IASC - International Asatru Summer Camp 2018

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Ulrike
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IASC - International Asatru Summer Camp 2018

Beitrag von Ulrike » 21.01.2018, 13:19

Hallo zusammen,

die Anmeldung für das diesjährige IASC ist jetzt möglich, und zwar hier!
In Gerolstein in der schönen Eifel erwarten euch eine ganze Woche internationale heidnische Gemeinschaft, Workshops, Vorträge, Ausflüge, Party und viele gemeinsame Rituale.

Bei der Anmeldung werdet ihr gefragt, ob ihr eventuell Mitglied eines mitorganisierenden Vereins seit, bitte angeben und dran denken, damit ist nicht die Mitgliedschaft in diesem Forum, sondern die Vereinsmitgliedschaft gemeint.
Natürlich sind auch Nichtmitglieder herzlich willkommen.

Die Asatru-EU-Truppe freut sich auf Sommerferien mit euch!

Liebe Grüße, Ulrike

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Verdandi42
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Re: IASC - International Asatru Summer Camp 2018

Beitrag von Verdandi42 » 05.08.2018, 09:49

Hallo allerseits,

gestern ist nach einer erfüllten Woche inmitten der Eifel als Herzland des Matronenkultes das IASC zuende gegangen. Rund 100 Gäste von Neuseeland über Peru bis Island waren zugegen. Es war großartig, so viele verschiedene Menschen in der Verehrung der Hohen vereint zu erleben.

Speziell für die internationalen Gäste war der Besuch an den Kultstätten der Matronen ein besonderes Erlebnis, da hier auf dem Umweg über eine zumindest angenommene Adaption der Matronen in die Heiligenverehrung der kath. Kirche eine gewisse Kontinuität greifbar ist.

Danke an die Orga!

Das nächste IASC wird für 2021 geplant, der Austragungsort steht noch nicht fest. In der Diskussion stehen zzt. Norwegen, England, Niederlande. We'll see!

Beste Grüße,
Petra

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Ruebenharald
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Re: IASC - International Asatru Summer Camp 2018

Beitrag von Ruebenharald » 19.08.2018, 18:56

Das IASC 2018

Dieses Mal hatte es geklappt. Wir fuhren zu zweit zum „International Asatru Summer Camp“. Durch die Verhältnisse in Spanien (Stichwort: Katalonien) musste das IASC nämlich verlegt werden, und die Deutschen boten sich dankenswerterweise an, die Veranstaltung kurzfristig in die Eifel (genauer: nach Gerolstein) zu verlegen. Geben wir es zu: Der Preis war verdächtig niedrig, was die Frage danach, warum das Essen so gruselig war, beantwortete. Aber das ist besser als ein Bürgerkrieg, obwohl ich nicht sicher bin, ob man in einem Bürgerkrieg nicht doch wenigstens ab und an ein Frühstücksei kriegt.
Zum Inhalt: Das IASC umfasst verschiedene germanisch-heidnische Gruppen, die alle gemeinsam die Veranstaltung durchführen. Dies sind „Het Rad“ und „De 9 Werelden“ aus den Niederlanden, „Asatru UK“ und „The Kith oft he Tree and the Well“ aus Großbritannien, aus Frankreich „Les Enfant d’Yggdrasill“ und „Clan Ostara“, aus Schweden „Forn Sed Sverige“, aus Dänemark „Nordisk Tingfaellig“, „Asatrufellesskapet Bifrost“ aus Norwegen, „Gotland Forn Sed“ und „Asatru Iberica“ aus Spanien, dazu „Asatru Polska“ aus Polen. Dazu kamen der VfGH und der „Eldaring“ als deutsche Vereine. Ähnlich bunt wie die Reihen der Veranstalter waren auch die Gäste, die aus 16 Ländern kamen (darunter China, Peru, Neuseeland und die USA neben diversen europäischen Ländern).
Die Programmankündigung im Vorfeld war ein wenig gewöhnungsbedürftig, aber als das Programm dann als „IASC Herald #7“ kam, enthielt es neben den Programmpunkten auch diverse, für uns Deutsche lustige Warnungen für die internationalen Gäste (die Warnungen drehte sich z.B. um Gluten und den deutschen Zwang zu Bargeld).

