Eure Erfahrung mit der Bibel / Christentum

religionswissenschaftliche und historische Themen ausserhalb des germanisch/skandinavischen Kontexts
Haganrix
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Beitrag von Haganrix » 09.02.2018, 21:29

[quote='volker','index.php?page=Thread&postID=144416#post144416']Naja das mit der "herrschende(n) Logik" lass ich einfach mal unkommentiert stehen, aber was soll denn mit "herrschende Religion" gemeint sein ?
Ich fühle mich hier in Europa von keiner Religion "beherrscht", nicht mal von meiner eigenen.
Ich hatte auch noch nie das Gefühl hier irgendwann einer herrschenden Religion ausgeliefert gewesen zu sein.[/quote]

Unsympatisch ist mir dieser Standpunkt nicht. Nur unrealistisch erscheint er mir dann doch, wenn ich bedenke, wer so alles in den Aufsichtsräten der Rundfunkanstalten und zahlreicher anderer Gremien sitzt und dort an Beschlüssen mitwirken kann. Wer hier so alles als Moralapostel der Nation die veröffentlichte Meinung bildet, merkst Du vielleicht gar nicht so.....
Der Geist schaut alles zugleich, während die Rede eines nach dem Anderen erzählt (Saloustios, Von den Göttern und der Welt, Kapitel IV, Abschnitt 9).

volker
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Beitrag von volker » 10.02.2018, 17:33

Aus eigener Erfahrung mit einer Teenagertochter : Das mit Informationen aus Rundfunk und Fernsehen ziehen ist seit einiger Zeit ein Auslaufmodell, jüngere Menschen meiden diese Medien (genauso wie Zeitschriften) fast völlig, die leben im Internet und beziehen ihre Informationen ausschließlich daraus. Da können ein paar Kirchenvertreter in Rundfunkräten nichts, aber auch gar nichts mehr bewirken, davon abgesehen, dass die dort ja nicht alleine sitzen. Und Moralapostel gibt es im Heidentum auch zur Genüge, was gibt es da nicht alles für "wichtige" und "oberwichtige" Welterklärer.
Mir tun die paar Christen (ich hätte hier auch Paar großschreiben können), die sich Sonntag noch in die Kirche schleppen fast schon leid, jedes Blot hat ja schon mehr Teilnehmer. (Hängt natürlich etwas mit der Region in der man lebt zusammen). Aber Fakt ist, mir ist noch nie ein Christ irgendwie blöde gekommen weil ich Heide bin. (Das könnte aber auch mit persönlichem Auftreten und Verhalten zusammenhängen).
Zuletzt geändert von volker am 12.02.2018, 13:36, insgesamt 1-mal geändert.

Tjoralf Andreason
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Re: Eure Erfahrung mit der Bibel / Christentum

Beitrag von Tjoralf Andreason » 17.11.2019, 19:40

Moin,

ich hab in evangelischen Kitas gearbeitet. Und meine Erfahrungen mit dem Christentum sind individuel sehr unterschiedlich:

Von Konservativ á la "wir sind hier evangelisch und machen nur evangelisch" wenn man mal anregte, andere Religionen für und mit den Kindern zu beleuchten über "ich glaube nicht, dass Gott das so gewollt hat", wenn man die Aufsicht während der Mittagszeit über ein schwerst mehrfacheingeschränktes Kind übernahm zu bösen Blicken, als eine von außen kommende Puppenspielerin von Mutter Erde sprach hin zu "alles ist Gott und Gott ist alles", "ein jeder kann kommen", "Gott hat alle Kinder gern" und wieder zu bösen Blicken, wenn Kinder bei Andachten nicht mitsingen wollten. Und Kolleginnen, die diese Taten scharf verurteilten.

Ich selbst habe mich selbst aus dem Christsein entzogen und will demnächst austreten. Es war mir für eine wichtige Zeit rational nützlich, nun habe ich einen guten Träger gefunden, der besser zu mir passt.

Dennoch muss mir gewahr sein, dass ich Ahnen hinter, bzw. vor mir habe, welche in der christlichen Religion Trost, Zuflucht und Gemeinschaft fanden.

