Eure Erfahrung mit der Bibel / Christentum

religionswissenschaftliche und historische Themen ausserhalb des germanisch/skandinavischen Kontexts
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literatomorph
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Beitrag von literatomorph »

Moin,moin.
Ich habe mir die Bibel mal in jungen Jahren zu Gemüte geführt und fand die Lektüre spröde und langweilig.
Jedenfalls haben die Christen in der Vergangenheit viel Unheil über die Welt gebracht und tun es auf subtilere Weise immer noch. Es wird immer noch missioniert. Es wird immer noch selektiert. Es wird immer noch ausgegrenzt.
Die größte Waffe in unserer Zeit ist für die Kirchen der Drang der Menschen zum Konformismus, die Gewohnheit, das "Normale".
Dennoch kann ich mit manchen Katholiken tatsächlich besser reden als mit evangelischen Gläubigen. Die Katholiken meinen es jedenfalls ernst :D
Gruß
Philipp
Invere Ing

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Annette
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Beitrag von Annette »

Hallo zusammen,

Meine Erfahrungen mit der Bibel und dem Christentum waren eher negativ. Zwangsweise evangelisch wurden wir in der Schule mit der Lektüre der Bibel zu Tode gelangweilt. Damit nicht genug, traktierte man uns auch noch mit allen Einzelheiten über den evangelischen "Ersatzheiligen" Luther. Ich bin dann mit 16 aus der Kirche ausgetreten. Auch als ich der Familie zu liebe kirchlich geheiratet habe (katholisch) begegnete man mit mit Intoleranz. Seitdem möchte ich damit nichts mehr zu tun haben. Jeder kann glauben was er will, nur sollte man nicht missionieren und den Glauben anderer respektieren.

Gruß Annette
Annette

Man kann auch ohne Hund leben, aber es lohnt sich nicht

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Markus Nicklas
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wie jetzt? soll ich tatsächlich meine Erlebnisse als ...

Beitrag von Markus Nicklas »

Jesusfreak und wiedergeborener Christ zum Besten geben? Naja, is ja schon so lange her das alles, das mir keine Klagen kommen sollten.

"Wie der HERR mir morgens in der S-Bahn riet, mir die Haare zu schneiden"

mal sehen, ob ich die Tage dazu komm, dass in Worte zu fassen.

Halleluja!

:)

p.s.
von heute aus gesehen hatte das so einen U 3000-touch

[youtube]https://www.youtube.com/watch?v=Fe1fpImi4fc[/youtube]
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Werdandi
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Beitrag von Werdandi »

Bibel. Das alte Testament ist eine Auswahl an Schriften,die ein Konzil mal irgendwann getroffen hat. Das sin jüdische Texte,die eigentlich auf Rollen geschrieben sind. Ich zweifele stark an der richtigen Chronologie.
Das neue Testament beruht wohl zum großen Teil auf Apostelbriefen. Einige sind dabei wohl auch nicht verwendet worden und ob die verwendeten wirklich von den "Originalen" Aposteln stammen ist auch nicht sicher.
Also ist die Bibel, wie die Edda, eine mehr oder weniger willkürliche Zusammenstellung von alten Texten bzw. Überlieferungen.
Ich habe beide Bücher gelesen und muss sagen, die Edda ist schlichtweg ein Knaller. Die Bibel ist wirr und oft unverständlich. Gerade das alte Testament erweckte bei mir den Eindruck, daß da Jemand nicht wirklich aufgepasst hat beim Zusammenstellen. Da finden sich Kriegsberichte zwischen Genealogien. Wobei mich als Leser recht wenig interessierte,wer mit wem wie oft wieviel und wie lange gezeugt und gelebt hat. Da fehlte mir so ein Boschen die Geschichte dazu.
Die netten Sachen gehen da leider unter. Wie das Hohelied Salomos z.B. Ein,wie ich finde, wunderschönes Liebesgedicht .
Man sollte auch bedenken, daß sowohl in der Edda als auch in der Bibel, Übersetzungsfehler drin sind. Gerade bei der Bibel hat sich das potenziert.
Enttäuscht war ich vom neuen Testament. Die Kreuzigungsgeschichte, eigentlich Dreh- und Angelpunkt des Christentums, nimmt nicht einmal eine Seite ein.
Gäbe es nicht die Filmindustrie so wäre an der ganzen Geschichte nicht ein Fünkchen Pathos.
Wer Gebote mag, wird gut bedient. Obwohl aus meiner Sicht ein Einziges ausreicht.. Liebe deinen Nächsten wie dich selbst. Hielte sich jeder Christ daran so wäre die Welt eine Andere.
Wirkliche Tips fürs Leben findet man hier nicht. Da ist die Edda klar vorne.
Spannend ist die Apokalypse. Allerdings stört mich,daß danach alles vorbei ist. Ich mag Geschichten mit so absolutem Ausgang nicht und das widerspricht aus meiner Sicht auch den Abläufen in der Natur,denn irgendwie geht es doch immer weiter.

