Eure Erfahrung mit der Bibel / Christentum

religionswissenschaftliche und historische Themen ausserhalb des germanisch/skandinavischen Kontexts
volker
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Beitrag von volker » 08.02.2017, 11:31

Zitat Haganrix : "Wie sehr in Europa die herrschende Logik und die herrschende Religion zueinander im Widerspruch stehen, ist das wohl zentrale Thema des nachfolgenden Interviews"

Naja das mit der "herrschende(n) Logik" lass ich einfach mal unkommentiert stehen, aber was soll denn mit "herrschende Religion" gemeint sein ?
Ich fühle mich hier in Europa von keiner Religion "beherrscht", nicht mal von meiner eigenen.
Ich hatte auch noch nie das Gefühl hier irgendwann einer herrschenden Religion ausgeliefert gewesen zu sein.

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Markus Nicklas
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jeder Zeit ihre Ideen und religiösen Begegnungen

Beitrag von Markus Nicklas » 08.02.2017, 18:42

Über die betrüblichen Ereignisse zwischen sogen. Christen und Heiden ist für mich genug gesagt. Ich bin diese Ansätze, die ohnehin nur Unterschiede wollen leid.

Interessanter finde ich, welche Ideen beiden gleich sind, ob die Muster sich gar ähneln oder je in Konkurrenz gewesen zu sein.

"Der Begriff Leizla in der altnordischen Visionsliteratur - kontrastierend importierte und einheimische Genres?

I Einführung. Die Visionsgattungen

In ganz Europa im Mittelalter waren Visionen ein beliebtes Genre. Sie wurden in viele der Mundarten, einschließlich des Altnordischen, übersetzt. In den meisten Sprachen entlehnte man den lateinischen Begriff visio entweder als Genre-Bezeichnung, oder sie verwendeten indigene Wörter, die visio in der Bedeutung von 'Vision, etwas gesehen' übersetzten. Im Altnordischen wurde jedoch eine völlig andere Lösung gewählt. Leizla, der Begriff, der in den meisten Fällen visio übersetzt, bedeutet wörtlich „leiten, führen“. Dieser Artikel zielt darauf ab, zu erklären, warum dieser Begriff gewählt wurde.
Der lateinische Begriff visio deckt eine Vielzahl heterogener Texte ab. In einem Versuch der Systematisierung, verwendet Dinzelbacher (1981: 29) fünf Kriterien, um einen modernen, analytischen Begriff von „Vision“zu begründen. Dieser teilt sich in zwei Arten. Die Erste kann als Wanderungen im Jenseits zusammengefasst werden („Visionen von Himmel und Hölle“, in Gardiner 1993: xviii ff.). Sie sind moralisch lehrreiche christliche Geschichten über Menschen, die ins Jenseits gereist sind - Himmel, Hölle und Fegefeuer - und was sie dort gesehen und erlebt haben. Als Augenzeugen geben sie einen Bericht darüber, wie die Landschaft im Jenseits ist, wie schrittweise die Sünder schlimmer in schrecklicher Weise bestraft werden, je tiefer man in die Hölle eindringt und wie das ewige Leben proportional angenehmer wird, je höhere nach oben man im Himmel kommt. Die Reise wird unwillkürlich von der Seele (anima, „Luft, Wind, Atmen, Leben, Seele“ oder spiritus, „Atem, atmen, Leben, Geist“; über die Verbindung zwischen Atem und Seele / Geist / Gemüt, siehe Heide 2006b) der Person unternommen, die die Vision hat, während ihr Körper, möglicherweise leblos, zurückgelassen wird, weil die Person in der Nähe des Todes, Träumens oder in irgendeiner Art von Extase ist."