Der Grundkonsens des Glaubens an eine friedliche und akzeptable Gesellschaft ist meiner Ansicht nach in allen Glaubensbewegungen zu finden. Nur eben wird aufgrund einer von oben diktieren Missionswütigkeit und dadurch letztlich Ausgrenzung eben jene nicht erreicht.

Ich las dazu mal ein wunderbaren Text, der mich sehr bewegt hat:
"Religion ist wie ein paar Schuhe. Wenn du deine passenden gefunden hast, super. Aber zwing mich nicht, die selben zu tragen."
Liebe Grüße aus der märkischen Heide :mrgreen:

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Blumenfee
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Re: Eure Erfahrung mit der Bibel / Christentum

Beitrag von Blumenfee » 17.11.2019, 21:50

Als amtierende Quotenchristin(tm) hier im Forum kann ich aus meiner Erfahrung nur sagen, dass mir Menschen, die eine Bindung zu Höherem haben, allemal besser gefallen als solche, die unreflektiert dem Konsum, der Mode oder einer Ideologie leben.

Fundamentalisten gibt allerdings in allen Richtungen. Das sind dann aber oft unsichere Menschen, die im formalen Klammern an Bibel, Edda oder sonst eine Vorlage Halt suchen und weniger die lebendige Beziehung zu einer oder mehreren Gottheiten pflegen.

Gruß
Blumenfee

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Re: Eure Erfahrung mit der Bibel / Christentum

Beitrag von Angelotheist » 18.11.2019, 00:40

Fundamentalisten gibt allerdings in allen Richtungen. Das sind dann aber oft unsichere Menschen, die im formalen Klammern an Bibel, Edda oder sonst eine Vorlage Halt suchen und weniger die lebendige Beziehung zu einer oder mehreren Gottheiten pflegen.
Oh ja, das kann ich nur bestätigen! Als ich noch Christ war (FEB/2018 ausgetreten), habe ich einige Kreationisten und sogar Leute kennen gelernt, die glauben, dass die Erde eine Scheibe ist... :? Und der Herr Baron hat mal (noch bei Wodans Erben) geschrieben, dass ein Blutmond (totale Mondfinsternis) ein sehr schlechtes Omen wäre. Interessanterweise kenne ich andere Leute, die eine Mondfinsternis ls etwas durchaus positives sehen... :roll:

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Markus Nicklas
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Re: Eure Erfahrung mit der Bibel / Christentum

Beitrag von Markus Nicklas » 18.11.2019, 09:32

Tjoralf Andreason hat geschrieben:
17.11.2019, 19:40
Dennoch muss mir gewahr sein, dass ich Ahnen hinter, bzw. vor mir habe, welche in der christlichen Religion Trost, Zuflucht und Gemeinschaft fanden.

Der Grundkonsens des Glaubens an eine friedliche und akzeptable Gesellschaft ist meiner Ansicht nach in allen Glaubensbewegungen zu finden. Nur eben wird aufgrund einer von oben diktieren Missionswütigkeit und dadurch letztlich Ausgrenzung eben jene nicht erreicht.
Danke, das sehe ich ähnlich, denn ohne meine christlichen Ahnen wäre ich nicht hier. Frei nach Schlingensief: "Wenn mich jemand in ein moraltheologisches GEspräch verwickeln möchte, dann breche ich das Gespräch ab."

Ich halte die Möglichkeit für gegeben, dass sich hinter manchen sogenannten Heiligen auch eine herzliche, weltgewandte Person verbirgt, die mehr als nur etwas für die Ureinwohner und deren Weltauffassung übrig hat, erlaube mir in diesem Bezug Claude Lecouteux zu lesen, der auf die Prozesse vom Land zu Göttern eingeht.

Die Frage, wie sich eine Person verhält, die in einer Zeit lebt, in der es das Leben kosten kann, sich für das Überlieferte einzusetzen, mag jeder für sich selbst erwägen. So weit zurückliegend, 1200 Jahre oder mehr, halte ich Annahmen für nicht erwägenswert. Allerdings empfehle ich, sich mit der Kolonisation anderer Kontinente zu befassen.

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