Was den religiösen Aspekt anbelangt fühle ich mich im Heidentum sehr wohl,da es gedanklich für mich alles zulässt,was ich mag, mir nichts aufdrückt und nicht mit Strafen droht,wenn ich anderer Meinung bin. Ich kann selbstbestimmt glauben und eigenverantwortlich handeln. Nimmt mir natürlich die Möglichkeit, die Schuld für "Verfehlungen" auf die Götter zu schieben. Aber das ist,zumindest für mich, kein Problem.

Das ist,was mich explizit auch am Katholizismus stört. Beichte und dir wird vergeben. Da sollen schon Kinder ihre Sünden bekennen.... naja,und wenn sie keine begangen haben wird ihnen nicht geglaubt. Ich hätte mir als Kind dann Geschichten ausgedacht.
Erwachsene hingegen haben da,zumindest religiös gesehen,doch einen Freibrief für so ziemlich Alles. Gegen ein paar Auflagen wird alles verziehen.
Außer Selbstmord. Da kann einer ein anständiges, aufopferungsvolles Leben führen, sich nie was zu Schulden kommen lassen. Wenn er dan daran zerbricht und seinem Leben ein Ende setzt dann zählt das nichts und er landet ohne Halt in der Hölle.
Merkwürdige Methode der Motivation, finde ich.
Unja, bevor ich mich hier weiter in Details verstricke, komme ich mal zum Ende.

Fazit: Um mitreden zu können sollte man sich doch schon mit anderen Religionen auseinandersetzen. Ich kann nichts ablehnen,was ich nicht kenne.
Als Buch ist die Bibel wenig unterhaltsam. Dafür gibt es von mir keine Empfehlung. Da ist mir die Edda doch wesentlich lieber.
Als Religion ist mir das Christentum zu dogmatisch und einschränkend. Der Regenbogen ist nur so schön, weil er bunt ist.




Das meine Ansichten zum Theme, mit einem freundlichen Augenzwinkern.
[font='Comic Sans MS, sans-serif']Erst wenn die Drachen wieder frei fliegen, ist mein Tun in dieser Welt beendet. Dann kehre ich Heim zu dir,um die Fäden des Wyrd neu zu spinnen.[/font]

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Markus Nicklas
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wird er deswegen nicht auch von ...

Beitrag von Markus Nicklas »

[quote='Werdandi','index.php?page=Thread&postID=144054#post144054']Der Regenbogen ist nur so schön, weil er bunt ist.[/quote]

Heimdal bewacht?

:)
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Angelotheist
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Beitrag von Angelotheist »

