Geschichte der Astrologie

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Blumenfee
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Geschichte der Astrologie

Beitrag von Blumenfee » 22.03.2020, 10:56

Neulich habe ich beim Stammtisch von Fafnirs Hort diesen Vortrag gehalten. Und weil ihr jetzt ja unendlich viel Zeit für etwas Neues habt, hier eine schriftliche "Wiederholung":

Was man leicht auf Wikipedia nachlesen kann, werde ich hier nicht wiederholen, also wann und wer die Sumerer waren und die Merkwürdigkeiten ihrer Sprache. Mir geht es um die Entstehung der westlichen Astrologie.

Die Sumerer vor ca. 4500 Jahren betrieben zwei "Hobbies": Sterne gucken und Informationen sammeln/aufschreiben.

Wenn man in einer klaren Nacht an den Himmel schaut, gibt es zwar viele Sterne, aber wie will man Erscheinungen dort als Information aufschreiben? "Der helle Fleck zog sich von Halblinks unten nach oben hin"? - Nicht sehr brauchbar. Deshalb erfanden die Sumerer als erstes die Sternbilder: Sie verbanden optisch helle Sterne zu "Bildern" und gaben ihnen Namen. (Es wird vermutet, dass dies im Prinzip schon frühere Menschen taten, aber sie schrieben nichts dazu auf und so blieb das unverbindlich).
CetusCC.jpg
Sternbild Walfisch, Wikimedia Commons, Till Credner

Das älteste Sternbild ist wahrscheinlich Tiamat (heute: Cetus, Walfisch). Es soll ein Meeresungeheuer sein, die Hälfte von Marduks Mutter Tiamat, die er erschlug: Eine Hälfte wurde die Erde, die andere zum Sternbild. Heute teilen wir den Himmel automatisch in Sternbilder ein, wenn wir ihn beschreiben wollen. Die sumerische Methode wird bis heute verwendet, weil sie einfach praktisch ist.

Man sollte sich jedoch klar machen, dass die Sternbilder nicht wirklich existieren. Sie sind zweidimensional, während der Weltraum dreidimensional ist. Deshalb werden da Sterne zu Bildern zusammengefasst, die manchmal Millionen von Lichtjahren voneinander entfernt sind und gar nichts miteinander zu tun haben. Es sind "hineingeguckte" Bilder, wie man es auch manchmal mit einer Wolke macht.

Aber weil sie so gut geeignet sind, Ortsangaben am Sternenhimmel zu präzisieren, hat sich diese Methode bis heute erhalten.

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Re: Geschichte der Astrologie

Beitrag von Blumenfee » 22.03.2020, 11:12

Anscheinend gibt es mindestens zwei Interessenten für diesen Text. :) Also mache ich weiter:

Bei den täglichen (besser: nächtlichen, frühmorgendlichen) Himmelsbeobachtungen machten die Sumerern eine Entdeckung:
Genau im Osten, also da, wo die Sonne gleich erscheinen würde, gingen im Lauf des Jahres 11 Sternbilder auf, was sich jedes Jahr wiederholte.

Der Kreislauf begann zum Zeitpunkt der Frühlings-Tag-und-Nachtgleiche mit den Sternbild Ackerbauer, dann folgte der Himmelsstier, Doppelbild, Schildkröte, Löwe, Ackerfurche, Skorpion, Krieger, Ziegenfisch, Deukalion, Schwänze. Aufgrund der jährlichen Wiederkehr nahmen die Astrologen an, dass diese 11 Sternbilder einen Kreis am Himmel bilden. Sie definierten diese Sternbilder als Wohnsitze ihrer Götter. Zeitweise wurden die Scheren des Skorpions als eigenes 12. Sternbild Waage betrachtet, aber das wurde endgültig erst im 3. Jahrhundert v. d. Z. festgelegt.

