Frühlingsgefühle

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Armin
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Frühlingsgefühle

Beitrag von Armin » 21.03.2020, 12:52

Liebe Leute,

ich habe eine etwas ironische Überschrift gewählt, weil ich nicht recht weiß, wie ich meine Gedanken sonst überschreiben soll, ohne, daß es gleich wieder in die Richtung geht, die ich nicht mehr ertragen kann obwohl es erst 1 1/2 Wochen sind, die wir von dem ganzen hinter uns haben.
Mir wirds himmelangst wenn ich in das gegenwärtige Geschehen hineinfühle und ich fühle mich damit momentan sehr alleine. Nicht physisch oder was die nun berühmten "sozialen Kontakte" betrifft. Die sind bei mir ohnehin eher überschaubar. Aber eben wenn ich in die "Dynamik" hineinfühle, würgt es mich.
Wäre es angebracht zu überlegen, wie sich "heidnischer Zusammenhalt" leben ließe, auch für Leute, die in der "Diaspora" leben? Mir ist u.a. das offenkundig sich im Sande verloffene Projekt der paganen "Seelsorge" in den Sinn gekommen, für die es jetzt vielleicht gar nicht so schlecht wäre, wenn es sie gäbe.

Was geht euch durch den Kopf?


Heil und Segen,

euer Armin

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Aethelstan1984
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Re: Frühlingsgefühle

Beitrag von Aethelstan1984 » 21.03.2020, 20:57

Lieber Armin,

mir fehlt die (Glaubens-) Gemeinschaft auch sehr. Ich bin niemand, der seinen Glauben außerhalb einer Gemeinschaft leben kann. Heute Abend habe ich alleine das Eir-Blot abgehalten, aber so schön es auch war: Es war nicht dasselbe wie zusammen mit anderen Glaubensbrüdern und Glaubensschwestern. Religion ist eben immer auch Gemeinschaft. Meine vielen christlichen Freunde haben es da etwas einfacher: Dort werden Gottesdienste live gestreamt oder Pfarrer und Seelsorger rufen bei den Menschen an, die diese Nähe brauchen. Ich ziehe meinen Hut vor diesen Leuten, die es momentan wahrlich nicht leicht haben und deren Selbstlosigkeit jeden Respekt verdient. Glaube ist immer auch Hoffnung und die brauchen wir jetzt mehr denn je. Umso wichtiger ist es, dass wir uns daran immer wieder erinnern und erinnern lassen. Ich glaube, dass insbesondere das Christentum hier einen entscheidenen seelsorgerischen Vorsprung hat, den wir als Heiden in dieser Form gar nicht entwickeln können. Oder fällt irgendjemandem hier ein ähnlich trostspendendes Wort ein wie der Psalm 23 im jüdisch-christlichen Kontext? "Und wenn ich auch wandere im finsteren Tal, du bist bei mir... ." Ich glaube, dass wir da wirklich einmal ernsthaft drüber nachdenken müssen, wie wir mit dem Thema Seelsorge umgehen können.

Bleib gesund!
Andreas
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Rudi
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Re: Frühlingsgefühle

Beitrag von Rudi » 21.03.2020, 22:18

Hallo Armin,
jaa, es fühlt sich im Moment wirklich "einsam" an. Ostara, eine der wenigen Gelegenheiten, sich in größerer heidnischer Gemeinschaft zu treffen und die Götter zu feiern, ist abgesagt. Wie lange dieser Zustand noch dauert
ist völlig unklar. Ich werde heute abend auch ein "Privatblot" machen - in Gesellschaft wärs halt schöner!
Wenn Du im übrigen die Verdandi-Hilfe meinst - dieses Projekt ist ja seinerzeit sehr intensiv diskutiert worden. Es
enthält, soweit ich mich erinnere, einige noch nicht gelöste Probleme. Was aber nicht heißt, daß nicht jeder in seinem Umfeld auf privater Ebene initiativ werden kann wenn Hilfe notwendig ist.
Ansonsten wünsche ich uns, daß diese Zeit bald vorbeigeht und wir uns spätestens zu Mittsommer wieder zusammen treffen können.
Man darf ja träumen...
LG,
Rudi
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Armin
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Re: Frühlingsgefühle