Eldar Heide

Das ist ein teil der Einführung zu einem längeren Text, den er jüngst in Englisch auf academia veröffentlich hat. Noch spannender wird es, wenn man sich beispielsweise mit berichten sogen. Delog aus dem tibetisch-buddhistischen Kulturkreis befasst. Delog sind Leute, die oft tagelang in einem dem Tode gleichen Zustand verweilen, im Jenseits reisen und Bericht mit zurück bringen.
Markus (Adolfo Amadeus) Nicklas

"Ironie ist systembestätigend."
Christoph Schlingensief

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Heidan Frihals
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Beitrag von Heidan Frihals » 09.02.2017, 11:04

Also ich bin "christlich-evangelisch" aufgewachsen, wobei das zuhause nie wirklich ein Thema war. Taufe, Konfirmation, Jungschar/Jugendraum (einziges Kinder- und Jugendangebot) und dann auch Zivildienst bei der Landeskirche. Alles so mitgemacht, ohne das ernsthaft inhaltlich zu studieren. Die Bibel bestand aus Geschichten, die weit weg von mir und meinem täglichen Leben waren. Gerade beim Zivildienst stellte ich dann fest, dass diese Kirche einfach nur ein Apparat ist. Arbeitgeber, Behörde, Geldsammler und -verteiler. Die christlichen Tugenden kamen da ganz zum Schluss, wenn überhaupt. Der Landespfarrer hatte eine Affäre mit unserer Abteilungsleiterin (beide verheiratet), die Frauenbeauftragte wünschte sich die RAF zurück, das Geld wurde mit vollen Händen zum Fenster rausgeworfen und einige Pädagogen "glänzten" mit Geschichten über ihre "coolen Aktionen" gegen die Polizei in jungen Jahren. Für mich war es da ein Ritterschlag, als schlechtester Zivi aller Zeiten verabschiedet zu werden. Kurzum: Diese Zeit prägte und brachte mich dazu, genauer hinzusehen und schlussendlich aus der Kirche auszutreten. Es folgte dann allerdings eine ziemlich leere Zeit, denn die Kirche war als Organisation und auch inhaltlich kein Thema mehr für mich. Ohne Glauben ging es aber auch nicht. Ich beschäftigte mich mit dem Islam, der auf mich den Eindruck eines "clevereren Christentums" machte, mir im Herzen allerdings genauso fremd war und bis heute ist.

Als ich dann das erste Mal ein Buch über unsere Götter las, war das, als ob ich mit den Inhalten vertraut sei, auch wenn ich die Geschichten gar nicht alle kannte. Eine Art "Heimkommen", ein innerlich "angefasst" werden, berührt und gerührt sein. Ich kann es nicht besser beschreiben. Es fühlte sich so an, als hätten die Götter mich angesprochen und nicht, als hätte ich sie suchen müssen.

Auf Jesus (der mir als Figur immer suspekt war) bezogen, finde ich das Zitat von Klaus Kinski interessant: "Es hat ihn (Jesus) gegeben. Tausend, Millionen Mal hat es ihn gegeben...".
Also Menschen, die anderen geholfen haben, die durch Erzählungen zur Legende wurden, zu der viele ihre Geschichten addierten, sie veränderten und somit die Legende schufen, die überall Wunder vollbrachte.

Soviel zu meinen Erfahrungen. Ich weiß natürlich, dass nicht alle Christen so sind, wie die, die ich erlebt habe. Es gibt in allen Glaubensrichtungen Licht und Schatten und ich mache das nicht am Glauben einer Person fest. Am Ende ist es aber auch das, was das Heidentum für mich so stark macht: Ich brauche keine Gruppe, kein Gebäude, keine Steuer, keine Beichte, um den Göttern nahe zu sein, sie um etwas zu bitten oder um mich zu bedanken. Das ist eine Sache zwischen ihnen und mir. Ich kann dazu natürlich in eine Gruppe (Eldaring, etc.) gehen, aber es geht auch problemlos ohne und das dienst am Ende beiden: Der Gruppe, weil nur die kommen, die möchten (und sich nicht verpflichtet fühlen) und jenen, die den Glauben lieber alleine leben.
Naht in Ehrfurcht, naht in Andacht,
Und was unhold, bleibe ferne;
Unsre Zeugen sind die Götter,
Stummer Wald und stille Sterne.