28.07., Samstag
Eine Woche Programm – vom 28.07. bis 04.08. – war geplant, und die wollten wir uns nicht entgehen lassen. So fuhren wir am Samstag nach Gerolstein. Vor Ort wurden wir von verschiedenen bekannten und unbekannten Gesichtern begrüßt. Im Laufe der Zeit waren es insgesamt rund 30 „Eldaring“-Mitglieder, die uns beim IASC über den Weg gelaufen sind. Der Anteil der Deutschen insgesamt machte mit um die 50 Personen etwa die Hälfte aus.
Samstagabends gab es dann eine offizielle Begrüßung („Word of Welcome“) durch die Veranstalter, bei der und nach der man Gelegenheit hatte, bei einigen Bieren fremde Menschen zu Bekannten zu machen.
Die Sprache der Veranstaltung war Englisch – das lief sehr „smooth“ ab, da alle bemüht waren, den anderen zu verstehen und sich verständlich zu machen. Allen Vorurteilen zum Trotz waren überdies etliche der internationalen Gäste auch der deutschen Sprache mächtig.

29.07., Sonntag
Am Sonntag gab es eine „Creative Conversation“ zum Thema „Inclusion“. Die „Creative Conversation“ ist eine Art geleiteter Diskussion, wo Instrumente, die man aus der Pädagogik kennt, in Gesprächsführung (und Heidentum) eingesetzt werden. Interessant ist, dass es in diesem Rahmen zu einer guten und wertschätzenden Diskussion geführt hat. Natürlich ist es für Deutsche schwierig, das deutsche Wort „Inklusion“ und das englische „Inclusion“ in Beziehung zu bringen. Letzteres umfasst mehr, ist anti-rassistisch, anti-ausschließend und anti-faschistisch.
Man stellte fest, dass offenbar in vielen Ländern faschistische oder faschistoide Gruppe versuchen, in das nordische Heidentum vorzudringen oder dies, wie in den USA, bereits getan haben. Und wie schwierig es ist, die „linken Gruppen“ zu einem einheitlichen Auftreten zu bekommen.
Wir fanden dann noch Zeit, der Herbergsküche zu entfliehen und in das im Nachbardorf gelegene „Café Sherlock“ vorzudringen. Hier gab es neben einem wunderschön mit Krimi-Thementischen und Filmplakaten ausgestatteten Café und Restaurant ein Krimi-Archiv, ein Krimi-Antiquariat (ganz, ganz schlecht für den freien Platz in meinem Koffer) und einen Buchladen. Wir waren dann insgesamt drei Mal hier; beim zweiten Mal brachten wir Besucher aus den Niederlanden mit, die von Essen und Ambiente begeistert waren, das dritte Mal nahmen wir hier mit Freunden aus dem Eldaring einen Abschiedstrunk zu uns.
Nachmittags war die sehr schöne Eröffnungszeremonie. Abends gab es einen Vortrag über den Matronenkult im Eifeler Raum zur Römerzeit, den man zur Vorbereitung des Ausflugs am nächsten Tag zwingend hören musste. Inhaltlich sehr gut, souverän vorgetragen, lehrreich für Deutsche, Römer und vor allem die Gäste aus Übersee.

30.07., Montag
Der Matronen-Ausflug war gut besucht, so dass wir mit zwei Bussen fahren mussten. Zwei Matronen-Kultstätten wurden besucht (Nettersheim und Pesch), an beiden gab es Gelegenheit zu Freizeit mit dem eigenen Annähern an die Kraft und Macht der Matronen. Am zweiten Ort gab es ein u.a. vom Kölner Herdwart organisiertes Ritual, das kraftvoll und schwungvoll war.
Abends besuchten wir das „Flame of Frith“ und den Vortrag (ohne praktische Übungen) über „Sex and Religion“.