[quote='Werdandi','index.php?page=Thread&postID=144054#post144054']Wer Gebote mag, wird gut bedient. Obwohl aus meiner Sicht ein Einziges ausreicht.. Liebe deinen Nächsten wie dich selbst. Hielte sich jeder Christ daran so wäre die Welt eine Andere.[/quote]Ja, das stimmt! Leider haben die meisten gerade dieses Gebot entweder nicht verstanden, sie halte es für unerfüllbar, oder wollen es gar nicht erfüllen... :(
[quote='Werdandi','index.php?page=Thread&postID=144054#post144054']Erwachsene hingegen haben da,zumindest religiös gesehen,doch einen Freibrief für so ziemlich Alles. Gegen ein paar Auflagen wird alles verziehen.[/quote]Und das ist genau der Denkfehler, den auch die Protestanten und Freikirchler haben! Wenn ein Katholik (und damit sind auch die Orthodoxen, die Anglikaner und die Alt-Katholiken gemeint) bei der Beichte seine Sünden aufzählt, dann muss er sich auch dazu bekennen und innerlich wahrhaft bereuen und an sich arbeiten! Ansonsten kann der Pfaff 100 Mal "Ege te absolvum..." sagen und der zur Beichte gegangene 1000 Rosenkränze beten, die Vergebung kommt letztlich von GOTT, aber nur, wenn der Beichtende wahrhaft bereut, mit dem Willen sich zu ändern! Die Beichte ist also absolut kein Freibrief weiter zu sündigen! Das wird nur leider von vielen falsch verstanden, leider auch von Geistlichen der Kirchen katholischer Tradition!
[font='Comic Sans MS, sans-serif']Friede und langes Leben![/font]
[font='Comic Sans MS, sans-serif']Unendliche Möglichkeiten in unendlichen Kombinationen[/font][font='Comic Sans MS, sans-serif']
[/font]

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literatomorph
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Beitrag von literatomorph »

Moin,moin.
Da liegt meine Hauptkritik am Christentum.
Die Gebote sind wider der Natur des Menschen, er muß scheitern, was ein konstantes schlechtes Gewissen impliziert das der Klerus zur Kontrolle nutzt.
Ich bin mehr für aufrichtige Liebe und ehrlichen Hass :D
Wir alle lügen, verletzen und betrügen in unserem Leben, das ist Teil unser Natur und prägt unsere Erfahrungen.
Wenn wir auf der Welle des Lebens reiten statt durch überseichte Gewässer zu gondeln können wir viel gewinnen.
Der Dualismus von gut/böse ist für mich nicht existent.
Gruß
Philipp
Invere Ing

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literatomorph
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Beitrag von literatomorph »

Ich muß noch hinzufügen:
Ich finde es geht um Eigenverantwortlichkeit. Wenn man glaubt sich falsch oder negativ verhalten zu haben ist es zwingend erforderlich sich damit zu befassen oder der Situation eventuell zu bereinigen. Wenn ich aber gewohnheitsmäßig die Verantwortung auf einen Gott oder das Schicksal übertrage flüchte ich vor den Konsequenzen meines handelns.
Invere Ing

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GermanHeretic
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Beitrag von GermanHeretic »

[quote='literatomorph','index.php?page=Thread&postID=144071#post144071'] Wenn ich aber gewohnheitsmäßig die Verantwortung auf einen Gott oder das Schicksal übertrage flüchte ich vor den Konsequenzen meines handelns.[/quote]

Vor allem diese jenseitigen Kompensationsgeschäfte im Christentum. "Gott" vergibt Person A die Schuld an Person B, weil A der Person C eine Schuld vergeben hat ("Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern."; Vater Unser), egal ob das irgendwas miteinander zu tun hat oder B oder C damit einverstanden sind. Geht gar nicht sowas.
???? ???? ????, ?? ?????. Von den Göttern sage: sie sind. (Bias von Priene) - Literaturtipp: Aufgeklärtes Heidentum

Gaahl
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Beitrag von Gaahl »

@Jehova

Also bei den Katholiken sehe ich 3 große Themen auf die ich noch keine Fragen bekommen konnte.

1. Die Heiligenverehrung. Hier vor allem die Marienverehrung

--> Mir kommt dieser Ritus doch sehr heidnisch vor, vor allem Frage ich mich vorher denn Quellen dazu stammen ? Aus der Bibel offensichtlich nicht.
Und ich frage mich ob wirklich alle Katholiken die Heiligenverehrung praktizieren.

2. Das Papsttum

--> Ein sogenannter "Anführer"- okay das würde für mich Sinn ergeben. Aber einen von Gott ernannten unfehlbaren Menschen, der alles machen kann und dafür von Gott auserwählt wurde ? Kommt mir suspekt vor...


3. Die Reliquien

--> Ich weiß gar nicht wie viele Knochen, Bluttropfen oder was weiß ich von Jesus irgendwo in einem Schrein ruhen sollen... Und das davon eine hl. Aura ausgeht...Hm naja


Für mich persönlich ist die katholische Kirche sehr arg von ihren Quellen (der Bibel) entfernt, da wären dann noch so Themen wie das Fegefeuer ..
Asenheil & Wanensegen !