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Sigisberg
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Beitrag von Sigisberg » 09.02.2017, 15:24

Alter, was ne Diskussion. Von der Ausgangsfrage - "Welche persönlichen Erfahrungen habt ihr mit der Bibel" zu ner Diskussion "Wie finde ich das Christentum". Leider sieht man hier auch an und ab die Tendenz zum Christenbashing oder eine Argumentationslinie, die man den Christen im Verhältnis zu Nicht-Christen oft vorwirft. Mangelndes - auch inhaltliches - Verständnis etc. Aber es git auch sehr differenzierte Beiträge und das ist gut so.

Also vorweg, ich bin auch die meiste Zeit meines Lebens Christ gewesen. Luth.Ev. . Nicht nur reingeboren sondern später mit Überlegung. Nicht fanatisch sondern im Versuch ein tatsächliches Verständnis zu haben. Leider haben die meisten CHroisten eben kein Verständnis von dem was das Christentum wirklich bedeutet oder beinhaltet. Tatsächlich sind ja fast alle Christen eher "Paulinisten" nachdem Paulus das Christentum und das was gut und richtig ist im Wesentlichen und oft auch vorbei an der ursprünglichen Idee und Bedeutungbestimmt und ausgelegt hat. Und es geht eben um mehr als "Liebe deinen Nächsten" und die Kreuzigung.

Ebenso bewusst hab ich mich später und vor kurzem erst vom Christentum abgewand.

Zur Bibel: So unverständlich ist die garnicht. Es kommt im Wesentlichen auf die Übersetzung asn. Da gib es ne menge moderne Übersetzungen (sprich moderne Sprache) und ne menge neuer Übersetzungen, die näher an den Quelltexten sind. Dazu darf man natürlich den historischen und kulturellen Kontext gerade auch des AT nicht ausser Acht lassen. Die Genialogie etc ist z.B. für die religiös-historische Legitimation wichtig. Und klar, die meissten Christen glauben nicht an die wörtliche Bedeutung der Bibel, vor allem nicht des AT. Irgendwer hat gesagt, die Edda böte da mehr, auch im Hinblick auf Lebensideen, Da frag ich mich, was denn genau? Zudem ist die Edda ja nun wirklich kein religiöser Text im Sinne der Bibel oder des Koran und auch nicht gerade in einfach verständlichem Stil geschrieben. Und es wird auch vin usn wirklich niemand glauben, dass Universum und Erde aus Ymirs Knochen, Blut und Fleisch geschaffen wurden.

Für die Bibel ist - wie für jedes andere Buch mit spirituell-religiösen Inhalten (und darunter kann man in dieser Form dann auch die Edda fassen), eine eingehende, tiefere Beschäftigung wesentlich, ein Verständnis des Umfelds etc. Es sind eben nicht nur Geschichten zum lesen. Es geht um MAcht, Vorherrschaft, Durchsetzung und Behauptung im historisch-religiösen Zusammenhang. Wer z.B. meint, die Biebel - oder YHVH sagt dass es tatsächlich keine weiteren Götter gibt irrt. Der Gottesbegriff wird im Plural und in einer männlich-weiblichen Form gebraucht. Zudem wird durchaus auch von anderen Göttern gesprochen, unter denen YHVH seinen Thron nehmen wird (oder so ähnlich in diesem Sinne). Aber die Judensollten eben keinen anderen Gott anbeten, nur diesesn einen haben. Das Judentum ist und war ja nie missionarisch sondern ausschliesslich ans eigene Volk gerichtet. Es ging also um die Überlegenheit von YHVH gegenüber anderen Göttern und weniger um die Ausschliesslichkeit.

Ich halte die Bibel selbst für ein wichtiges Buch, wichtig weges ihres Inhalts und wichtig für das Verständnis so vieler Dinge die immer noch vorgehen. Was man dann aus dem Inhalt für sich selbst zieht ist dann eine andere Frage. Wörtlich nehmen sollte man sie jedenfalls in weiten Teilen nicht.