Beitrag von Armin » 21.03.2020, 23:40

Danke für die Antworten :)

Ich bin mir gar nicht sicher, ob es unbedingt nötig wäre, daß man aus für uns relevanten Schriften (obwohl ich das schön fände) den ganz großen Trost zieht. Sondern - und wenn es beispielsweise "nur" im Forum wäre, einfach im von mir aus erweitertsten Sinn unsres Glaubens miteinander redet, tröstet, lacht, seine Ängste mitteilt - egal ob offen oder unter vier, sechs, xy Augen. Heidnische "Seelsorge" wäre für mich auch mehr so eine Art aufeinander aufpassen, wie es (sofern ich es mitbekommen habe) in Skandinavien verbeiteter Weise praktiziert wird. Dort besucht man sich in den kalten, dunkleren Monaten beisipelsweise sehr häufig, trinkt Tee miteinander (unabhänig vom Glauben). Das ist in der "Diaspora" nun eben sehr schwer. Im Forum wurde früher viel mehr kommuniziert, es gab Erfahrungsaustausch etc. - so etwas finde ich schon einmal eine gute Basis, aber wenn es eine handvoll Meschen gäbe, die beispielsweise zu bestimmten Terminen Zeit für Gespräche hätten, ließe sich damit schon mal ein weiterer solider Bereich an Fundament abdecken und im Idealfall ginge das im Schneeballsystem weiter.
An welchen Fragen ist die Verdandi-Hilfe denn bisher unverwirklicht geblieben? Es hat eine Zeit lang eine Homepage gegeben, die aber schon länger nicht mehr aufrufbar ist.

Was mir am momentanen Geschehen große Angst macht ist viel weniger der unmittelbare medizinische Aspekt, sondern die psychologischen Konsequenzen, die sich, egal wie es sich nun fortentwickelt, daraus ergeben. Ich las heute einen Artikel über die bedenklichen Ausmaße psychischer Schäden, die a) ein solcher Schock, wie er jetzt seit zwei Wochen durch die Gesellschaft fährt, nach sich zieht und b) über die Folgen lang anhaltender sozialer Isolation (die ja weltweit stattfindet), sei es allein oder in der Familie. Die Vorstellung, massenhafter, weltweiter posttraumatischer Belastungsstörungen, die in ihrem Großteil unausgesprochen, ungelöst, ungeheilt bleiben werden, macht mir fürchterliche Angst. Zumal, weil ich bisher nicht erkennen kann, daß diese Aspekte in irgendeiner Weise in die Enscheidungsfindung eingebunden werden. Daß wir in unserem Umfang diesbezüglich natürlich nur im Minimum wirken können, ist mir klar, aber es wäre jetzt vielleicht eben gerade ein guter Zeitpunkt, um über alles das mit konzentriertem Geist nachzudenken.

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Aethelstan1984
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Re: Frühlingsgefühle

Beitrag von Aethelstan1984 » 22.03.2020, 11:35

Hinzu kommt die zusätzliche enorme Belastung für all jene, die ohnehin schon unter psychischen Erkrankungen leiden. Ich werde selbst seit meiner Jugend von Depressionen und immer wieder auftretenden Angststörungen geplagt. Bereits unter normalen Umständen ist es schwierig die in den Griff zu bekommen: Zu den üblichen Taktken zählt ein fester und geregelter Tagesablauf, ein gutes soziales Netzwerk und, so banal es auch klingt, regelmäßige Bewegung an der frischen Luft. All das ist im Moment gefährdet oder schon massiv eingeschränkt und das macht es für mich gerade extrem schwer mit der Situation umzugehen.
Gleichzeitig verstehe ich die Notwendigkeit der Maßnahmen und die Bedeutung des eigenen Verhaltens, sodass ich mich den Richtlinien selbstverständlich füge. Bedrückend ist letztlich die Unsicherheit, wann das Leben wieder seinen normalen Gang gehen kann.
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