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Markus Nicklas
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versprochen ist versprochen

Beitrag von Markus Nicklas »

Klaus Löwitsch spielt eine Rolle im Drama meines von Gott angeregten Haarschnitts. Allen, die ihn nicht kennen oder die zu jung sind, um ihn zu kennen: das war ein Darsteller, der auch gebrochene Typen bieten konnte, und einer mit dem man keine Faxen machte. Doch jetzt zur Geschichte:

Nach München war ich wegen des Zivildienstes gekommen und hatte einen wunderbaren Bewährungshelfer, Ahmad Imran, weil mich kurz vorher in Lübbecke ein beinharter Richter zu zwei Jahren Bewährung verurteilt hatte. Aufgemerkt: Für ein Gramm Haschisch, weil ich keinen anderen ans Messer geliefert hatte. In München ging meine jugendliche Drogenkarriere fleißig weiter. Alle zwei Wochen ging ich zu Ahmad, und wir gingen hingebungsvoll zusammen Weißbier trinken.
Aus verschiedenen Gründen betrieb ich ein kleines Dämonenbeschwörungsunternehmen. Eines Tages "hat die Geschäftsführung gewechselt", und ich hatte das, was man eine Drogenpsychose nennt. Da ich jedoch mit ein paar Freundinnen gesegnet war, die ans Gesundbeten glaubten, treiben sie mir die Geister mit wirkungsvoller Hingabe aus. Das überzeugte mich damals, dem Glauben an den Gott meiner Uroma wieder etwas intensiver zu praktizieren, und so war es keine "irren" Stimmen mehr, die ich hörte sondern der HERR. Ist doch klar. Eines Morgens auf dem Weg zur Arbeit nach Ismaning lese ich mein Neues Testament und höre DIE Stimme zu mir sagen, dass es heute gut wäre, mir die Haare abzuschneiden. Gott! Mein Gott! Meine Güte, mein Gott! Klar doch. Halleluja! Ich rufe also von der Gärtnerei aus Petrana an, die sinnliche, betörende, üppige, schwarzhaarige Schöne, berichte ihr, was ER mir aufgetragen hat, und wir verabreden uns, die Haarpracht am Abend in die Isar zur streuen. Gesagt, getan. Petrana laufen die Nockherbergstraße hinunter und stehen an der Ampel Kreuzung Franziskaner.
Es ist Sommer. Wir sind beide leicht, knapp und luftig bekleidet. Unser langes Haar weht im Wind, und wir ernten bewundernde Aufmerksamkeit aus einem BMW, der bei rot hält. Die hupen. Ich fühle mich belästigt und zeige den Finger. Grün, wir gehen. Grün für den BMW. Die fahren mit quietschenden Reifen um die Kurve und auf den Bürgersteig neben uns. Petrana wirbelt zu mir herum:"Bete, Markus!" Mach ich. Die Kerle springen aus dem Auto. Behaarte Brust, Goldketten, geballte Fäuste - alles was es braucht, um einen tödlich beleidigten Südländer bedrohlichst darzustellen. Jetzt gibts was auf die Kauleiste! ... ... ...

wird fort gesetzt.

Halleluja!
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Angelotheist
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Beitrag von Angelotheist »

[quote='Gaahl','index.php?page=Thread&postID=144089#post144089']@Jehova

Also bei den Katholiken sehe ich 3 große Themen auf die ich noch keine Fragen bekommen konnte.

1. Die Heiligenverehrung. Hier vor allem die Marienverehrung

--> Mir kommt dieser Ritus doch sehr heidnisch vor, vor allem Frage ich mich vorher denn Quellen dazu stammen ? Aus der Bibel offensichtlich nicht.
Und ich frage mich ob wirklich alle Katholiken die Heiligenverehrung praktizieren.

2. Das Papsttum

--> Ein sogenannter "Anführer"- okay das würde für mich Sinn ergeben. Aber einen von Gott ernannten unfehlbaren Menschen, der alles machen kann und dafür von Gott auserwählt wurde ? Kommt mir suspekt vor...