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Frühnebel
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Beitrag von Frühnebel » 13.02.2017, 22:38

Vorab: Bewusst habe ich nach kurzen Überschmökern erst einmal darauf verzichtet die Beiträge bis hierher zu lesen, weil ich befürchte, das würde mich von dem ablenken, was ich eigentlich zur Ausgangsfrage würde beisteuern können und das wäre folgendes:

Wie in der Vorstellung erwähnt bin ja auch ich christlich-evangelisch aufgewachsen, zumindest bis zum einem gewissen Punkt. Rückblickend glaube ich, dass ich schon immer ein sehr gläubiger Mensch war mit einer gefühlt sehr engen Verbindung zum Andersseitigen und eine Weile, als Kind, habe ich das andere Ende dieser Verbindung recht verzweifelt im christlichen Gott gesucht,aber da war es nicht. Dabei fühlt sich für mich der christliche Gott (an dessen Existenz ich ebensowenig zweifle wie an der irgendeiner anderen Gottheit irgendeiner Religion, weil für mich mit dem ersten Funken Glauben der Gott geboren ist) allerdings vollkommen anders an als die Bibel oder der handelsübliche Alltagschrist. Von Berufschristen mal gar nicht zu sprechen... Wobei ich die Bibel auch schlicht nicht "ernst" nehmen kann. Da weigert sich mein Verstand irgendetwas anderes darin anzunehmen als die Ergüsse diverser Männer aus einer Zeit, die aus gutem Grund vergangen ist. Dass der ein oder andere Visionen seines Gottes gehabt haben mag, will ich nicht in Abrede stellen. Aber wenn, dann ist davon nur sehr wenig in diesem Buch. Der Mammutanteil ist für mich alles andere als übermenschlich im Wortsinn.

Wenn ich bewusst über das Christentum nachdenke, werde ich relativ schnell wütend und distanziert, denn meine Kultstätten, meine Feiertage, meine Rituale muss ich heutzutage unter christlicher Promo ausgraben resp. müsste das ein oder andere Kloster, Kirche oder Gedenkstätte quasi anzünden um dran zu kommen und das ist einfach nicht rechtens und nicht richtig. Ey, die stellen sich Bäume ins Wohnzimmer zu Weihnachten, hängen Äpfel dran und denken, das wär Jesus eingefallen... und wenn sie wissen, du bist Heide, kommen Sprüche wie "ach, aber Weihnachten feiern geht dann doch, ja?" Na sicher. Christkind kam ja auf einer Tanne zur Erde geritten mit einem Apfel im Mund... Weiß man doch.

... nein, ich reg mich nicht auf.

Was ich sagen wollte.

Meine Erfahrungen mit Christen selbst waren sehr, sehr durchwachsen. Mit der Tochter eines evangelischen Pfarrers habe ich mit die offensten Gespräche ever geführt, von anderen gläubigen Christen habe ich mir dann schon auch mal anhören dürfen, ich sei Gottes Kind, ob ich dran glaube oder nicht. Auf solche Zwangschristianisierung reagiere ich dann eher allergisch. Allgemein nehme ich viele gläubige Christen als sehr abwertend meinem Glauben gegenüber wahr. Das wird als einer Art Spinnerei abgetan.

Es gab da vor einer Weile ein tolles Spruchbild auf Facebook... vonwegen jüdischer Zombie bringt dir Seelenheil, wenn du sein Fleisch isst und sein Blut trinkst... das Glashaus ist recht klein, wie ich finde.

Glaube ist Glaube und auch wenn niemand meinen Glauben teilen soll oder muss, achten und mir diesbezüglich respekt- und taktvoll begegnen, das muss ein Mensch meines Erachtens durchaus. Tu ich umgekehrt ja auch.

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Armin
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Beitrag von Armin » 17.02.2017, 21:07

Ich bin gerade vorhin zufällig auf diesen Film gestoßen Irgendwie hat er mit der Thematik ja auch zu tun.