Gleichzeitig beobachteten sie, dass im Gegensatz zu den scheinbar unveränderlichen Sternbildern in ihnen sich bewegende "Sterne" erschienen, die sich unterschiedlich schnell bewegten. Diese Sterne sahen sie als Botschafter der Götter an. Ihre Bewegung, Erscheinung, Verfinsterung, scheinbarer Rückwärtslauf, usw. wurde beobachtet und als Nachricht der diesem Stern zugeordneten Gottheit interpretiert. Für die Deutung gab es Orakel"bücher", in denen die Astrologen nachschlagen konnten.

Diese Art Astrologie war komplett in der Hand der Tempel. Es war die Aufgabe der Astrologen-Priester jederzeit festzustellen, was die Götter wollten, dies dem König mitzuteilen, so dass dieser den Frieden mit den Göttern halten konnte.

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Re: Geschichte der Astrologie

Beitrag von Blumenfee » 22.03.2020, 11:18

Wer sich bereits ein wenig über Astrologie informiert hat, wird in dem Kreis der Sternbilder unschwer das erkannt haben, was wir heute "Tierkreis" nennen. Diesen Namen haben aber erst die Griechen im 1. Jahrtausend v.d.Z. gegeben: Zodiakos. Wörtlich übersetzt "Kreis von Lebewesen"; dabei bezogen sie sich allerdings auf den 11er-Kreis ohne die Waage, denn die ist kein Lebewesen. Aber als man sich auf den 12er-Kreis geeinigt hatte, blieb der Name.
Der deutsche Name ist eine etwas unglückliche Übersetzung, denn Jungfrau, Schütze oder Wassermann sind auch keine Tiere. Aber er ist fest eingebürgert.

Bei den Sumerern, Akkadern und Babyloniern galt dieser Kreis von Sternbildern als stabile Möglichkeit, die Position eines beweglichen Himmelskörpers zu definieren. Zwischen Planeten und einigen Fixsternen wie z. B. dem Sirius wurde allerdings noch nicht unterschieden. Man ging allein nach der Helligkeit.

Den Priester-Astrologen genügten nach einigen Jahrhunderten die Orakelsprüche nicht mehr und sie begannen systematisch Daten zu sammeln. Man schrieb die jeweilige Tageskonstellation auf und was sich an diesem Tag ereignete (jahrhundertelang jeden Tag). So entstanden riesige Datensammlungen, die zum größten Teil bis heute noch nicht übersetzt sind. Aber nachfolgende 'Sterngucker' benutzten diese Sammlungen: Wenn sie bestimmte Positionen von Planeten sahen, konnten sie nachlesen, was bei einer entsprechenden Konstellation früher schon einmal passiert war, und so eine Deutung formulieren. Die Erfahrungen, die auf diese Weise erworben wurden, legten die Grundlage für die Astrologie. Die babylonischen Magi von denen in der Bibel berichtet wird und die heutzutage irrtümlich "Heilige drei Könige" heißen, haben aufgrund dieser Erfahrungen einen "König der Juden" gesucht. Selbst Ptolemäus, der zu Beginn des 2. nachchristlichen Jahrhunderts das erste "Lehrbuch" der Astrologie schrieb, bezog sich auf diese "Astronomischen Tagebücher".

Ab 800 v. d.Z. wurde dann alles ganz anders . . .

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Re: Geschichte der Astrologie

Beitrag von Blumenfee » 22.03.2020, 18:23

Die quasi Einheit von Religion, Astrologie und Königtum existierte fast zweitausend Jahre, bei den Sumerern, Akkadern, Medern, Babyloniern . . . alles, was in dieser Zeit das Zweistromland bevölkerte und/oder beherrschte.

Das erste Jahrtausend vor der Zeitenwende brachte dann eine totale Veränderung der Astrologie:
Mathematisierung und Säkularisierung

Die folgenden Entwicklungen liefen parallel, nicht in der Reihenfolge dieser Schilderung.

Das wichtigste war die Eroberung des babylonischen Reiches durch die Perser. Sie brachten ihre eigene Religion mit, den Zoroastrismus, dessen Gottheiten nichts mit den Sternbildern zu tun hatten. Die Perser erlaubten zwar ihren Untertanen den eigenen Glauben weiter zu praktizieren, aber die politisch-soziale Einheit von Königtum, Staat, Religion und Astrologie war dahin. Nach ca. 2000 Jahren musste alles neu erfunden werden.

