil unser Joghurt plötzlich grün und nicht mehr blau verpackt ist.




Zum Thema Umweltbewusstsein der Germanen.
Seien wir ehrlich: Wir wissen es nicht. Wir können es nicht wissenschaftlich nachweisen, aber auch nicht widerlegen. Wir wissen einzig, dass sie schlichtweg nicht die Möglichkeiten zu extremem Raubbau hatten, es ergo nicht getan haben.

Was wir aber wissen ist

1. Die Natur war für sie beseelt. Beseelten Dingen steht an sich schon mehr Respekt zu als toten, unbeseelten Dingen.
2. Verehrung von Natur, Tier und Pflanze. Viele Tiere und Pflanzen hatten für die Germanen einen heiligen Charakter
3. Naturgötter. Unsere Götter werden Naturereignissen zugeordnet. Sich da gegen die Natur zu wenden ist gleich absurd wie als Christ ein Antisemit zu sein. Es geht zwar, aber es hat einen äußerst schalen und zynischen Beigeschmack.
4. Elfenverehrung. Als Relikt des Heidentums gibt es in Island und Irland immer noch den Elfenglauben. Elfen leben in der Natur und dürfen nicht erzürnt werden. Wenn es in Island Vermutungen auf Elfenbehausungen gibt, dann wird da nicht gebaut - Punctum.
5. Abhängigkeit und Furcht vor der Natur. Die Germanen waren absolut abhängig. Das letzte, was sie da gebrauchen konnten, waren erzürnte Naturgeister, die Rache nahmen, weil sie respektlos mit der Natur umgegangen waren (Schlussfolgerung, bewiesen ist einzig die Abhängigkeit).
6. Das Folgende ist alles andere als wissenschaftlich, aber das Argument, was mich am stärksten bewegt: Wer einmal in unberührter, wilder Natur gewesen ist, weiß, dass man davor nichts anderes als Ehrfurcht und höchsten Respekt empfinden kann.



Wie gesagt befinden wir uns im spekulativen Bereich. Für mich deuten alle Indizien darauf, dass Heiden einen respektvollen Umgang mit der Natur hatten, wenn sie sicherlich auch nicht auf Zehenspitzen durch den Wald tanzten, um keinen Grashalm zu krümmen.
Heidnische Götter sind Naturgötter. Wenn ich es so direkt sagen kann, finde ich es auch etwas lächerlich, sich als Heide zu bezeichnen und sich gleichzeitig keinen echten Deut um die Natur zu scheren, sondern nur Scheinschwüre zu leisten. Was betest du dann an? Warum nennst du dich Heide?

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literatomorph
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Beitrag von literatomorph »

Rrrrrichtig.
Ich finde es auch relativ irrelevant für unsere heutige Religion wie die alten Germanen (so nannte sich ja auch keiner) ihre Umwelt behandelt haben. Ich denke für viele Fragen die uns moderne Menschen beschäftigen hatten die schlicht keine Zeit und Verständnis.
Was und wie wir heutzutage die Götter erfahren und mit ihnen leben, ja auch alle Träume und Wünsche die damit einhergehen sollten wichtiger sein.
Natürlich ist das Heidentum eine große, fast leere Leinwand und damit Projektionsfläche für viele persönliche Befindlichkeiten und Ideen. Aber ist das so schlecht?
Unsere Religion ist lebendig und will gelebt werden. Redet mit den Göttern, sie hören uns zu.
Nur in Forschungsergebnissen, Büchern, Überlieferungen die Essenz zu suchen hilft beim leben einer Religion wenig.
Gruß
Philipp
Invere Ing

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Markus Nicklas
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Beitrag von Markus Nicklas »

[quote='Waldtochter','index.php?page=Thread&postID=143430#post143430']finde ich es auch etwas lächerlich, sich als Heide zu bezeichnen und sich gleichzeitig keinen echten Deut um die Natur zu scheren, sondern nur Scheinschwüre zu leisten.[/quote]

Kleine Schritte, gelle, führen auch zum Ziel. Zum Beispiel morgens beim Zähneputzen das Wasser abzustellen.
:)

Jeder so wie er kann. Immer ermutigen, anerkennen, Hinweise geben, wenn gefragt.

[quote='literatomorph','index.php?page=Thread&postID=143436#post143436']Nur in Forschungsergebnissen, Büchern, Überlieferungen die Essenz zu suchen hilft beim leben einer Religion[/quote]

Doch, hilft, denn: siehe PM

:)
"Ironie ist systembestätigend."
Christoph Schlingensief

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Waldtochter
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Beitrag von Waldtochter »

Natürlich ist das Heidentum eine große, fast leere Leinwand und damit Projektionsfläche für viele persönliche Befindlichkeiten und Ideen. Aber ist das so schlecht?
Ich sage: Ja.