Ich sag mal so: ich empfehle ihn wärmstens, aber er ist wirklich nichts für sensible Gemüter. Er hat mich bis auf die Tränen zornig gemacht!

http://www.arte.tv/guide/de/049825-000-A/kreuzweg

Haganrix
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Beitrag von Haganrix » 25.10.2017, 23:47

[quote='Jehovah','index.php?page=Thread&postID=144009#post144009']Zu Deiner Frage, wer denn 100% an den Inhalt der Bibel glauben kann:
Christliche Fundamentalisten (insbesondere in den USA) tun das! Und als Kreationisten gehen sie sogar so weit, dass sie alles 100% wortwörtlich nehmen, und sämtliche wissenschaftliche Theorien, wie die Theorie der Entstehung des Weltalls durch den Urknall und die Entwicklung des Lebens durch die Evolution für Teufelswerk halten und nur die Schöpfung nach Genesis 1 und 2 als gültig ansehen! Dabei übersehen sie voll und ganz, dass Genesis 1,1-2,4a und Genesis 2,4b-25 zwei völlig unterschiedliche Berichte sind, die sich sogar zum Teil erheblich widersprechen! Dies nur als Beispiel.[/quote]

Schon richtig, aber haben im 13. Jahrhundert nicht auch Menschen zu 100% an die Geschichten der Edda wie beispielsweise das Ginnungagap und die Urkuh Adummla geglaubt? Und daran, daß die Welt aus Leichenteilen eines Riesen erschaffen wurde?
Der Geist schaut alles zugleich, während die Rede eines nach dem Anderen erzählt (Saloustios, Von den Göttern und der Welt, Kapitel IV, Abschnitt 9).

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Angelotheist
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Beitrag von Angelotheist » 26.10.2017, 00:11

Im 13. Jh. war das vielleicht so, aber heute ...?

Mich bedrückte es, dass es in meiner Religion (und übrigens auch im Judentum und im Islam) Leute gibt, die so fanatisch in ihrem Glauben sind, dass sie u.a. jede form der Naturwissenschaft und jedes Weltbild, das ihrer Meinung nach nicht mit dem der Bibel (bzw. des Korans) übereinstimmt, für Teufelswerk halten... Und, das ist jetzt leider kein Scherz, das geht sogar so weit, dass es noch heute, im 21. Jh Leute gite, die tatsächlich fest davon überzeugt sind, dass die Erde eine Scheibe ist!

https://theflatearthsociety.org/home/

Da wäre es interessant zu erfahren, ob es auch im Heidentum Leute gibt, die das wissenschaftliche Weltbild ablehnen und ein anderes (wie auch immer dies dann ausschaut) für einzig wahr und richtig halten!
[font='Comic Sans MS, sans-serif']Friede und langes Leben![/font]
[font='Comic Sans MS, sans-serif']Unendliche Möglichkeiten in unendlichen Kombinationen[/font][font='Comic Sans MS, sans-serif']
[/font]

Khorud
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Beitrag von Khorud » 26.10.2017, 11:05

Auf jeden Fall keine schlechten Erfahrungen, ich weiß aber nicht, ob es daran liegt, dass ich in Berlin lebe :D . Ich wurde auch konfirmiert und hatte freiwilligen Religionsunterricht in der Schule und muss sagen, dass das einer meiner besten Jugendabschnitte war. Es gab keine Dogmen oder ähnliches , es wurde halt viel diskutiert und aufgeklärt ( auch bzw. vor allem im humanistischen Sinne). Unsere Reli Lehrer waren top und zum Teil Bezugspersonen. Es gab auch Fahrten nach Italien und Wittenberg und habe das ganze als angenehm und spaßig empfunden, da es echt null zwang gab und wir uns offen bewegen konnten. In Italien habe ich mir auch zum ersten Mal die Hucke zu gesoffen mit den Lehrern etc.

Ich habe auch einen Bezug zum Islam , bedingt durch meine andere Hälfte der Familie, sehe das Ganze aber relaxed, obwohl einige gläubig sind, dennoch ein sehr humanistisch liberales Bild pflegen und ich dem ganzen relativ locker und entspannt gegenüber stehe. Wissen zum Beispiel viele nicht, dass es im Sufismus , der besonders in der Türkei ausgeprägt ist, auch eine Heiligen verehrung gibt. Ich bin mir ziemlich sicher, dass das noch aus dem alten Byzanz übernommen wurde :)

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Verdandi42
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Beitrag von Verdandi42 » 26.10.2017, 14:20

[quote='Jehovah','index.php?page=Thread&postID=145983#post145983']
Da wäre es interessant zu erfahren, ob es auch im Heidentum Leute gibt, die das wissenschaftliche Weltbild ablehnen und ein anderes (wie auch immer dies dann ausschaut) für einzig wahr und richtig halten![/quote]Hallo,

vermutlich gibt es sowas, habe ich allerdings noch nicht persönlich angetroffen.