31.07., Dienstag
Mein Vortrag „Nazism in Fantasy and Paganism“ führte dazu, dass ich ab diesem Tag den Rest der Woche immer wieder im Gespräch zum Thema „Rechtsextremismus im aktuellen nordischen Heidentum“ war. Das waren alles interessante Gespräche, aber ich habe dann irgendwann gemerkt, dass das doch – gerade bei über 35 Grad Celsius – auch für mein Gehirn anstrengend sein kann.
Das an diesem Tag stattfindende „Voluspa-Ritual“ führte nicht zur Abkühlung, aber zur Entspannung.

01.08., Mittwoch
Der „Talk on Norns and Ritual“ und die anschließende, durchaus kontroverse Diskussion waren hochinteressant, besonders über die Zusammenhänge zu Geburtshilfe und Sterbebegleitung.
Im Vorfeld waren wir darum gebeten worden, bei einem erneuten „Handfasting“ („reneval marriage vows“) eines bereits lang verbundenen Paares mitzuwirken. Gerne waren wir bereit, und es werde – auch dank des unfassbar lustigen „Goden“ aus Schweden – ein unvergesslicher Moment.
Das anschließende „Big Wednesday Blot“ konnte dieses Ritual fast nicht „toppen”.
Abends gab es erst Lieder von „The Cunning Crone and Company“, danach versuchte ein heidnischer DJ uns zum Tanzen zu bringen. Aber bei Temperaturen, die immer noch über 30 Grad Celsius lagen, war das kaum möglich.

02.08., Donnerstag
Ausflug mit Stadtführung ins heidnische Trier. Umso weniger man über Busse sagt, die keine funktionierende Klimaanlage haben, desto besser. Schweigen wir genauso über eine Stereoanlage, die man nicht abstellen kann, so dass die ganze Zeit ein Rauschen und Kruscheln aus den Boxen kommt. Wenn man dann bei einer Außentemperatur von fast 40 Grad diverse organisatorische Mängel ausleidet – über deren Einzelheiten der gnädige Mantel des Schweigens gebreitet bleibt – und verlängert man diese Busfahrt ohne Absprache mit den ausgelieferten Teilnehmern um weitere 2 Stunden, was alle anschließenden Planungen für den Tag torpedierte, dann hat man eine ungefähre Vorstellung vom Rahmen dieses Ausflugs und der Gemütsverfassung, in der wir schließlich die Herberge mit dem dort drohenden Abendessen erreichten.
Trier selbst ist interessant.
Am Vortag hatte meine Frau beim Spazierengehen hinter Kriegsdenkmälern von 1848, 1864 und 1870/71 einen Friedhof identifiziert, auf dem die Opfer der letzten Monate des 2. Weltkriegs von September 1944 bis Kriegsende 1945 lagen – Gefallene, vor allem Kindersoldaten, aus dem „Volkssturm“ neben Zivilbevölkerung, Kriegsgefangenen und evtl. Kriegsgegnern aus anderen Ländern sowie Unbekannten. Ihr kam die Idee, dort ein Ahnenblot durchzuführen. In Absprache mit der IASC-Orga fand sich ein geeigneter Zeitpunkt für diese Programmerweiterung. Abends nahmen etwa 12 bis 15 Personen am Blot auf dem Friedhof teil. Im Vorfeld hatte sie nach etwas gesucht, was die bunte Mischung der hier Seite an Seite in einheitlichen Kriegsgräbern bestatteten Toten wohl verbunden haben könnte und stieß auf das Lied „Lili Marleen“. Sie erzählte dann etwas zur Geschichte des Liedes, wir sangen gemeinsam die erste Strophe in Deutsch, dann in Englisch. In einer sehr ergreifenden Blot-Runde hatte dann jeder die Gelegenheit, auf einen Ahnen zu trinken und etwas dazu zu erzählen.
Trotz des eigentlich bereits mehr als ausgefüllten Programms nahmen wir dann noch an einem spätabendlichen Spà-Ritual teil. In beeindruckender Weise wurden unter Anleitung des schwedischen Ritualleiters durch einen sich monoton wiederholenden Sprechgesang (Vardlokur) Energien des Teilnehmerkreises angereichert und kanalisiert, die dreien, in der Mitte platzierten Völven Kraft zur Wandlung und zur Entfaltung ihrer Kräfte verliehen. In einer zuvor abgestimmten Weise konnten dann Fragen an die Völven, bzw. Seidhr-Mothers und Seidhr-Father, gestellt werden.
Der Abend klang aus mit einem Heiden-Karaoke, auf dem Metall-Stücke dominierten. Ich brachte es an diesem Abend nur dazu, gemeinsam mit dem Hamburger Herdwart den Klassiker „Killing me softly“ zu singen. Das Publikum hatte Feuerzeuge in der Hand und weinte vor Rührung (oder Schmerz).