Das persische Reich reichte zur Zeit seiner größten Ausdehnung vom Indus bis an die Grenze Griechenlands. Es hatte - wie alle großen Reiche in der Antike - den Vorteil, dass man ungehindert über große Entfernungen reisen konnte. Der wissenschaftliche Austausch zwischen Ägypten (Alexandria), Griechenland (Chalkidike, Kos) und Babylon wurde intensiviert, so dass man im Nachhinein von vielen Errungenschaften nicht mehr sagen kann, von wo sie stammen. So war z. B. Pythagoras in Alexandria und Babylon und danach wurden die Bemühungen erfolgreicher, Planetenkonstellationen mathematisch im Voraus zu bestimmen. Auch die endgültige Festlegung auf 12 Sternbilder fand im Rahmen dieses Austauschs statt.

Der Verlust der wirtschaftlichen Grundlage als Teil der Staatsreligion führte dazu, dass sich astrologisch Gebildete (Priester) in Richtung Westen wandten, insbesondere nachdem dort die aufstrebende Macht Rom sich etablierte. Dabei kam es zu einer Spaltung der Astrologie, die bis heute besteht:
  • Auf Kos wurde die erste Astrologenschule vom ehemaligen Marduk-Priester Berossos gegründet. Dort wurde auch geforscht und das Deutungssystem weiterentwickelt, z. B. durch Einbau der Elementelehre von Aristoteles. Auch heute gibt es seriöse Astrologie und man kann sie (wenn auch nicht in Deutschland) an Universitäten studieren.
  • Gleichzeitig wanderten "Astrologen" in die griechischen und römischen Städte, um dort auf den Märkte ihre Dienste als Zukunftsdeuter anzubieten (von den Römern "Chaldaei" genannt). Diese Art der Vulgärastrologie hat bis in die heutigen Zeitungshoroskope überlebt.
Auch die seriösen Astrologen erstellten jetzt auf der Basis ihrer gesammelten Daten Individualhoroskope, Höhepunkt dieser Entwicklung waren Nero und Poppäa, die sich beide einen Stab von Astrologen hielten.

UND DANN KAM DIE KATASTROPHE . . .

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Re: Geschichte der Astrologie

Beitrag von Blumenfee » 23.03.2020, 07:22

Mathematisierung und Säkularisierung

Mehr als 1000 Jahre lang hatte man Planeten und Sterne beobachtet, zu Vorgängen auf der Erde in Beziehung gesetzt und riesige Keilschrift-Bibliotheken mit den Ergebnissen gefüllt. Die Positionen der Planeten wurden im Tierkreis angegeben.
Zum Beispiel kann es so geheißen haben (mit modernen Bezeichnungen): "Wenn der Mars im Frühjahr mit dem Widder aufgeht, müssen die Bewässerungsgräben kontrolliert werden, denn es wird ein trockenes Frühjahr."
Die Zeitangabe bezog sich auf das Erscheinen des Sternbildes Widder ab dem 21. März, dem Tag der Frühlings-Tag-und-Nachtgleiche (Frühlingspunkt). Alle astrologischen Daten waren auf diese Weise an die Zeitpunkte des Erscheinens der Sternbilder im Osten gebunden.

Spätestens um 500 v. Chr. wurde aber deutlich: Das Sternbild Widder ging nicht mehr am Frühlingspunkt erstmalig auf, sondern drei Wochen später! Und dem folgten alle anderen Sternbilder mit gleicher "Verspätung". Waren jetzt alle gesammelten Daten nichts mehr wert? Obige Aussage macht gar keinen Sinn, wenn das Sternbild Widder Wochen zu spät aufgeht.

Astronomisch ist das leicht zu erklären. Im Gegensatz zur Auffassung der Sumerer (die sich noch heute in unserem Begriff "Fixsterne" ausdrückt) bleiben die Sterne und Sternbilder nicht fix am Himmel. Durch die Pendelbewegung der Erdachse bewegen sie sich scheinbar und zwar alle ca. 2150 Jahre um ein Zeichen rückwärts. Diese Bewegung nennt man Präzession, sie wurde in der Zeitalterlehre von Plato bereits beschrieben ("Platonisches Jahr").