Im Selbstverständnis des Eldaring heißt es: "Nach Ansicht des Eldarings schließen sich das wissenschaftliche und das
magische Weltbild dabei nicht gegenseitig aus, sondern ergänzen
einander. Beide bereichern das Wirklichkeitsverständnis."

D.H. wenn jemand ernsthaft behaupten wollte, die Welt sei im physikalischen Sinne von einer Kuh aus dem Eis geleckt worden, würde man ihm wohl eine Therapie empfehlen ;-)

Gruß
Petra
“Heathen, n. A benighted creature who has the folly to worship something he can see and feel.”
― Ambrose Bierce, The Unabridged Devil's Dictionary

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Angelotheist
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Beitrag von Angelotheist » 27.10.2017, 00:03

[quote='Verdandi42','index.php?page=Thread&postID=145990#post145990']Im Selbstverständnis des Eldaring heißt es: "Nach Ansicht des Eldarings schließen sich das wissenschaftliche und das
magische Weltbild dabei nicht gegenseitig aus, sondern ergänzen
einander. Beide bereichern das Wirklichkeitsverständnis."[/quote]

Klingt gut! :thumbup:
[font='Comic Sans MS, sans-serif']Friede und langes Leben![/font]
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Preusselchen
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Beitrag von Preusselchen » 28.10.2017, 18:03

[quote='Jehovah','index.php?page=Thread&postID=145983#post145983']Da wäre es interessant zu erfahren, ob es auch im Heidentum Leute gibt, die das wissenschaftliche Weltbild ablehnen und ein anderes (wie auch immer dies dann ausschaut) für einzig wahr und richtig halten![/quote]Na ja, wenn es solche Leute im Heidentum gibt, die das wissenschaftliche Weltbild zugunsten eines mythologischen Weltbildes gänzlich ablehnen, so sind das in meinen Augen Leute, die sich wirklich nur oberflächlich mit dem Heidentum beschäftigt haben und deren Definition von „Religion” gänzlich christlich geprägt ist, nämlich dass Religion = Glaube ist.

A und O im Christentum ist Jesus. Durch den Glauben an ihn und seine Auferstehung kann ein jeder Mensch ebenfalls in den Himmel kommen. Ein guter Christ ist einer, der den richtigen Glauben hat, der fest im Glauben steht. Und die Bibel als heiliges Buch verbürgt sich ja geradezu für diesen Erlösungsglauben. Wenn nun aber einige Passagen der Bibel durch die Wissenschaft in Zweifel gezogen werden, dann kann auch Zweifel am Versprechen der Wiederauferstehung entstehen, Zweifel am Christentum selbst.

In den mir bekannten heidnischen Religionen fehlen sowohl ein solches Versprechen wie auch mit der Bibel vergleichbare Texte. Die Ilias und die Odyssee des Homer sowie die Theogonie des Hesiod galten zwar als Autoritäten auf mythologischer Ebene, waren aber trotzdem keine religiösen Schriften wie das die Bibel ist. A und O der heidnischen Religionen war nicht der rechte Glaube, sonder die rechte Kulthandlung. Religion wurde bei den Heiden nicht so sehr als (persönlicher) Glaube verstanden, sondern vielmehr als die gewissenhafte Pflege der von den Vorfahren ererbten Riten und Bräuche. Was heute kritisiert wird, nämlich Christen, die nur aus Tradition kirchlich trauen, ihre Kinder taufen lassen und auf die Konfirmation vorbereiten, wäre im heidnischen Rom oder Athen wohl kaum beanstandet worden, da sich diese Menschen an die Riten ihrer Vorfahren halten.

Durch das Fehlen eines heidnischen Credos sehe ich nicht, warum man nicht zugleich Heide sein könne und an die Wissenschaft glaubt. Ein frommer Heide war nicht der, der an die Mythen glaubte, sondern welcher die Riten beachtete. Was er persönlich glaubte, spielte dabei keine Rolle. Ob er nun die von Dichtern (und nicht von Propheten oder Priestern) erzählten Mythen als wahr oder als erfunden betrachtete, die Götter blieben davon unbehelligt.