3. Die Reliquien

--> Ich weiß gar nicht wie viele Knochen, Bluttropfen oder was weiß ich von Jesus irgendwo in einem Schrein ruhen sollen... Und das davon eine hl. Aura ausgeht...Hm naja


Für mich persönlich ist die katholische Kirche sehr arg von ihren Quellen (der Bibel) entfernt, da wären dann noch so Themen wie das Fegefeuer ...[/quote]Als Alt-Katholik, der ich einer progressiven katholischen Kirche angehöre, in der einiges eher protestantisch zu sein scheint, kann ich nicht zu allem eine Antwort geben, aber ich werde mich bemühen!

Vorab: Es gibt jede Menge Christen und damit auch römische Katholiken, die dies nur auf dem Papier sind! Oder die zwar noch zur Kirche gehen, jedoch entweder nur wenige Male im Jahr (sogenannte U-Boot-Christen) oder die zwar noch regelmäßig gehen, jedoch nicht alles glauben bzw. praktizieren.


Zu 1.: Die Heiligenverehrung ist eine Verehrung und keine Anbetung! Sollte zumindest so sein! Heilige sollten als Vorbilder im Glauben verehrt werden, und als Fürsprecher, also Vermittler zwischen GOTT und betendem Mensch, angerufen, nicht angebetet werden. Dies wird oft falsch verstanden und ebenso falsch praktiziert, insbesondere wohl auch in den Ost-Kirchen. Es gibt allerdings tatsächlich zu fast allen Anliegen und für so ziemlich jeden Beruf usw. einen Heiligen, bzw. eine Heilige!
Was Maria, die Mutter Jesu angeht, so wird sie als Mutter Gottes und ewige Jungfrau besonders verehrt, was einfach an ihrer Rolle im Heilsplan liegt. Sie ist diejenige, die als erste zum Leben des Mensch gewordenen GOTTes = Jesus Christus "Ja" gesagt hat.

Zu 2.: Auch hier liegt ein Missverständnis vor! Was die Unfehlbarkeit angeht, so kommt sie nur dann zum Tragen, wenn der Past ex kathedra (= vom Lehrstuhl aus) eine Glaubensaussage festlegt, also zum Dogma erhebt. Das kann der Papst seit dem ersten Vatikanischen Konzil (1870) auch im Alleingang. Es ist aber ein einziges Mal seither geschehen, nämlich als Pius XII, 1951 die leibliche Aufnahme Mariens in den Himmel (15. August) zum Dogma erklärte. Viel schwerwiegender ist der Jurisdiktionsprimat, der auch 1870 dogmatisiert wurde und der besagt, dass der Past die oberste juristische Gewalt über alle Christen hat! Wohlgemerkt, nicht nur die römischen Katholiken, sondern alle Christen! Diese beiden Dogmen führten auch zu Entstehung der Alt-Katholischen Kirche.

Zu 3.: Die Reliquienverehrung, dazu kann ich nur soviel sagen, dass sie blanker Unsinn ist, da viele Reliquien Fälschungen sind! Sicher nicht alle, aber doch ein hoher Prozentsatz! Und selbst bei echten Reliquien ist meine Meinung, dass die Verehrung dieser Knochen sich mit dem Monotheismus nicht vereinbaren lässt, weil es an Götzendienst grenzt und es ist auch ziemlich gruselig, zumindest zum Teil! Obendrein ist es für mich regelrechte Leichenschändung!

Was das Fegefeuer angeht, so müsste ich die Tage mal nachschauen, aber ich meine da steht sogar etwas im NT...

Ansonsten stimmt es durchaus, dass die Römisch-Katholische Kirche sich in der Vergangenheit ziemlich stark von der Bibel entfernt hat und erst in den Jahren nach dem zweiten Vatikanum wieder mehr angenähert hat, was sicher auch der Arbeit in der Ökumene zu verdanken ist.
[font='Comic Sans MS, sans-serif']Friede und langes Leben![/font]
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Toni
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Beitrag von Toni »

...also ich kann dir diesbezüglich mal meine bisherigen Erfahrungen mit der sehr pragmatischen Unterart der polnischen Katholiken schildern. Da dürfte es allerdings einigen Katholiken aus anderen Regionen teilweise die Fußnägel hochkringeln.