Das Sternbild Widder erschien
  • ungefähr um 2150 v. Chr. am Frühlingspunkt erstmalig im Osten,
  • um die Zeitenwende ungefähr am 21. April und
  • jetzt wandert sein Aufgang auf den 21. Mai zu.
Anders herum ausgedrückt: Am 21.3. erschien im Osten vor ca. 4000 Jahren das Sternbild Widder (Widder-Zeitalter), um die Zeitenwende das Sternbild Fische (Fische-Zeitalter) und demnächst das Sternbild Wassermann (Wassermann-Zeitalter). Die nur ungefähren Angaben machen aber auch eine prinzipielle Schwäche des Tierkreises aus Sternbildern deutlich: Die Konstellationen sind unterschiedlich groß und es ist nicht immer leicht festzustellen, wo ein Sternbild aufhört und das nächste anfängt.

Der aus Sternen gebildete Tierkreis, der nach dem lateinischen Wort für Stern "Siderischer Tierkreis" heißt, passte nicht mehr zu den astrologischen Daten. Das war eine Katastrophe.

Im nächsten Beitrag die Lösung des Problems.

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Re: Geschichte der Astrologie

Beitrag von Blumenfee » 23.03.2020, 07:29

Mathematisierung und Säkularisierung (2)

Es gibt in der Astrologie bis heute zwei Methoden, das Problem der Präzession zu lösen.

Die scheinbar einfachere hat man in der indischen (vedischen) Astrologie gewählt: Man rechnet einfach auf die aktuelle Planetenposition einen Verschiebewert drauf, die sogenannte Ayanamsa. Leider hat das die Probleme mit der unterschiedlichen Größe und den schwer festzustellenden Grenzen der Sternbilder nicht gelöst. Außerdem gab es immer wieder neue Methoden zur Berechnung dieses Faktors, im Moment gibt es mindestens drei verschiedene ja nach astrologischer Schule.

Die westliche/mesopotamische Astrologie ist einen anderen Weg gegangen:
Da der Tierkreis ja immer nur zur Positionsbestimmung von Sonne, Mond und Planeten gedient hat, haben griechische, ägyptische und babylonische Mathematiker einen Kreis berechnet, der außen um das Sonnensystem herum in der Ebene der Ekliptik liegt. Er dient als neuer Messkreis. Man kann ihn sich wie einen (gedachten) riesigen Zollstock vorstellen, der einen Kreis aus 12 Gliedern bildet, jedes mit 30 Messstrichen. Dieser Messkreis ist bestimmt durch die Wendepunkte, die Frühlings-Tag-und Nachtgleiche um den 21.3. und die Herbst-Tag-und Nachtgleiche um den 21.9.. Nach dem griechischen Wort für "wenden" heißt dieser Tierkreis "Tropischer Tierkreis".
Der tropische Tierkreis mit zwölf gleich großen Abschnitten
Der tropische Tierkreis mit zwölf gleich großen Abschnitten
Wer auf seinem Rechner noch einen Flashplayer installiert hat, kann sich das ganze auch als Animation hier https://www.planetenbilder.com/images/a ... /astro.htm ansehen.

Die Berechnungen waren sicher eine mathematische Meisterleistung. Es gibt die Vermutung, dass Pythagoras dabei beteiligt war, denn seine späteren Jünger, die Pythagoräer waren begeisterte Anhänger der Astrologie. Die 12 Abschnitte von je 30° heißen so, wie die Sternbilder des vorherigen Tierkreises. Sie sind so angeordnet wie zu Beginn der astrologischen Datensammlung; alle astrologischen Daten konnten also unverändert übernommen und weiter ergänzt werden.
Die Einführung des tropischen Tierkreises war jedoch eine Neuerung, die sich über mehrere Jahrhunderte vollzog, erst im 1. nachchristlichen Jahrhundert hatte sich der neue Tierkreis durchgesetzt und gilt bis heute.