Dazu kommt ja auch noch, dass es ja die heidnischen Philosophen waren, die die Mythen allegorisch erklärten.

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Angelotheist
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Beitrag von Angelotheist » 28.10.2017, 20:34

[quote='Preusselchen','index.php?page=Thread&postID=145993#post145993']A und O im Christentum ist Jesus. Durch den Glauben an ihn und seine Auferstehung kann ein jeder Mensch ebenfalls in den Himmel kommen. Ein guter Christ ist einer, der den richtigen Glauben hat, der fest im Glauben steht. Und die Bibel als heiliges Buch verbürgt sich ja geradezu für diesen Erlösungsglauben. Wenn nun aber einige Passagen der Bibel durch die Wissenschaft in Zweifel gezogen werden, dann kann auch Zweifel am Versprechen der Wiederauferstehung entstehen, Zweifel am Christentum selbst.[/quote]Ist fast richtig! Es ist aber auch so, dass die Kirchen (und damit meine ich die Großkirchen bzw. die katholischen und die Landeskirchen) die Erkenntnisse der Wissenschaften durchaus akzeptieren (inzwischen!)! Nur einige Freikirchen, vorwiegende in den USA, sind so verkorkst, dass ihre Anhänger die Bibel so wörtlich nehmen, dass sie die Wissenschaften und ihre Theorien verteufeln!
Das heißt, dass es für einen "normalen" Christen kein Problem für seinen Glauben und sein Seelenheil darstellt, wenn er oder sie die Theorien der Wissenschaften über Entstehung der Welt und Evolution als Fakten annimmt!
[quote='Preusselchen','index.php?page=Thread&postID=145993#post145993']Durch das Fehlen eines heidnischen Credos sehe ich nicht, warum man nicht zugleich Heide sein könne und an die Wissenschaft glaubt. Ein frommer Heide war nicht der, der an die Mythen glaubte, sondern welcher die Riten beachtete. Was er persönlich glaubte, spielte dabei keine Rolle. Ob er nun die von Dichtern (und nicht von Propheten oder Priestern) erzählten Mythen als wahr oder als erfunden betrachtete, die Götter blieben davon unbehelligt.[/quote]Ja, und ich muss zugeben, dass die heidnischen Religionen gerade in solchen Dingen den monotheistischen Religionen etwas voraus... Wie ja auch im Bezug auf Naturverbundenheit...
Allerdings würde ich keine der Hohen Mächte als Allegorie verstehen, sondern als existent, und zwar alle! Denn wenn GOTT, die Götter, die Engel und weiß nicht was noch alles nur Sinnbilder wären, dann wären Religionen irgenwie ... naja, keine Religionen, oder?
Ich würde sagen, dass der Glaube an die Hohen Mächte (welche auch immer) auf jeden Fall dazu gehört, denn sonst hat jedes Ritual keinen Sinn, wenn man nicht an die glaubt, denen man opfert, zu denen man betet und denen man sich letztlich anvertraut! Naja, sie können es ja trotzdem hören und handeln, nach dem Motto, "Du glaubst zwar nicht an mich, obwohl Du das Ritual vollziehst, also will ich mal nicht so sein!". Die Mythen sind aber wohl jedoch eher zweitrangig. Und das meine ich auch bezüglich der christlichen Mythen, die es ja in gewisser Weise auch gibt...
[font='Comic Sans MS, sans-serif']Friede und langes Leben![/font]
[font='Comic Sans MS, sans-serif']Unendliche Möglichkeiten in unendlichen Kombinationen[/font][font='Comic Sans MS, sans-serif']
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Preusselchen
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Beitrag von Preusselchen » 28.10.2017, 20:56