1. Heiligenverehrung: ja, wird praktiziert, wenn man ein konkretes Thema hat zu dem man was will. Wenn es dazu einen speziellen Heiligen gibt, dann wird der eher als Fachkraft dazu betrachtet als Gott generell. Sieht in der Regel so aus dass man der Kirche eine Kerze abkauft und in dessen Ecke in der Kirche anzündet, der Kirche im Namen der/des Heiligen Geld gibt oder sich mit einem Gebet an den/die Heiligen wendet. Was im Prinzip also das selbe ist wie das was man mit Gott auch macht. Verehrung in dem Sinne seh ich persönlich da nicht, es ist in der Regel wie gesagt ein konkreter Grund da und man will was spezielles, das man sich eben erhofft zu bekommen im Gegenzug für Kerzen, Spenden und Gebete. Welche und ob es dafür Quellen gibt ist ziemlich egal, hauptsache man weiß wer für was zuständig ist.

2. Der Papst wird auch nur so lange als von Gott gewählter Anführer betrachtet, wie man selbst mit seinen Meinungen konform geht. Äußerungen die dem eigenen Weltbild widersprechen werden überhört oder man beruft sich einfach auf den jeweiligen Lieblingspapst irgendwann davor, der dazu noch eine andere Meinung und damit natürlich dann vollkommen Recht hatte. Logik des ganzen: man weiß natürlich nicht (wie bei so vielem...) ob es wirklich stimmt dass Gott sich für diesen Papst entschieden hat. Aber es könnte ja sein, dass. Also einfach erstmal akzeptieren, dann ist man zumindest auf der sicheren Seite.

3. Reliquien... Dazu kommt genau der eben erwähnte Grundsatz zum Tragen: ob tatsächlich genau dieser Knochen aus insgesamt 821 angeblichen linken Oberschenkelknochen vom heiligen Blasius der richtige ist, weiß man natürlich nicht genau. Aber es könnte ja sein, dass. Daher kann man ja nur gewinnen. Und selbst wenn er es nicht ist, so wurde er ja zumindest von einem Priester geweiht oder als heilig betitelt, was auch schon mal besser als nix ist. Und prinzipiell lügt der Priester ja auch nicht: wenn der sagt das ist der richtige Knochen, dann wird er es ja wohl wissen.


...also, der gesamte mir bislang begegnete polnische Katholizismus ist irgendwie eine ganz komische Sache, wo man anzweifelt ob die Leute das denn tatsächlich so glauben, oder sich vielleicht nur gesellschaftlich anpassen wollen, oder einfach nur Agnostiker sind, die sich keine wirklich gefestigte Meinung dazu gemacht haben, aber für den Fall dass es so ist halt mal mitmachen (wobei ich mich dann frage warum sie mit derselben Begründung nicht noch zighundert andere Religionen annehmen, könnte ja genauso sein dass da die eine drunter ist, die "Recht" hat). Aber Kirche hat in Polen ja auch einen Stellenwert, der eben nicht rein spirituell begründet ist, sondern sehr viel mit Gesellschaft und Politik zu tun hat. Ich bin mir relativ sicher dass von den polnischen Katholiken die ich da kennen gelernt habe auch keiner so wirklich ernsthaft und freiwillig die Bibel oder andere Quellen gelesen (oder gar danach darüber reflektiert) hat bis auf das, was man durch die Gemeinde eben zu Kommunion oder in den Gottesdiensten "vorgesetzt" bekommt. Die "Gläubigen" selbst kamen mir auch recht wenig spirituell vor. Mein Freund ist ja kurzzeitig mal aus der Kirche ausgetreten. Die zwei Gründe, die seine Familie brachte warum er wieder rein muss, waren: a) wie sieht das denn aus? b) wenn du mal im Sterben liegst dann kann dir das Halt geben (wohlgemerkt die Kirchenmitgliedschaft, um den Glauben ansich ging es in der Diskussion gar nicht).
Zuletzt geändert von Toni am 07.01.2017, 01:41, insgesamt 1-mal geändert.
(vormals Feri, um Verwirrungen bei/nach Things/Blots/Ostaras/usw. zu vermeiden jetzt direkt Toni ^^ )

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Markus Nicklas
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versprochen ist versprochen 2