03.08., Freitag
Im Vortrag „Ar nDraiocht Fein Ritual“ ging es um die Grundlagen der Ritualarbeit aus keltischer Sicht, um dann in einer praktischen Übung (die sehr gut gelungen ist) die Umsetzung zu testen.
Das „Big Loki Battle“ mit Wasserbomben war eher etwas für die jüngere Generation.
Die sehr unterhaltsame Auktion brachte über 2000 Euro als Vorfinanzierung für das nächste IASC, dessen Ort noch zwischen Großbritannien, den Niederlanden und Schweden ausdiskutiert wird (es wird dann am Ende Deutschland, aber diese Voraussage halte ich noch geheim).
Die „Closing Ceremony“ wurde zu einer ergreifenden Umarmerei und den Rest des Abends schwänzten alle den geplanten Tanzabend, um draußen zu sitzen, Bier zu trinken, die Götter zu preisen, alte Freundschaften zu festigen und neue Freundschaften zu feiern.

04.08., Samstag
Nach einer Abschiedsrunde ging es heim.

Was fehlt? Noch drei Seiten Lästerungen darüber, ob Kartoffeldruck Asatru ist. Und die Auswertung der Erkenntnis, das Holländer keine Witze über Holländer kennen, dann aber herzhaft lachen, wenn man ihnen welche erzählt. Es fehlt der Versuch, eine schöne Woche glaubhaft in Worte zu kleiden. Man kann nicht alles haben.
Heil Delling. Heil den Matronae.

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Markus Nicklas
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Re: IASC - International Asatru Summer Camp 2018

Beitrag von Markus Nicklas » 22.08.2018, 15:32

danke für den unterhaltsamen Bericht

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Re: IASC - International Asatru Summer Camp 2018

Beitrag von jens » 23.08.2018, 22:48

Moin,

zu Ruebenharalds Bericht noch ein paar Anmerkungen:
Ja, ich würde es wieder tun. Zum IASC fahren und mit Dir Karaoke singen.
An mehreren Tagen war wieder Bronzegießen mit Peter möglich. Ich finde es bei solchen Veranstaltungen immer sehr wichtig und schön, wenn es neben den ganzen verkopften Programmbestandteilen auch etwas Handfestes zu tun gibt.
Ich hab den Teil über die ADF echt anders verstanden. Vor allem war das nicht keltisch. Die ADF bemüht sich um eine Neuschöpfung heidnischer Religion auf Basis indoeuropäischer Quellen. Sie haben mal mit den keltischen angefangen, das aber aufgrund der großen Lücken in der Überlieferung auf indoeuropäisch ausgeweitet. Und unser Ritual war stark germanisch geprägt mit Sleipnir, Heimdall und Runen.

Gruß,
Jens

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