Es gibt also zwei Tierkreise: Der siderische Tierkreis aus Sternbildern, die der Präzession unterliegen und für die westliche Astrologie keine Rolle mehr spielen, und der tropische Tierkreis, der ein reiner Messkreis in der Ebene der Ekliptik ist.

Aber das war nicht alles, was sich ändern musste. Die Götter Mesopotamiens wurden nicht mehr verehrt, die Planeten hatten keine religiöse Aufgabe mehr, das Christentum kam, aber die Astrologie funktionierte weiter. Warum? Dazu musste eine neue Theorie entwickelt werden, die ich im nächsten Beistrag versuche darzustellen.

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Re: Geschichte der Astrologie

Beitrag von Blumenfee » 23.03.2020, 10:21

Wie funktioniert Astrologie?

Was bedeutet "Astrologie funktioniert"? Dazu ein Beispiel auf politischer Ebene. Am 4. November 1989, 7 Uhr früh, bildeten Sonne, Mond und Planeten in unserem Sonnensystem eine Konstellation, die bezogen auf das Staatshoroskop der DDR astrologisch bedeutete: Aufhebung eines traumatischen Zustands mit sehr viel Power, aber ohne kriegerische Gewalt. Diese Konstellation war schon lange bekannt und in den astrologischen Arbeitskreisen wurde gerätselt, was das sein könnte: Natürlich konnte sich niemand vorstellen, dass die Mauer fällt, die Überlegungen gingen bestenfalls bis zum Generalstreik.
Die Konstellationen im Sonnensystem haben aber exakt zum Zeitpunkt des Ergebnisses das Widergespiegelt, was auf der Erde passiert ist. In der Astrologie wird dieser Entsprechungszustand "Zeitqualität" genannt.

Die Idee dahinter stammt von der sogenannten Tabula smaragdina, einem Text, der dem mythischen Hermes Trismegistos zugeschrieben wurde, einem griechisch-ägyptischen Gott. Nach ihm heißt die Kurzfassung "Hermetisches Gesetz" oder "Hermetische Regel":
Das was unten ist, ist wie das, was oben ist, und das was oben ist, ist wie das was unten ist, ein ewig dauerndes Wunder des Einen.

Damit ist nicht gemeint, dass Sonne, Mond und Planeten die Zeitqualität verursachen, sie zeigen sie bloß an wie eine riesige kosmische Uhr.

Das hermetische Gesetz bildet im Prinzip die philosophische Grundlage der Astrologie bis heute. Im 20. Jahrhundert hat der Psychoanalytiker C. G. Jung eine "Modernisierung" versucht, und das Verhältnis zwischen Planeten und Zuständen hier auf der Erde "Synchronizität" genannt. Das ist eigentlich nichts Anderes als das hermetische Gesetz, es klingt nur wissenschaftlicher. Auch die Anregung von Dane Rudhyar, das Sonnensystem als Fraktal zu betrachten, ist nur eine moderne Neuformulierung des hermetischen Gesetzes.

So kann also die Astrologie heute wie vor 3000 Jahren die Bedeutung von Zuständen analysieren, indem sie das Sonnensystem als riesige "Uhr" benutzt, um herauszufinden, welche Zeitqualität herrscht.

Viele Menschen bringen Astrologie ausschließlich mit Zukunftsdeutung in Verbindung. In der seriösen Astrologie sind Prognosen eher ein Abfallprodukt: Wenn man eine Konstellation kommen sieht, die bereits einmal vorgekommen ist, versucht man natürlich herauszufinden, was da auf einen zukommt. Merkwürdig ist dass dies als unseriös gilt, während auf anderen Gebieten viel häufiger Zukunftsprognosen gemacht werden: Praktisch keine ökonomische Entscheidung wird getroffen, ohne eine Prognose zu machen, wie das ausgehen wird. Die Jahresprognose der "Wirtschaftsweisen" muss alle paar Wochen korrigiert werden, aber Wirtschaftslehre ist seriös.
Wahrscheinlichkeitsrechnung gilt auch in vielen technischen Bereichen als seriöse Methode, die Zukunft vorherzusagen.