Beitrag von Markus Nicklas »

Die Kraftprotze wollen Petrana und mich vermöbeln. Man zeigt Südländern nicht den Finger. Auch nicht wenn man sich ungerecht angehupt und belästigt fühlt. Noch besser nicht, wenn "die eine Tussi" keine ist. Schlechte, ganz schlechte Karten. Petrana also: "Markus, bete!" und so etwas hat er auch getan, worauf der HERR antwortete: "Na, dann mach doch nicht so einen Blödsinn!" Nee, so nicht.
Im nächsten Moment hält neben uns auf der Straße ein Mercedes. Die Scheibe wird herunter gekurbelt. Zwei Männer sitzen im Auto. Beide sind mit weißen Hemden und schwarzen Kravatten bekleidet. Der Beifahrer sieht Klaus Löwitsch ähnlich und fragt mit bewegungsloser Miene und verspiegelter Sonnenbrille auf der Nase, ob wir Hilfe brauchen. Petrana und ich wiegeln ab, worauf auch die beiden Männer sich wieder in ihren BMW setzen und davon fahren. So auch der Leichenwagen mit unseren Rettern. Beeindruckt setzen wir unseren Weg zur Isar fort. Schweigend. ER ist mit uns. Wir kommen am Fluss an und Petrana schnippelt mein schulterlanges Haar ab, läßt es in die Fluten rieseln, wo es in den Strudeln des Stauwehrs an der Museumsinsel davon treibt. Auf einer Mauer praktiziert eine Frau Tai Chi. Elegant, erhaben fließen ihre Bewegungen wie der Strom des Wassers, das sie umtost. Gischt sprüht. Sie hält inne, faltet die Hände vor der Brust, verneigt sich, wendet sich uns zu, spricht "Na, das wurde auch Zeit, was?", steigt herab und geht.
"Ironie ist systembestätigend."
Christoph Schlingensief

Maxim
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Beitrag von Maxim »

Die Heiligenverehrung gefällt mir sehr, sie lässt ein wenig erahnen, wie es in heidnischer Zeit wohl gewesen ist.

Ich wollte noch etwas zu dem "der menschlichen Natur zuwider handeln anmerken": Das ist nicht nur eine Sache des Christentums, sondern auch im Heidentum sind welche zu diesen Einsichten gekommen. Schon allein die Philosophen der Antike und der Buddha aus Indien kamen zur Erkenntnis, dass man seine Bedürfnisse zügeln sollte, was strikt genommen auch einem "Der menschlichen Natur zuwiderhandeln" gleichkommen mag.

Und was die Regeln angeht. Es ist war, glaubenstechnisch ist man als Heide ziemlich frei: Ob ich nun buchstäblich glaube, dass Donar ein großer rothaariger Mann ist, der in einem von Ziegen gezogenen Wagen am Himmel für Gewitter sorgt, oder ob ich dieses Bild eher als eine poetische Umschreibung dieses Naturphänomens sehe, oder... oder... bleibt mir überlassen. Doch ich fürchte, in punkto Rituale gab es sehr wohl strikte Vorschriften, wie man das eben von den Brahmanismus in Indien und von der römischen Religion her kannte. Und persönlich finde ich das auch sehr gut, denn wenn es egal ist, was genau ich glaube, und wenn es auch egal ist, wie ich ein Ritual abhalte... wie definiere ich denn dann meine Religion? Daher bin ich doch immer skeptisch, wenn Heidentum eine "Religion ohne Regeln" genannt wird. Ich weiß nicht viel über die Germanen, ich weiß mehr über die Religion der Römer, die eben sehr ritualisiert war, doch da die Germanen der rohen Natur noch mehr ausgesetzt waren als die Römer, nehme ich doch einmal an, dass sie bei der Durchführung ihrer Rituale genauso streng gewesen werden sein wie die Römer. Eine schlechte Ernte, Krankheit, Krieg usw. wurde als Zorn der Götter gesehen. Da wird man sich also darum bemüht haben, während der Nerthus-Prozession auch wirklich alle Waffen weggepackt zu haben und friedlich gewesen sein. Ich kann es mir nicht anders denken, denn eine andere Versicherung als das Wohlwollen der Götter gab es nicht.

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