[quote='Jehovah','index.php?page=Thread&postID=145996#post145996']Ist fast richtig! Es ist aber auch so, dass die Kirchen (und damit meine ich die Großkirchen bzw. die katholischen und die Landeskirchen) die Erkenntnisse der Wissenschaften durchaus akzeptieren (inzwischen!)! Nur einige Freikirchen, vorwiegende in den USA, sind so verkorkst, dass ihre Anhänger die Bibel so wörtlich nehmen, dass sie die Wissenschaften und ihre Theorien verteufeln!
Das heißt, dass es für einen "normalen" Christen kein Problem für seinen Glauben und sein Seelenheil darstellt, wenn er oder sie die Theorien der Wissenschaften über Entstehung der Welt und Evolution als Fakten annimmt![/quote]Ich weiß nicht viel von den heutigen Kirchen und meinte, was ich schrieb, auch nicht als abwertend :-).
[quote='Jehovah','index.php?page=Thread&postID=145996#post145996']Ich würde sagen, dass der Glaube an die Hohen Mächte (welche auch immer) auf jeden Fall dazu gehört, denn sonst hat jedes Ritual keinen Sinn, wenn man nicht an die glaubt, denen man opfert, zu denen man betet und denen man sich letztlich anvertraut! Naja, sie können es ja trotzdem hören und handeln, nach dem Motto, "Du glaubst zwar nicht an mich, obwohl Du das Ritual vollziehst, also will ich mal nicht so sein!". Die Mythen sind aber wohl jedoch eher zweitrangig. Und das meine ich auch bezüglich der christlichen Mythen, die es ja in gewisser Weise auch gibt...[/quote]Ganz ohne Glauben kann ich es mir auch nicht vorstellen. Den Sinn verliert das Ritual dennoch nicht. Man nehme zum Beispiel den Brauch, am 25. Dezember Kerzen anzuzünden. Vermutlich eine Art „sympathetische” Magie: durch das Brennen der Kerzen kräftigt man die wiederkehrende Sonne. Oder man macht sie - wie in Japan - neidisch. Heute weiß ich, dass die Sonne ab dem 21.-25. Dezember wieder länger wird, ob ich da nun was Spezielles mache oder nicht, Kerzen anzünde oder nicht. Aber früher glaubten die Menschen daran und es ist doch schön, die alten Bräuche zu pflegen.

Und ich denke eben auch eher von den alten Göttern, dass sie nicht so sehr von den Menschen verlangten, dass man an sie glaubt, sondern eben dass diese die kultische Verehrung nicht vernachlässigten. Man ging davon aus, dass es Götter gab, entweder beschrieben wie in der Mythologie oder Philosophie. Sogar wenn man die Götter als Allegorien auffasste, Isis als die Erde, Osiris als das Wasser, Zeus als das Feuer usw., brauchte man nicht von ihnen überzeugt werden, um an sie zu glauben: sie waren so oder so da, ob man an sie glaubt oder nicht.

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Angelotheist
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Beitrag von Angelotheist » 30.10.2017, 00:51

[quote='Preusselchen','index.php?page=Thread&postID=145997#post145997']Ich weiß nicht viel von den heutigen Kirchen und meinte, was ich schrieb, auch nicht als abwertend :-).[/quote]Habe ich auch nicht als abwertend aufgefasst! ^^
[quote='Preusselchen','index.php?page=Thread&postID=145997#post145997']Den Sinn verliert das Ritual dennoch nicht. Man nehme zum Beispiel den Brauch, am 25. Dezember Kerzen anzuzünden. Vermutlich eine Art „sympathetische” Magie: durch das Brennen der Kerzen kräftigt man die wiederkehrende Sonne. Oder man macht sie - wie in Japan - neidisch. Heute weiß ich, dass die Sonne ab dem 21.-25. Dezember wieder länger wird, ob ich da nun was Spezielles mache oder nicht, Kerzen anzünde oder nicht. Aber früher glaubten die Menschen daran und es ist doch schön, die alten Bräuche zu pflegen.[/quote]Das kann ich nur unterschreiben! ;)

[quote='Preusselchen','index.php?page=Thread&postID=145997#post145997']sie waren so oder so da, ob man an sie glaubt oder nicht.[/quote]
Und das auch! :thumbup: Wobei ich nicht "wahren da" sonder "sind da" sagen würde! ;)
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