Als Astrologin finde ich natürlich die Ergebnisse astrologischer Deutung mindestens genauso seriös :D

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Aktuelle Situation astrologisch

Beitrag von Blumenfee » 28.03.2020, 17:38

Nachdem ich in einem der vorigen Beiträge erwähnt habe, dass sich auch politische Ereignisse wie z.B. der Mauerfall in astrologischen Konstellationen wiederfinden lassen, folgt eine vorsichtige Analyse der gegenwärtigen Ereignisse. Die Konstellationen stehen für astrologisch Versierte in Klammern, sind aber nicht nötig für das Textverständnis.
Eigentlich bin ich aber keine Mundan-Astrologin, Spezialisten auf diesem Gebiet können das sicher noch besser. Aber andererseits sind die Evidenzen so groß, dass eigentlich jeder, der die astrologischen Symbole lesen kann, die aktuelle Zeitqualität erkennen muss.

Wir hatten zu Beginn des Jahres eine Konstellation, die es nur ca. alle 500 Jahre gibt. Zuletzt fand sie im Januar 1518 statt (Konjunktion Pluto/Saturn im Steinbock). Eine solche Konstellation ist nichts, was von hier auf jetzt stattfindet; sie betrifft Entwicklungen, die sich über einen längeren Zeitraum, meist 10 Jahre und mehr, aufbauen und mindestens genauso lange weiter wirken. Das für 2020 abzulesende Symbol kann so umschrieben werden:
Überprüfung der herrschenden Ideen auf ihre Gemeinwesentauglichkeit; was den Test nicht besteht, zerstört sich selbst von innen heraus.

Wenn man sich die herrschende Idee „Wirtschaftswachstum über alles“ und ihre Ergebnisse ansieht, wird deutlich, dass diese den „Sozialtest“ nicht bestehen kann. Und das Wirtschaftswachstum ist im Moment gestoppt und wird sich wohl lange nicht erholen, wenn überhaupt. Wenn man mit 1518 vergleicht, wurde zwar die durch Ablasshandel finanzierte unmäßige Prachtentfaltung der katholischen Kirche nach einigen Jahrzehnten zurückgefahren, aber langfristig kam wenig Besseres nach, z.B. nahm die Zahl der Hexenprozesse in den nachfolgenden Jahren stark zu. Die mit der Reformation eingeleiteten Veränderungen nahmen tatsächlich erst 1648 ein vorläufiges Ende, aber es wurde nie wieder so wie vorher. Wie es jetzt mit uns weitergehen wird, lässt sich nicht voraussagen, auch nicht mit Astrologie.

Es ist kein Zufall, dass der Zusammenbruch ausgerechnet durch eine Pandemie ausgelöst wird. Die Fürsorge für Kranke und Alte zum Gegenstand von Aktiengewinnen zu machen, ist sicher einer der asozialsten Auswüchse unserer Wirtschaftsideologie.

Kurzfristige Veränderungen sind nach meiner Meinung nicht zu erwarten. Ab April (bis Mitte November) kommt zwar eine neue astrologische Konstellation dazu (Jupiter konj. Pluto), aber bei der vergleichbaren Konstellation 1522 wurde ein neuer Papst gewählt, der die absehbare Kirchenspaltung durch Reformen abwenden wollte und nach weniger als zwei Jahren vergiftet wurde. Auf heute übertragen: Es werden Politiker /Wortführer kommen, die Bestrebungen propagieren, unsere Gesellschaft wieder zu einer sozialen Gemeinschaft zu machen. Wir können nur hoffen, dass davon etwas gelingt und das Pendel nicht in die andere Richtung umschlägt: Mehr Totalitarismus, mehr Einschränkung, weniger bürgerliche Freiheit zum Preis einer garantierten Grundversorgung auf niedrigem Niveau.

Vielleicht kann diese Analyse dazu helfen, den Blick zu schärfen für das, was am Ende weiterbringt: Soziale Gerechtigkeit und soziales Miteinander, nicht nur bei der Nachbarschaftshilfe, sondern als ideeller Grundkonsens der Gesellschaft.

Gruß
Blumenfee

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