Landanerkennung

Diskussionen rund um heidnische Kultpraxis und Heidentum im Alltag
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Markus Nicklas
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Landanerkennung

Beitrag von Markus Nicklas »

das hat sehr einfach mit ein paar formelhaften Sätzen beim Spazierengehen begonnen und eines Tages hatte ich dann die eigenartige Idee, eine KI zu Rate zu ziehen

Chat GPT gibt interessante Hinweise:

Sprechen Sie mit lokalen Organisationen (z.B. Roma-Verbänden, der jüdischen Gemeinde in Kassel) - ihre Perspektive ist entscheidend.
Verwenden Sie den Begriff „indigen“ mit Vorsicht - in Europa ist er nicht so rechtlich und kulturell verankert wie z.B. in Kanada.

Vermeiden Sie Verallgemeinerungen (z. B. „die Ureinwohner Europas“) - dies kann historisch oder politisch heikel sein.


Weiter:

"Wir wollen anerkennen, dass wir uns heute in einem Gebiet versammeln, das über viele Generationen hinweg von Menschen bewohnt wurde, die enge Beziehungen zu diesem Land hatten - darunter auch Angehörige von Gruppen, die historisch diskriminiert und unterdrückt wurden. Wir erinnern insbesondere an die Sinti und Roma, die seit Jahrhunderten in Hessen leben, sowie an die jüdische Gemeinschaft, deren Geschichte eng mit dieser Region verbunden ist. Wir würdigen ihre kulturellen Beiträge, ihr Leid und ihre Widerstandskraft."

Welche Sprache, welches alte Idiom kann ich verwenden, anklingen lassen? Und was kann ich tun, wenn ich unterwegs auf Dinge treffe, die ich für fragwürdig halte?
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Markus Nicklas
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Re: Fehler machen

Beitrag von Markus Nicklas »

neulich habe ich aus der Ferne eine uralte Begräbnisstätte und den Umgang mit ihr in jüngerer Zeit recherchiert. Das ist vor allem deswegen spannend, weil es in der Weimarer Republik und dem "3.Reich" Instrumentalisierung gegeben hat.
Jedermensch kann für sich privat an einer Begräbnisstätte eine Zeremonie abhalten. Meine Erfahrung ist die, dass ich im Grunde alle Religionsgruppe einschließen muss, weil es die großen christlichen Konfessionen in meiner Familie gibt. Das ist schonmal kompliziert. Zudem hege ich Zweifel, ob es angemessen ist, die karolingische Kampagne als "kolonialistisch" zu bezeichnen. Die Methoden mögen sich ähneln, doch die Politik, die den Begriff an sich prägt, sollte dazu führen, dass vornehmlich derer gedacht wird, die durch Kolonisation betroffen waren und sind, als der Begriff an sich geprägt wurde. Die nachträglich Zuschreibung birgt Risiko. Auf jeden Fall das, durch den Begriff und seine Verwendung Betroffenen Aufmerksamkeit zu nehmen.

Als Abschluss meiner Recherche zu den sogenannten Düwelsteinen - ein Begriff, auf dessen Verwendung ich später eingehen will: "Teufelssteine" (Monströsität an sich) - äußerte ich gegenüber einem Wissenschaftler den Wunsch, dass ich es spannend finden würde, wenn vor Ort, dort wo die Steine instrumentalisiert wurden, eine verantwortungsbewusste Befassung mit dem jüngeren geschichtlichen Hintergrund statt finden könnte. Hier ein paar Anregungen dazu

https://www.penguin.de/buecher/stephan- ... 3453218697
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Re: Landanerkennung

Beitrag von [+] »

Markus Nicklas hat geschrieben: 19.08.2025, 16:46 Vermeiden Sie Verallgemeinerungen (z. B. „die Ureinwohner Europas“) - dies kann historisch oder politisch heikel sein.

Alles an diesem Zitat regt mich auf. Geschichte ist doch keine Geschmackssache.
Nur ein Narr betet erst den Leichnam an.
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Markus Nicklas
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Re: Landanerkennung

Beitrag von Markus Nicklas »

[+] hat geschrieben: 24.08.2025, 23:31
Markus Nicklas hat geschrieben: 19.08.2025, 16:46 Vermeiden Sie Verallgemeinerungen (z. B. „die Ureinwohner Europas“) - dies kann historisch oder politisch heikel sein.

Alles an diesem Zitat regt mich auf. Geschichte ist doch keine Geschmackssache.
Das ist lediglich ein Angebot. Wenn es zum Beispiel eine ungebrochene Überlieferung einer auf die Cherusker zurückreichenden Tradition geben würde, dann könnte ich sie nennen. Die Verallgemeinerung an sich ist für mich demnach nutzlos und sogar irreführend. Ich sehe das so, dass die Nennung so gut zu belegen und lebendig sein sollte wie es geht. Meiner Ansicht nach ist weder das Eine noch das Andere der Fall.

Was mich daran anregt, ist der Eindruck der Lücke. Ich bin noch lange nicht an einem Punkt, an dem ich eine Vermutung äußern könnte, was sie füllen könnte.

Danke für Deine Äußerung, die ich hilfreich finde. :)
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Markus Nicklas
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Sprachgebrauch und Aufmerksamkeit

Beitrag von Markus Nicklas »

in einer dörflichen Gemeinde hier in der Nähe gibt es Schilder, die in der Landschaft Namen nennen, z.B. den "Taternpfahl" an dem Leute lagern mussten, die nicht im Dorf erwünscht waren, und mittels QR-Code Infoschnipsel anbieten, die mensch dann mit der Infobroschüre des Vereins vertiefen kann. Dadurch kommt eine Bezeichnung zum Ausdruck, die füher für Sinti und Roma Verwendung gefunden hat. Um das ausführlich zu erläutern für ich eine Broschüre eines Mindener Vereins an. Was passiert, wenn durch Schrift und Sprache eine Personengruppe stigmatisiert wird?

Wie und warum kann jemand, der an einheimischer Kultur Interesse zeigt, durch die Aufmerksamkeit für marginaliserte Gruppen, seinem eigenen Interesse helfen? Ich meine, weil die die Betroffenen von Ausgrenzung und Schlimmerem, für die meine Ahnen die Verantwortung tragen, mich motiviert, den eigenen emotionalen Schlamassel abzutragen, Täter/Opfer-Beziehung klar auszumachen und damit den Grund für hilfreiche Beziehungen zu Leuten und Land zu legen.

Danach habe ich mehr Raum für die Befassung mit weiter zurückliegenden Ereignissen und kann gucken, ob und wie deren fortwährende Wirkung mich heute noch beeinflusst.


https://sintiroma-minden.de/

Handreichnung-Antiziganismus_.pdf
(2.22 MiB) 7-mal heruntergeladen
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