Natürlich bin ich froh, dass das Heidentum keine dogmatische "Tu das und das hier nicht!"-Religion ist. Aber so, wie Heidentum zurzeit von vielen gelebt wird, geht mir gehörig auf den Geist, sofern ich mich mal damit auseinandersetze. Heutzutage scheint schlicht alles möglich, man stülpt der Religion jedes nur erdenkliche Bild über - von Hippieblümchen über SS-Logos, von "wir sind alle best friends" über "abschlachten, die Juden".
Manche mögen diese Vielfalt toll finden, mich kotzt es mittlerweile an. Das moderne Heidentum ist nicht mehr als ein weißes T-Shirt, das nach Belieben bemalt wird, und wo ich vor ein paar Jahren noch den Buddhismus für den Wohltätigkeitsverein aller Menschen mit unsicheren Überzeugungen gehalten habe, so hat das germanische Heidentum das mittlerweile um ein Vielfaches getoppt.
Kleine Schritte, gelle, führen auch zum Ziel. Zum Beispiel morgens beim Zähneputzen das Wasser abzustellen.
Nee, Adolfo. Davon, dass alle Menschen beim Zähneputzen das Wasser ausstellen, lebt kein Fisch länger. Das sind genau diese kleinen Wohlfühlgesten, die ich meine. Ist keine große Mühe es zu machen, deswegen wird es propagiert, aber es ist nicht so, als hätten wir mit Klimakatastrophen, vergifteten Böden sowie Trinkwasser und mit aussterbenden Tieren und Pflanzen zu tun, weil die Menschen beim Zähneputzen das Wasser laufen lassen.

Es gehört für mich zur Selbstverständlichkeit, das zu tun, aber dadurch habe ich meinen Teil ganz bestimmt noch nicht getan. Ebenso wenig jeder andere hier.

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Armin
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Beitrag von Armin »

Ich glaube, worauf Waldtochter hinauswill ist, daß sich unter dem "Label" Heidentum eine Art von Vielfalt herausgebildet hat, die in bester Post-Moderne-Gedenk-Manier zu einer Beliebigkeit geführt hat, die das ganze oft weniger offen im Sinne von "Platz für Entwicklung" erscheinen läßt, sondern einfach nur, daß es eigentlich egal ist, was man tut und läßt, solange man nur der Meinung ist, daß man Heide ist. Es ist eigentlich egal, wie sich jeder benimmt, es ist eigentlich egal, wie man sich zur Natur verhält, wie man sich anderen Menschen gegenüber verhält usw. Was bei der ganzen Sache auch meiner Meinung nach immer noch so ein bisschen fehlt, ist gefühlte Selbstverständlichkeit bei manchen Dingen. Z.B. beim Umgang mit der Natur. So etwas wie eine stille Einvernehmlichkeit, auch in der Praxis.

Zu Ende gedacht muß sich auch aus meiner Sicht die Frage stellen, ob es wirklich reicht, die katastrophalen Auswirkungen auf Natur und Umwelt zu unterbinden, indem man mit kleinen Schritten rangeht. Das stößt mir beispielsweise oft auf, wenn ich skandinavische kleine Asatru-Gemeinden in Videos beim Lagerfeuer sehe und sie von Plastiktellern essen und aus Pappbechern trinken. Grillen mit Alu-Schutzpfanne usw. - da geht es ja nicht einmal mit kleinen Schritten voran, geschweige denn zur Überlegung, wie man die massenhafte Bodenvergiftung/zerstörung durch Agrarkonzerne oder Luft-/Wasserverschmutzung usw. in ernsthaften Dimensionen entgegenwirken könnte. Freilich blieben diese Überlegungen fürs erste bei "belächelnswerten" Ansätzen, weil das Kräfteverhältnis irgendwas um die 1:1000000000000000000 ist. Aber das beruhigte sich zurücklehnen, das Gesellschaftsraison zu sein scheint (da gebe ich @Waldtochter auch recht) ist eine gefährliche Tendenz, weil es viele Dinge verkennt.

Wie sensibel oder unsensibel darf oder muß/sollte Heid_In bei der Frage, wie man es mit der Natur hält, sein? - könnte da die "Gretchenfrage" lauten. Wo fängt die ernsthafte, bewußte Verbundenheit mit "der Natur" (was das auch ist) an und wo fangen die Lippenbekenntnisse an? Ich frage mich das selbst quasi täglich.

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